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Nach Tod von Lola: 2 Verdächtige in U-Haft wegen Mord, Vergewaltigung und Folter

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Von Alexandra Leistner  mit AFP
Blumen liegen vor dem Wohnhaus von Lola. Das 12 Jahre alte Mädchen wurde am Freitag ermordet aufgefunden.
Blumen liegen vor dem Wohnhaus von Lola. Das 12 Jahre alte Mädchen wurde am Freitag ermordet aufgefunden.   -   Copyright  STRINGER/AFP   -  

Im Fall der ermordeten Lola in Paris sind eine verdächtige Frau und ein Mann dem Untersuchungsrichter vorgeführt worden. Ihnen wird Mord, Vergewaltigung und Folter im Fall des 12 Jahre alten Mädchens, dessen lebloser Körper am Freitag verstümmelt in einer Box im Hof ihres Wohngebäudes gefunden wurde, vorgeworfen.

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Justizkreisen erfuhr, wurde an diesem Montag ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes an einer Minderjährigen unter 15 Jahren in Verbindung mit Vergewaltigung unter Anwendung von Folter und Barbarei sowie Leichenschändung eingeleitet.

Die Staatsanwaltschaft beantrage den Angaben nach Untersuchungshaft für die beiden Verdächtigen. Die 24-jährige Frau, die als Hauptverdächtige gilt, war am Samstag im Morgengrauen in Bois-Colombes bei Paris im Départment Hauts-de-Seine festgenommen worden. Sie war auf Bildern von Überwachungskameras des Gebäudes, in dem die Schülerin wohnte, identifiziert worden. Die Frau soll unter psychischen Störungen leiden. 

Medienberichten zufolge soll die Verdächtige einem Zeugen Geld angeboten haben, um Hilfe beim Transport des Koffer mit der Leiche des ermordeten Mädchens zu bekommen. 

Der 43 Jahre alte Mann, der im Laufe des Tages ebenfalls einem Untersuchungsrichter vorgeführt wird, soll die 24 Jahre alte Verdächtige beherbergt und ein Fahrzeug gefahren haben, in dem sie sich befand.

Zum Tatmotiv wurde bisher nicht bekannt.

Eltern glaubten an Entführung

Als Lola am Freitagnachmittag nach der Schule nicht nach Hause kam, wandten sich die Eltern an die Polizei. Weil der Vater als Hausmeister des Wohnhauses im 19. Arrondissement arbeitet, in dem die Familie lebt, hatte er auf Überwachungsbildern seine Tochter mit einer unbekannten Frau entdeckt. Deswegen dachten die Eltern zunächst an Entführung.

Später entdeckte ein 42-jähriger Obdachloser im Innenhof des Gebäudes eine Box mit der Leiche des Mädchens. Der Körper war mit Tüchern bedeckt, wie Quellen aus dem Umfeld des Falls laut AFP berichteten. Neben dem Koffer lagen zwei Handgepäckkoffer.

Eine Autopsie am Samstag ergab, dass die 12-Jährige erstickt war. Ihr Körper soll schwere Verletzungen am Hals aufgewiesen haben. 

Im Laufe des Wochenendes legten zahlreiche Menschen in Paris Blumen vor dem Wohnkomplex von Lola nieder. Der Fall schockiert nicht nur die Einwohner:innen der Hauptstadt, auch in zahlreichen internationalen Medien wird von dem brutalen Mord berichtet.

Rechtsextreme sprechen von "Frankozid"

In den sozialen Netzwerken wird der Fall besonders von Politiker:innen des rechten Politspektrums aufgegriffen. Weil vier der Personen, die in diesem Zusammenhang festgenommen und teilweise wieder entlassen wurden, in Algerien geboren sind, kritisieren Rechtsextreme in Frankreich die Regierung für ihre Einwanderungspolitik.

Marine Le Pen, Vorsitzende des Rassemblement National, schrieb: "Wieder einmal ein entsetzlicher Mord. Ein kleines Mädchen wird mitten in Paris abgeschlachtet. Eines Tages wird man die Ermittlungen zu Ende führen müssen, um nicht nur die direkten Schuldigen zu finden, sondern auch die verrückte Politik zu stoppen, die diese Verbrechen ermöglicht."

Der rechtsextreme Eric Zemmour veröffentlichte die Namen der in dem Fall Festgenommenen und fragte: "Wann werden wir unsere Kinder gegen diese Frankozide verteidigen, die immer von denselben Leuten begangen werden, immer zum Nachteil derselben?"

Natürlich überwältigt es alle, dass ein 12-jähriges Kind unter diesen Umständen sterben kann.
François Dagnaud
Bürgermeister 19. Arrondissement

Zahlreiche rechte Politiker:innen kritisierten, dass Innenminister Gérald Darmanin sich zu dem Fall bisher nicht geäußert hat. Auch ein Tweet von Präsident Emmanuel Macron, der an den Tod dutzender algerischer Demonstrant:innen in Paris im Jahr 1961 erinnerte, stieß seinen Kritiker:innen von rechts übel auf.

Der französische Bildungsminister hatte am Montag das Collège von Lola in Paris besucht und vom einem Drama sowie Trauma gesprochen. Er dankte dem Lehrerkollegium und versprach seine Unterstützung. "Ich danke den Beratungsstellen für ihre Arbeit, die sie bei Bedarf leisten", so Pap Ndiaye.

Der Bürgermeister des 19. Pariser Arrondissements sprach von einer "schrecklichen Prüfung", die die Schüler:innen des Collège, das Lola besuchte, mitmachen. "Jetzt ist die Zeit der Trauer und die Ermittlungen schreiten offenbar schnell voran", so François Dagnaud.

STRINGER/AFP
Menschen stehen vor dem Gebäude, in dem die 12 Jahre alte, ermordete Lola mit ihren Eltern lebte.STRINGER/AFP

Pariser haben Angst

In einem Café nahe der Schule versammelten sich besorgte Anwohnerinnen und Anwohner, darunter Farida Ferhat, eine 51-jährige Mutter. Gegenüber AFP sagte sie, sie wolle "der Kleinen Respekt zollen", bedauerte aber, dass "die Sicherheit in dem Viertel überhaupt nicht gegeben" sei. "Wir sind schockiert."

Die 45-jährige Mafy pflichtet ihr bei. Ihr Sohn sei ein Klassenkamerad von Lola. "Er kann seit Freitag nicht einmal mehr essen".

Bezüglich der Ängste zahlreicher Eltern im Viertel sagte Bürgermeister Dagnaud, die Ermittlungen schritten schnell voran: "Wichtig ist, dass die Hauptverdächtige a priori festgenommen wurde und dass es keinen Psychopathen gibt, der in den Straßen dieses ansonsten völlig ruhigen Viertels herumläuft".

"Aber natürlich überwältigt es alle, dass ein 12-jähriges Kind unter diesen Umständen sterben kann."

Schülerinnen und Schüler, Eltern und das Lehrpersonal können bei Bedarf, die angebotene psychologische Betreuung der Krisenintervention in Anspruch nehmen.