Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

"Hast Du noch Benzin?" Streiks sorgen für Chaos an Frankreichs Tankstellen

Access to the comments Kommentare
Von Anelise Borges  & Euronews
Lange Schlangen an den Tankstellen in ganz Frankreich wegen Streik in den Raffinerien
Lange Schlangen an den Tankstellen in ganz Frankreich wegen Streik in den Raffinerien   -   Copyright  Michel Spingler/Copyright 2022 The AP. All rights reserved   -  

"Hast Du noch Benzin?", das fragen viele derzeit in Frankreich. "Bei uns in der Gegend gibt es kein Benzin mehr, zum Glück habe ich noch etwa im Tank", sagt eine Kollegin, die auf dem Land im Nordosten von Lyon lebt. Eine andere Kollegin, die in der Innenstadt wohnt, hat an der vierten Tankstelle nach langem Warten noch Benzin bekommen. "Ich habe halbvoll getankt", erklärt sie, "aus Solidarität". 

In Frankreich werden derzeit sechs der acht Raffinerien des Landes bestreikt: vier der fünf Raffinerien von TotalEnergies und die zwei von ExxonMobil - noch nicht blockiert sind die Raffinerien von Total und von Lavéra.

Präsident Emmanuel Macron hat im Interview am Mittwochabend erklärt, im Laufe der Woche werde die Normalität zurückkehren.

Frustrierte Autofahrer und Autofahrerinnen

Euronews-Korrespondentin Anelise Borges steht vor einer enormen Autoschlange in Paris. Sie erklärt: "In den vergangenen Tagen war dies die Szene an den Tankstellen in ganz Frankreich. Viele mussten ganz schließen, weil die Zapfsäulen seit Beginn der Streikbewegung leer sind. Die Autofahrer:innen sagen, wenn sie eine Tankstelle finden, die noch in Betrieb ist, müssen sie stundenlang anstehen, und es gibt eine Obergrenze für die Menge an Kraftstoff, die sie kaufen können. Das sorgt für Frustration und die Menschen hier in Frankreich haben Angst vor den Auswirkungen, die dieser Streik auf wichtige Dienstleistungen und die Wirtschaft haben könnte."

Ich fahre jetzt heim - und ich nicht weiß, was ich machen soll.
Verzweifelter Autofahrer in Paris
Er hat kein Benzin bekommen

Ein Mann in Paris ist schon komplett decouragiert: "Jetzt gehe ich nach Hause, ich war schon an zwei Tankstellen, sie haben mir überall gesagt, dass sie leer sind und das war's. Ich fahre jetzt heim und ich nicht weiß, was ich machen soll."

Ein anderer Mann ist Freiberufler, doch das löst seine Probleme nicht: "Der Vorteil ist, dass ich mein eigener Chef bin, aber wenn ich morgens nicht aufstehe, verdiene ich auch kein Geld. Wenn das so weitergeht und es gar kein Benzin mehr gibt, muss ich mein Geschäft schließen. Was auch immer passiert, ich werde keine andere Wahl haben."

Solidarität mit den Streikenden - und neue Proteste

Die Regierung von Ministerpräsidentein Elisabeth Borne hat damit begonnen, Beschäftigte der durch Streiks blockierten Raffinerien zur Rückkehr an den Arbeitsplatz zu zwingen. Die kommunistische Gewerkschaft CGT schreibt dazu, die Regierung habe den Weg der Gewalt gewählt - und sie ruft die Angestellten anderer Bereiche dazu auf, die Streikenden in den Raffinerien zu unterstützen.

Anelise Borges erklärt: "Die Beschäftigten des Sektors sagen, dass die Regierung die Krise unterschätzt. Und die Gelbwesten-Bewegung hat tiefe Spuren in der Regierung des französischen Präsidenten hinterlassen, viele fragen sich, ob ähnliche Proteste zurückkehren könnten oder nicht. Gewerkschaften im ganzen Land haben für dieses Wochenende zu Kundgebungen aufgerufen."