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Frankreich hat 20.000 heimlich gebaute Pools entdeckt - aber wie?

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Von Alexandra Leistner
Frankreich und seine Privatpools: Im Schnitt kommt ein Schwimmbad auf 21 Einwohner, insgesamt sind es laut Branchenverband rund 3,2 Mio. Pools.
Frankreich und seine Privatpools: Im Schnitt kommt ein Schwimmbad auf 21 Einwohner, insgesamt sind es laut Branchenverband rund 3,2 Mio. Pools.   -   Copyright  Humphrey Muleba on Unsplash

Wer in Frankreich einen Außenpool besitzt und diesen beim Fiskus nicht deklariert hat, der muss jetzt vielleicht bangen. Denn durch Analysen mithilfe künstlicher Intelligenz hat der Staat tausende nicht deklarierte Schwimmbäder entdeckt.

Was zunächst in einem Pilotprojekt auf bestimmte Regionen begrenzt war, soll in ganz Frankreich eingeführt werden und könnte sogar auf illegale Anbauten, Wintergärten oder größere Gartenlauben ausgeweitet werden, wie das Finanzministerium am Montag bekannt gab.

Denn die Auswertung lohnt sich für den französischen Staat: 10 Mio. Euro konnten auf diese Weise bereits kassiert werden, 20.000 Schwimmbecken in Privatgärten wurden ausgemacht, die bisher nicht erfasst worden waren.

"Die Ausweitung wird ab September schrittweise in allen Departements in Frankreich erfolgen", erklärte die Generaldirektion für öffentliche Finanzen. Bis zum Jahr 2023 verspricht man sich dadurch Nachzahlungen in Höhe von insgesamt rund 40 Mio. Euro - was Berichtigungen der fehlenden Besteuerung in den Vorjahren sowie Beiträge zur Grundsteuer 2022 beinhalten.

Diese Einnahmen kommen dann ab sofort auch in den folgenden Jahren dem Haushalt der Kommunen zugute.

Wie wurden die Pools entdeckt?

Um Schwimmbäder ausfindig zu machen, die den Steuerbehörden nicht bekannt waren, wurde eine speziell entwickelte Software verwendet, an der das Beratungsunternehmen Capgemini und Google zusammengearbeitet haben.

Dazu vergleicht ein Algorithmus Satellitenbilder mit den Daten des Katasteramts und findet Abweichungen. Dabei lernt die Software aus eigenen Fehlern und wird immer genauer.

Einer aktuellen Erhebung des Branchenverbands FPP für Schwimmbadbauer zufolge gibt es in Frankreich derzeit rund 3,2 Mio. Schwimmbäder, davon 1,55 Mio. eingelassene Becken und 1,64 Mio. Pools die zwar fest aufgestellt aber oberhalb des Bodens sind.

Welche Schwimmbäder müssen in Frankreich genehmigt und bei den Steuerbehörden gemeldet werden?

Weil Pools dem Immobilienwert steigern, müssen sie bei den Steuerbehörden deklariert werden. Das entsprechende Formular muss spätestens 90 Tage nach Ende des Baus eingereicht werden.

Bis zu 500 Euro pro Jahr an Grundsteuer kostet ein Pool nach Angaben der Steuerbehörden in Frankreich.

Vor allem seit den Corona-Lockdowns, die in Frankreich besonders strikt waren mit Ausgangssperren und wochenlangen sogenannten "Confinements" boomt die Nachfrage nach Privatpools. Im Jahr 2022 wurden nach Angaben des FPP 244.000 Schwimmbäder gebaut, ein Zuwachs von 32 Prozent im Vergleich zu 2020.

Und der Boom hält an: Bis 2024 haben laut der FPP-Erhebung bereits 230.000 Französinnen und Franzosen ihren eigenen Privatpool bauen zu lassen.

Und nicht nur superreiche Villen-Besitzer besitzen Privatpools: Laut Statistik handelt es sich um einen Trend, der alle Bevölkerungsschichten betrifft. Der Anteil der Handwerker:innen, Landwirt:innen und Angestellten, die einen in den Boden eingelassenen Swimmingpool besitzen, sei in nur vier Jahren um mehr als 10 Prozentpunkte gestiegen. Sie machen nun fast 1/4 der Besitzer von Privatpools aus (24,7 %), gegenüber noch 14,1 % im Jahr 2017.

Wie hoch ist die Strafe für ein nicht deklariertes Schwimmbad?

Generell gilt das Verschweigen eines Pools bei den Steuerbehörden in Frankreich als Steuerbetrug. Jedes Becken, das mehr als 10 Quadratmeter groß ist und nicht verstellt werden kann ohne dabei zerstört zu werden, muss gemeldet werden. 

Wo der Fiskus derzeit nur nicht gezahlte Steuern zurückfordert, hat der französische Staat weitaus drastischere Möglichkeiten, Besitzer:innen illegal gebaute Pools zu bestrafen.

Gemäß Städtebaugesetz beträgt die Grundstrafe 1.200 Euro, diese kann aber in bestimmten Situationen auf bis zu 6.000 Euro pro m² und in Sonderfällen auf bis zu 300.000 Euro ansteigen.

Der Staat kann sogar den Abbau des Pools beantragen - auf Kosten der Besitzer:innen. Wer dann erneut ein Schwimmbad ohne Genehmigung und Steuererklärung baut, dem drohen bis zu 6 Monate Gefängnis.