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Was war mit Liz Truss und dem Salatkopf?

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Von Alexandra Leistner  mit AP
Wer macht's länger? Liz Truss' Rücktritt hat auch ein ungleiches Duell entschieden.
Wer macht's länger? Liz Truss' Rücktritt hat auch ein ungleiches Duell entschieden.   -   Copyright  AP Photo/Unsplash Euronews Collage   -  

Liz Truss hat einen Rekord aufgestellt. Sie ist die Premierministerin mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte Großbritanniens. Ganze 45 Tage war sie im Amt. Diese Wochen waren von Skandalen erschüttert - und zuletzt auch von Rücktritten.

Und was bei dieser britischen Geschichte nicht fehlen darf, ist natürlich der britische Humor. Als der Economist vor einer Weile angesichts einer Politik, die Wirtschaft und konservative Partei in Turbulenzen stürzte, schrieb, Truss' Zeit an der Spitze der Regierung habe "ungefähr die Haltbarkeit eines Salats", richtete die Boulevardzeitung Daily Star einen Livestream mit einem Foto der Premierministerin neben einem Eisberg-Salatkopf ein. 

Die Frage: "Kann Liz Truss diesen Salat überleben?" 

Als Truss dann am Donnerstagnachmittag ihren Rücktritt - nicht ganz so überraschend - verkündete, war der Wettbewerb entschieden. Liz Truss scheint demnach eine kürzere Haltbarkeit zu haben als ein Eisbergsalat.

In den sozialen Medien belustigte der Vergleich viele Menschen. Das Standbild im Livestrean, in dem der Salatkopf eine Truss-Perrücke trägt und ihm gedankt wird, wird trotz 'Entscheidung' des ungleichen Rennens weiter hundertfach angeklickt.

Zur Person von Liz Truss

Die 1975 in Oxford geborene Mary Elizabeth Truss ist die Tochter eines Mathematikprofessors und einer Krankenschwester, die sie als Kind zu Anti-Atomkraft- und Anti-Thatcher-Protesten mitnahmen. Sie erinnert sich "Maggie, Maggie, Maggie - raus, raus, raus!" gerufen zu haben.

Als Erwachsene bewunderte sie Thatcher und lehnte sich gegen die linken Ansichten ihrer Eltern auf.

Sie besuchte eine öffentliche High School in Leeds in Nordengland - was sie von ihren vielen privat ausgebildeten konservativen Kolleg:innen unterschied - und besuchte anschließend die Universität Oxford.

Dort war sie Präsidentin des Universitätszweigs der Liberaldemokratischen Partei. Die wirtschaftlich zentristisch ausgerichteten Liberaldemokraten setzen sich für Verfassungsreformen und bürgerliche Freiheiten ein, und Truss war ein begeistertes Mitglied, das Plakate mit der Aufschrift "Free the Weed" anbrachte, die die Entkriminalisierung von Marihuana forderten.

Nach ihrem Studium in Oxford trat Truss in die Konservative Partei ein - "zu einer Zeit, als das noch eindeutig unmodern war", wie sie später sagte.

Sie arbeitete als Wirtschaftswissenschaftlerin für den Energiekonzern Shell und das Telekommunikationsunternehmen Cable and Wireless sowie für einen Think Tank der rechten Mitte. Sie war Gemeinderätin in London und kandidierte zweimal erfolglos für das Parlament, bevor sie 2010 in den ostenglischen Sitz von Southwest Norfolk gewählt wurde.

Ihren ersten Posten im Kabinett erhielt Truss 2014 als Ministerin für Ernährung und Umwelt. Den größten Eindruck hinterließ sie mit einer viel belächelten Rede, in der sie donnerte, es sei "eine Schande", dass Großbritannien zwei Drittel seines Käses importiere.

Beim britischen Referendum über den Austritt aus der Europäischen Union im Jahr 2016 unterstützte Truss die unterlegene Seite der Befürworter des Verbleibs, obwohl sie nach eigener Aussage von Natur aus eine Euroskeptikerin war. In den Jahren nach der Abstimmung überzeugte sie die Brexiteers mit ihrer kompromisslosen Haltung gegenüber der EU.

Als Johnson an die Macht kam, machte er Truss zur Handelsministerin, eine Rolle, die ihr Profil erheblich stärkte, da sie weltweit Post-Brexit-Abkommen unterzeichnete. Im September 2021 wurde sie zur Außenministerin ernannt.

Ein Jahr später erfüllte sie sich ihren Traum, Premierministerin zu werden - ein Triumph, der jedoch nur von kurzer Dauer war.