Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Aus dem Berliner Exil: "Echo Moskwy" sendet per App unabhängige Nachrichten über Russland

Access to the comments Kommentare
Von Kristina Jovanovski
Maxim Kurnikow, der Schöpfer des Porjekts
Maxim Kurnikow, der Schöpfer des Porjekts   -   Copyright  EUronews   -  

Unabhängige Nachrichten über Russland auf Russisch, live aus Berlin, das ist Maxim Kurnikow zu verdanken. Er war stellvertretender Chefredakteur bei Echo Moskwy, einem der letzten unabhängigen Radiosender in Russland.

Kurz nach dem Angriff auf die Ukraine wurde dieser von den Behörden dichtgemacht. Kurnikow verließ Russland und hat inzwischen in Berlin eine neue Heimat für "Echo Moskwy" gefunden.

Vor ein paar Wochen brachte er eine App auf den Markt, die in Russland heruntergeladen werden kann und den Zuhörern eine kritische Perspektive auf ihr Land bietet.

Maxim Kurnikow sagt: "Wir wollen mit den Menschen sprechen, die jetzt in Russland sind und mit Putins Regime nicht einverstanden sind, ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind, dass sie Recht haben und dass sie nicht verrückt sind."

Die App bietet bis zu 12 Stunden Live-Programm pro Tag und war auf Anhieb ein Erfolg. Die russischen Behörden hätten versucht, sie abzuschalten, aber sie funktioniere immer noch, sagt Maxim Kurnikow. Die Sendung vom vergangenen Sonntag, die auf YouTube abrufbar ist, hat bereits mehr als 400.000 Aufrufe erhalten. Die Echo-App gehört zu den am häufigsten heruntergeladenen Apps in Russland.

Rund 125 Personen arbeiteten bis Anfang 2022 in Russland für "Echo Moskwy". Viele, denen es gelang, das Land zu verlassen, versuchten, ihre Arbeit über Youtube fortzusetzen, berichtet Kurnikow dem französischen Sender France24 gegenüber. Man habe alle Youtube-Kanäle des einstigen Teams zusammengefasst und einen Audiostream daraus gemacht.

Eine Website und zwei Telegram-Kanäle sind ebenfalls Teil des neuen Projekts, das in Russland über die App zugänglich ist und für die man nicht einmal das VPN modifizieren muss, um die Sperre von Websites zu umgehen.

Berlin das neue Standbein des Nachrichtenkanals. Euronews-Reporterin Kristina Jovanovski berichtet: "Ein deutscher Medienkonzern stellt Echo Büroräume zur Verfügung. Etwa 10 Personen arbeiten in Berlin an der App, weitere sind über ganz Europa verteilt. Der Großteil des Echo-Teams hat Russland verlassen, nachdem ein Gesetz verabschiedet wurde, das bis zu 15 Jahre Gefängnis für Personen, die angeblich "Fake News" verbreiten, vorsieht."

Einige Journalisten haben jedoch beschlossen zu bleiben. Irina Bablojan war eine der Moderatorinnen des Radiosenders. Jetzt arbeitet sie in Moskau an einem YouTube-Kanal, der über die Echo-App ausgestrahlt wird.

Sie sagt, sie wolle über die inneren Kämpfe in ihrem Land berichten. Auch wenn das gefährlich ist. "Sie haben ganz einfach den Journalismus in Russland getötet. Sie folgen dir überall hin, also kannst du keine Bilder, keine Videos machen, du musst dich sehr ruhig verhalten."

Irina sagt, dass die deutschen Behörden kürzlich ihrem Antrag auf ein Visum aus humanitären Gründen stattgegeben hat. Sechs Monate hatte sie darauf gewartet. Sie sagt, dass sie irgendwann auch nach Berlin gehen wolle.

Bis dahin werde Echo ein eigenes Büro in der Stadt haben, verspricht Maxom Kurnikow, um eine alternative Nachrichtenquelle für Russinnen und Russen zu bieten. Denn: "Viele Menschen in Russland wissen einfach nicht, was sie denken, was sie lesen, was sie hören, sie sehen sollen, um die Situation zu verstehen."