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Energiekrise: Polen hat Panik vor dem Winter

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Von Magdalena Chodownik, Sabine Sans
Energiekrise: Polen hat Panik vor dem Winter
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Wie kommt Polen mit der Energiekrise klar? Wałbrzych ist eine polnische Stadt in Niederschlesien, diestark von der Kohle geprägt ist - erst durch den Bergbau, dann durch die Schließung von Bergwerken und die daraus folgende Arbeitslosigkeit und schließlich durch den illegalen Bergbau, der von ehemaligen Bergleuten betrieben wird.

Roman Janiszek, ein Bergmann im Ruhestand, erklärt, dass Kohle heute, in Zeiten der Energiekrise, zu einem wertvollen Gut geworden ist:  "Die Renten, die die meisten Menschen hier aus dieser Zeit haben, sind nicht sehr hoch. Es ist schwer, sich eine Tonne Kohle im Lagerhaus zu kaufen, wenn der Preis zwischen umgerechnet 424 und 636 Euro liegt. Aber man kann es sich leisten, fünf oder zehn Säcke Kohle zu kaufen, um noch Geld zu haben, jeden Monat zu überleben. Denn so wird hier gerechnet."

Mit "Säcken" meint der Rentner illegal abgebaute Kohle: Genau wie früher haben einige Leute wieder angefangen, nach Kohle zu graben: _"_Es ist fraglich, ob es [Kohle] aus illegalen Minen geben wird", so der Rentner. "Sie wird auf jeden Fall billiger sein. Vielleicht werden die Behörden der Stadt versuchen, den Abbau dieser minderwertigen Kohle zu verhindern, weil sie illegal ist."

Mangel an Kohle

Ein weiteres Problem ist der Mangel an Kohle auf dem polnischen Markt. Einwohner von Walbrzych, wie Anna, sind darauf angewiesen, Holz zu verbrennen: "Dieses Jahr bin ich, was das Heizen betrifft, nicht vorbereitet. Wir haben nichts, wir haben keine Reserven. In den Lagerhäusern gibt es keine Kohle. Wenn es welche gibt, kann man sie im Abonnement bekommen, aber um sie kaufen zu können, muss man leider eine sehr große Menge nehmen. Und das können wir uns leider nicht leisten."

Die polnische Regierung hat finanzielle Hilfen für diejenigen eingeführt, die ihre Wohnungen mit Kohle heizen: Die Regierung hat ein Hilfspaket vorbereitet, das Budget beträgt 11,5 Milliarden Zloty, umgerechnet 2,5 Milliarden Euro. Es handelt sich um eine Unterstützung für alle Haushalte in Polen, die Kohle für die Beheizung ihrer Wohnungen verwenden. Es gibt eine einmalige Subvention von 636 Euro, erklärt ein Regierungssprecher der polnischen Regierung. .

Experten warnen jedoch davor, dass die Regierung zu großzügig sei: "Der polnische Staat sollte die ärmsten Haushalte unterstützen. Er hat nicht die Mittel, um allen Haushalten zu helfen", meintRafał Zasuń, Energie-Experte und Autor bei WysokieNapiecie.pl.

Wie kommt Polen über den Winter?

Über diese Thematik sprach Euronews-Reporterin Magdalena Chodownik mit dem Experten: Polen verwendet mehr Kohle zum Heizen als jedes andere Land in Europa. Trotz der Tatsache, dass Polen selbst Kohle abbaut, importierte es einen Großteil dieses Rohstoffs aus Russland. Der Import wurde jedoch durch den Krieg in der Ukraine und die Sanktionen gegen Russland unterbrochen. 

Magdalena Chodownik: Danke, dass Sie unser Gast sind. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation in Polen ein?

Rafał Zasuń: Wegen des Embargos müssen wir einige Millionen Tonnen Kohle aus anderen Ländern als Russland importieren. Polen hat das russische Kohleembargo früher als andere europäische Länder eingeführt, bereits im April. Andere europäische Länder haben erst im August reagiert, sodass sie Zeit hatten, die Reserven mit russischer Kohle aufzufüllen. Außerdem ist Polen in einer unglücklichen Lage, weil wir eine besondere Art von Kohle für Haushalte benötigen, die in Ländern wie Großbritannien und Deutschland nicht mehr verwendet wird. Diese Art von Kohle wird wahrscheinlich sehr knapp werden.

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Rafał Zasuń, Energie-Experte und Autor bei WysokieNapiecie.pleuronews

Euronews: Es herrscht eine Art Panik in der Bevölkerung.

Rafał Zasuń: Die Panik ist verständlich, denn die Menschen wissen, dass es keine Kohle gibt. Die Menschen sehen den Preis, und der Preis für diese spezielle Kohle für Haushalte explodiert.

Euronews: Inwieweit hat der Ukrainekrieg Auswirkungen auf die Energieversorgung in Europa?

Rafał Zasuń: Er ist natürlich der Hauptgrund für die Krise. Nicht der Krieg selbst, sondern die Sanktionen und die europäische Unterstützung für die Ukraine. Wir (die polnische Regierung) haben das russische Kohleembargo zu früh eingeführt. Hätten wir es im August eingeführt, wie der Rest der Europäischen Union, hätten wir die Kohlereserven erhöhen können. Wir haben jetzt mehr Kohle importiert, aber diese Kohle aus Kolumbien, Indonesien und Südafrika kann die russische Kohle nicht zu 100 % ersetzen, da die russische Kohle jahrelang auf die Bedürfnisse der polnischen Familien abgestimmt war.

Euronews: Wird Polen die Energiekrise meistern?

Rafał Zasuń: Niemand kann vorhersagen, wie sich die Dinge entwickeln werden.