Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Unternehmertum in Katar: Ideen und Innovation fördern

Von Miranda Atty, Aadel Haleem
Unternehmertum in Katar: Ideen und Innovation fördern
Copyright  euronews   -  

Barrierefreiheit ist ein wichtiger Faktor bei der Organisation von Großveranstaltungen - das gilt auch für die Fußballweltmeisterschaft. Hier in Katar sorgt ein lokales Start-up-Unternehmen dafür, dass digitale Inhalte für sehbehinderte Fans leicht zugänglich gemacht werden. Qatar365 traf das Team von Bonocle, um mehr zu erfahren.

Die Brailleschrift ins 21. Jahrhundert bringen

Das im Qatar Science & Technology Park ansässige Unternehmen Bonocle wurde von zwei Ingenieurstudenten ins Leben gerufen, die die Unterhaltungsplattform in Brailleschrift zufällig entwickelten.

Abdelrazak Aly, einer der Mitbegründer, brach sich bei einem Autounfall die Hand und suchte Hilfe beim Zentrum für besondere Bedürfnisse seiner Universität, um mit den Anforderungen seines Studiums Schritt halten zu können.

"Dort lernte ich die Blindengemeinschaft besser kennen. Ich wurde neugierig: Wie nutzen sie Technologie? Wie greifen sie auf das Studienmaterial zu? Ich hatte ähnliche Probleme wie sie, vom Zugang zu den Inhalten bis hin zu den Bemühungen, Freiwillige zu finden, die die Inhalte in ein zugängliches Format bringen, damit sie überhaupt studieren können", sagt Abdelrazak Aly, Mitbegründer von Bonocle.

Bonocle ist ein kleines, tragbares Gerät, das eine Fülle von Möglichkeiten bietet. Das mit einer "Braille-Zelle", drei Tasten und verschiedenen haptischen Elementen ausgestattete Gerät hilft sehbehinderten Menschen beim Lesen, Schreiben, Zählen, Messen und sogar beim Spielen.

Das endgültige Design wurde ausgewählt, nachdem mehrere verschiedene Handgeräte, darunter Stifte oder Handschuhe, getestet worden waren.

Foto: Bonocle
Bonocle-GerätFoto: Bonocle

Technologie soll die Kluft überwinden

Dem Bonocle-Kreativteam zufolge wurde das Gerät aus dem Bedürfnis heraus entwickelt, die Braille-Technologie zu modernisieren, die entweder sehr teuer, sperrig oder unzuverlässig war und folglich die Kluft zwischen Blinden und Sehenden vergrößerte.

Während seiner Genesung waren Abdelrazak Aly und sein Mitbegründer Ramy Soliman schockiert über die Kluft zwischen der sehenden und der blinden Gemeinschaft. Laut Soliman sollte es so etwas im 21. Jahrhundert nicht mehr geben:

"Es hat uns immer schockiert, dass die Sehbehinderten immer ausgegrenzt wurden. Es gibt separate Schulen, separate Einrichtungen und sogar am Arbeitsplatz sind sie normalerweise vom Rest der Gemeinschaft getrennt", sagt er.

Die beiden Männer hoffen, dass ihr Gerät dazu beiträgt, Menschen mit unterschiedlichen Sehbehinderungen in die normale Gesellschaft, in Schulen, am Arbeitsplatz oder sogar in Spielzentren zu integrieren. Sie begannen damit, ihr Gerät zu testen und blinde Spieler in die katarische Spieler-Community einzubeziehen.

euronews
Ikrami Ahmed spielt mit Bonocle ein Spieleuronews

Ikrami Ahmed ist ein Braille-Lehrer, der das Bonocle-Gerät benutzt. Er sagt, es sei ein tolles Gefühl, mit anderen Spielern zu spielen.

"Das ist echte Integration, an Mainstream-Events teilzunehmen und sich mit echten Spielern zu messen. Ja, es macht auf jeden Fall Spaß, und ich freue mich darauf, zu entdecken, was man mit diesem winzigen Gerät noch alles machen kann", sagt er.

Die Entwicklung von Bonocle während Pandemiezeiten war nicht einfach. Ein großer Vertrauensbeweis in die neue Technologie war der Auftrag, zur Fußballweltmeisterschaft digitale Inhalte in Blindenschrift zu erstellen.

"Die Herausforderungen, mit denen wir hier in Katar konfrontiert sind, gelten für Blinde auf der ganzen Welt. Wir blicken in die Zukunft, wir suchen nach weiteren Verbesserungen und einer stärkeren Eingliederung in die Gesellschaft.
Ikrami Ahmed
Braille-Lehrer

Der Braille-Lehrer kann sich vorstellen, dass Bonocle in Zukunft zum Alltag eines Blinden gehört. Er ist davon überzeugt, dass sich die Kluft weiter schließen wird, wenn technologische Fortschritte den Weg ebnen.

euronews
Beim Nutzen von Bonocleeuronews

Katar und Unternehmertum

Katar will Potenzial und Talent stärken. Um Innovationen zu fördern und zu unterstützen, hat das Land den Qatar Science and Technology Park (QSTP) eröffnet, ein Zentrum für Start-ups und Technologieunternehmen.

Das Team von Qatar365 traf sich mit Hayfa al Abdulla, Innovationsdirektorin im QSTP. Sie erklärt, was den Park zu einer so wichtigen Plattform macht.

"Für uns ist es wichtig, den Raum für den Aufbau einer Gemeinschaft zu haben, aber noch wichtiger ist es, die richtigen Leute einzubinden und die richtigen Verbindungen herzustellen, die Start-ups brauchen, sei es, um sie mit Investoren, den richtigen Mentoren oder mit den Marktchancen in Kontakt zu bringen", erklärt sie.

euronews
Hayfa al Abdulla, Innovationsdirektorin im Wissenschafts- und Innovationsparkeuronews

QTSP unterstützt Unternehmer in verschiedenen Phasen, von der Entwicklung von Ideen, der Ausbildung junger Start-ups und der Unterstützung beim Aufbau ihrer Geschäftsmodelle bis hin zu Finanzierung, Mentoring und Förderung des Wachstums.

Als jemand, der im Innovationsbereich tätig war, ist Hayfa Al Abdulla der Meinung, dass der Schlüssel zum Erfolg eines Unternehmers darin liegt, sich auf den Aufbau des richtigen Teams zur Entwicklung der Idee zu konzentrieren.

"Man muss sicherstellen, dass man in der Lage ist, ein technisches Start-up zu leiten, und dass man die richtigen Leute um sich schart. Es ist ein harter Weg. Und wenn man die richtigen Leute an seiner Seite hat, ist es wahrscheinlicher, dass man Erfolg hat", fügt sie hinzu.

euronews
Der Wissenschafts- und Technologiepark in Katareuronews

Wenn Edutainment die Innovation fördert

QSTP ist auch Schauplatz der langjährigen Reality-TV-Edutainment-Show der Qatar Foundation, "Stars of Science", einem 12-wöchigen Wettbewerb, bei dem arabische Tüftler um den Titel des besten Erfinders kämpfen. Aber was passiert mit den Kandidaten nach dem Ende ihrer Staffel? Das wollen wir herausfinden.

Khalid Aboujassoum

Khalid Aboujassoum nahm nicht nur an "Stars of Science" teil, er ging auch mit der Trophäe der Ausgabe 2012 nach Hause.

Sein Produkt? Ein autonomer Kochroboter namens Oliver. Die Idee dazu hatte der Erfinder schon vor seiner Teilnahme an der Show, als er das Konzept vorstellte, künstliche Intelligenz zu nutzen, um perfekt gekochte Hausmannskost zuzubereiten.

"2012, 2011, waren wir gerade erst am Anfang. Damals gab es nur ein einziges digitales Gründerzentrum im ganzen Land. Das Umfeld für Gründer hat sich definitiv weiterentwickelt. Ich will ein globales Unternehmen aufbauen. Es ist eine globale Herausforderung. Es ist ein globales Bedürfnis, das wir wirklich angehen müssen: qualitativ hochwertige Lebensmittel durch Technologie und Robotik zugänglich zu machen."

Jetzt will er seine Idee in so viele Küchen wie möglich bringen. Dazu gehören private Haushalte, aber auch gewerbliche Einrichtungen. Das Ziel ist eine Oliver-Flotte automatischer Köche für Restaurants, Catering sowie für Bohrinseln und Boote.

Foto: Oliver/Else Labs
Oliver - der KochroboterFoto: Oliver/Else Labs

Majed Lababidi

Majed Lababidi nahm an der dritten Staffel von "Stars of Science" teil und entwickelte ein Gerät für kostenloses WLAN. Nach Stars of Science beteiligte er sich an der Entwicklung von Droobi Health, einer App, die auf Gesundheitsprävention und -management spezialisiert ist. Heute ist er Geschäftsführer von Rawi Al Kotob, einem Anbieter von arabischen Audio-Inhalten. er hat also bereits eine Reihe von Unternehmen geleitet. Für ihn ist Unternehmer zu sein eine Frage der Einstellung.

"Das Schwierigste am Unternehmertum ist es, den Enthusiasmus aufrechtzuerhalten, denn an einem Tag ist es großartig, am zweiten Tag fallen Bomben vom Himmel. Es ist nie beständig. Es ist also sehr schwer, immer diszipliniert und leidenschaftlich für seine Ideen einzutreten."
Majed Lababidi
Unternehmer

Mehr als ein Jahrzehnt nach seiner Teilnahme an der Sendung gibt der Unternehmer nun seine Erfahrungen an neue Kandidaten weiter. Er genießt es, Mentor zu sein, die Leidenschaft der Tüftler zu erleben und  spannende neue Ideen kennenzulernen.

Stars of Science / Khayal Production
Majed Lababidi (Mitte), Geschäftsführer von Rawi Al KotobStars of Science / Khayal Production

"Stars of Science" soll das Interesse an Wissenschaft und Innovation wecken. Darüber hinaus fördert die Show aber auch ein unternehmerisches Ökosystem in der Region, das weit über die 12 Wochen des Wettbewerbs hinausgeht.