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Verdächtige als Opfer bekannt: Was wir über den Tod der 12-jährigen Lola in Paris wissen

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Von Alexandra Leistner
Das Eingangstor der Schule, die die ermordete Lola besuchte. Ihr lebloser Körper war am Freitag im Innenhof ihres Wohngebäudes in Paris gefunden.
Das Eingangstor der Schule, die die ermordete Lola besuchte. Ihr lebloser Körper war am Freitag im Innenhof ihres Wohngebäudes in Paris gefunden.   -   Copyright  GEOFFROY VAN DER HASSELT/AFP   -  

Nach Angaben der Ermittler:innen in Paris war die 24 Jahre alte Frau, die der Vergewaltigung und des Mordes eines Mädchens verdächtigt wird, der Polizei selbst als Opfer bekannt.

Vorstrafen hat die Verdächtige nicht.

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Ermittlerkreisen erfuhr, war die in Algerien geborene Frau 2018 Opfer häuslicher Gewalt geworden. Sie war im Jahr 2016 mit einem Studentenvisum legal nach Frankreich gekommen.

In diesem Sommer wurde ihr eine Verpflichtung zum Verlassen des französischen Hoheitsgebiets (OQTF) ausgestellt, nachdem bei einer Kontrolle festgestellt wurde, dass sie keine gültige Aufenthaltsgenehmigung hatte.

Was ist über den Fall bisher bekannt?

Das Verschwinden

Die 12-jährige Lola war am Freitag nicht zur üblichen Zeit von der Schule im 19. Arrondissement nach Hause gekommen. Daraufhin meldete die Mutter ihre Tochter bei der Polizei als vermisst. Die Schule des Mädchens befindet sich nicht weit vom Wohnhaus der Familie entfernt.

"Der Vater des Kindes sah sich die Videoaufnahmen des Gebäudes an, auf denen er sah, wie seine Tochter gegen 15.15 Uhr zusammen mit einer ihm unbekannten Frau in die Eingangshalle des Gebäudes ging und wie dieselbe Frau gegen 17 Uhr das Gebäude mit schwerem Gepäck verließ, so die Pariser Staatsanwältin Laure Beccuau in einer Erklärung.

Fund der Leiche

Gegen 23.15 Uhr wurde die Leiche des Kindes in einer Plastikkiste mit Rädern, die im Innenhof des Gebäudes abgestellt war, entdeckt.

Die mit den Ermittlungen beauftragte Pariser Kriminalpolizei identifizierte die Hauptverdächtige Dahbia B., eine algerische Frau, die sich illegal in Frankreich aufhält. Auf den Bildern ist zu sehen, wie sie "mit der Kiste" hantiert, in der sich Lolas Leiche offenbar befand. 

Die Verdächtige wurde am Samstagmorgen in Bois-Colombes (Hauts-de-Seine) festgenommen. Mehrere andere Personen, die am Tag der Tat mit ihr in Kontakt standen, wurden ebenfalls identifiziert.

CHRISTOPHE ARCHAMBAULT/AFP
Der Anwalt Alexandre Silva, der die Angeklagte in dem Fall vertritt, verlässt eine Anhörung in einem Pariser Gericht.CHRISTOPHE ARCHAMBAULT/AFP

Die Todesursache

Laut Autopsiebericht erstickte das Kind, in dem Bericht ist von "kardiorespiratorisches Versagen mit asphyktischer Manifestation und Zeichen einer zervikalen Kompression" die Rede. 

Es wurden zudem "multiple andere Verletzungen" am Körper und am Hals, aber keine "traumatische Verletzung der Sexualsphäre" entdeckt. "Eine Null und eine Eins waren in roter Schrift unter jedem Fuß des Opfers zu lesen", hieß es in der Erklärung. Was diese Zahlen zu bedeuten haben, ist unklar.

Der Anwalt der Verdächtigen bat Medienvertreter nach einer Anhörung am Montag, Gerüchte wie etwa eine angebliche Verstrickung in Organhandel oder an dem Mädchen ausgeführte Riten nicht weiterzuverbreiten. Diese Punkte seinen falsch und nicht Teil der Anklage und lasteten zusätzlich schwer auf den Eltern.

Was sagt die Verdächtige?

Die Verdächtige, Dahbia B., soll laut Polizei widersprüchliche Angaben gemacht haben, "die zwischen Anerkennung und Bestreiten der Tatsachen schwankten". Sie gab zu, dass sie "das Opfer in die Wohnung ihrer Schwester, die im selben Gebäude wie das Kind wohnt, gezerrt, sie gezwungen habe zu duschen, bevor sie sexuelle und andere Gewalttaten mit Todesfolge an ihr verübte und die Leiche in der Kiste versteckt habe".

In einem von AFP eingesehenen Dokument wird die "unerhörte Leichtigkeit der Tat" erwähnt - "ein solches Extrem" für "ein so sinnloses Motiv".

"Das lässt mich weder heiß noch kalt", antwortete sie den Ermittlern, die ihr Aufnahmen von Lolas Körper vorlegten. "Ich bin auch vergewaltigt worden und habe gesehen, wie meine Eltern vor meinen Augen gestorben sind."

Bei ihren letzten Vernehmungen bestritt sie die Tat und behauptete, es sei "unmöglich, dass sie ein Kind tötet".

Wie der Sender BFMTV berichtet, soll die Verdächtige zu einem anderen Zeitpunkt gesagt haben, dass sie die Mutter von Lola nach einem Zugangspass für das Gebäude gebeten habe, weil sie dort bei ihrer Schwester untergekommen war. Die Eltern von Lola sind beide Hauswächter des Gebäudes, was in Paris weit verbreitet ist. Weil die Mutter ihr diesen verwehrte, habe sie sich rächen wollen. Allerdings habe sie Mutter und Tochter verwechselt.  

Ihre Schwester beschrieb die Hauptverdächtige als "schwer integrierbar" und sprach von "unzusammenhängenden Äußerungen" durch Dahbia B. bei "nächtlichem Aufwachen im letzten Monat". Die Verdächtige soll unter psychischen Störungen leiden, ist aber in den psychiatrischen Krankenhäusern der Ile-de-France nicht bekannt, wie AFP aus einem Dokument zitiert.

Dahbia B. wurde wegen Mordes an einer unter 15-jährigen Minderjährigen in Verbindung mit Vergewaltigung, Folter oder barbarischen Handlungen angeklagt. Sie sitzt in der Haftanstalt Fresnes, südlich von Paris, in Untersuchungshaft. 

Ein zweiter Verdächtiger

Ein 43-jähriger Mann wurde wegen Leichenhehlerei angeklagt und in U-Haft genommen.

In Polizeigewahrsam gab er an, ein "alter Bekannter der Verdächtigen", zu sein. "Auf ihren Wunsch" habe er sie mit "zwei Koffern und der Plastikkiste" von Paris zu ihrem Haus in Asnières-sur-Seine, einem Vorort, gefahren. 

Nachdem er sie "mit den Koffern und der Kiste" bei sich zu Hause aufgenommen hatte, rief er zwei Stunden später einen Chauffeurdienst, "damit sie mit den Koffern und der Kiste zurück nach Paris fährt".

Weitere Festnahmen

Neben Dahbia B. und dem erwähnten Mann wurden vier weitere Personen in Polizeigewahrsam genommen. Es handelt sich um einen Mann, dem Dahbia B. am Freitagnachmittag "den Verkauf von Elementen aus der Kiste" angeboten haben soll, eine Person, die sie in der Tatnacht beherbergt hatte, die Schwester der Verdächtigen und den Obdachlosen, der die Kiste entdeckt hatte, wie die Staatsanwältin ausführte. 

Alle wurden wieder freigelassen.