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Streit vergessen: Nordmazedonien und Bulgarien beenden Konflikt und kooperieren

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Von euronews
Konferenz der Balkanländer
Konferenz der Balkanländer   -   Copyright  screenshot   -  

Aufgrund von Russlands Angriffskriegs gegen die Ukraine haben die Staats- und Regierungschefs der Balkanländer Kooperationen beschlossen. Konkret wollen sie die Suche nach alternativen Energiequellen vorantreiben. Dadurch soll die Monopol-Stellung Russlands eingeschränkt werden. Auf dem Energieforum, das Anfang des Monats in Sofia stattfand, wurde für die neue Pipeline geworben, die Südosteuropa mit Gas aus Aserbaidschan versorgen soll.

Dazu sagt Stevo Pendarovski, Präsident von Nordmazedonien: "Dieses Gipfeltreffen war interessant, weil ein Versuch unternommen wurde, (und meiner Meinung nach ein erfolgreicher), die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern und in Aserbaidschan einen neuen Lieferanten zu finden. Das bedeutet also, dass der gesamte Kontinent weniger abhängig von russischem Gas sein wird."

Die Energiekrise hat ganz nebenbei die Beziehung zwischen Bulgarien und Nordmazedonien verbessert. Bis vor kurzem standen die historischen Konflikte im Vordergrund. Auf der Konferenz in Sofia diskutierten die beiden Präsidenten die Möglichkeit, dass Bulgarien seinen überschüssige Strom direkt liefert. Nordmazedonien würde so seine Stromversorgungsprobleme bewältigen.

Dazu Stevo Pendarovski: Präsident von Nordmazedonien:

Das war im Wesentlichen das erste Mal in den vergangenen zweieinhalb Jahren, dass Bulgarien anfing, uns Nordmazedoniern positive Signale zu senden, weil sie sich bereit erklärten, eine Arbeitsgruppe von Experten einzurichten und Wege zu finden, die Regeln der Europäischen Kommission zu strecken, damit sie die Stromüberschüsse, die sie haben, exportieren können. So können die Überschüsse nicht auf den Weltmarkt gehen, sondern direkt nach Nordmazedonien. EU-Regeln machen grundsätzlich außereuropäische Kooperationen aber manchmal schwierig.

Dazu unser Kollege Borjan Jovanovski: "Angesichts der Herausforderungen, die die Energie- und Wirtschaftskrise mit sich bringt, waren sich die beiden Präsidenten einig, dass in naher Zukunft ein Wirtschaftsforum organisiert werden muss, um die Entwicklung der Zusammenarbeit zu diskutieren und die sozioökonomische Entwicklung der Region zu beschleunigen."

Doch ein weiterer Konflikt schwelt im  Hintergrund:

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz hat auf seiner Tour durch den Balkan auch in Skopje haltgemacht und die sofortige Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien gefordert. 

Scholz dürfte das auch und vor allem mit Blick auf Bulgarien gefordert haben. Denn das blockierte bislang mit seinem Veto just diese Verhandlungen über einen EU-Beitritt mit dem Nachbarland. Die frühere, konservative Regierung unter Bojko Borissow hatte den Erweiterungsprozess mit der Forderung gestoppt, Nordmazedonien müsse zuerst die genuin bulgarischen Wurzeln in seiner Sprache, Bevölkerung und Geschichte sowie die Rechte der bulgarischen Minderheit anerkennen. Bojko Borissow ist nicht mehr in der Regierung.