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"Schauprozesse" gegen 1.000 Demonstranten: So will Teheran den Protest beenden

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Von Euronews  mit AP/DPA
Protest vor der iranischen Botschaft in London
Protest vor der iranischen Botschaft in London   -   Copyright  Jonathan Brady/AP   -  

Die iranische Führung will rund 1.000 Menschen, die bei den jüngsten Demonstrationen verhaftet wurden, öffentlich vor Gericht stellen. Sie müssten sich noch ab dieser Woche wegen "subversiver Aktionen" vor einem Revolutionsgericht verantworten, meldeten die Staatsmedien.

Die Massenanklagen sind die erste größere gerichtliche Maßnahme der Regierung zur Unterdrückung abweichender Meinungen seit dem Ausbruch der Unruhen vor über sechs Wochen.

Auslöser der Protestwelle war der Tod der 22 Jahre alten iranischen Kurdin Mahsa Amini Mitte September in Polizeigewahrsam. Ihr war vorgeworfen worden, ihr Kopftuch nicht vorschriftsmäßig getragen zu haben.

Sicherheitskräfte gehen seitdem mit immer größerer Härte gegen die Demonstrant:innen vor. Amnesty International bezeichnete die Reaktion des Regimes als "brutale Niederschlagung".

Bei Protestaktionen werden immer auch wieder scharfe Munition und Tränengas gegen die Teilnehmer:innen eingesetzt. Mindestens 270 Menschen kamen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten bislang ums Leben, etwa 14.000 wurden festgenommen.

Die Justizbehörden haben Anklage gegen Hunderte von Personen in mehreren iranischen Provinzen erhoben. Einige werden der "Korruption auf Erden" und des "Krieges gegen Gott" beschuldigt, Vergehen, auf die die Todesstrafe steht.

Regierungsanhänger protestieren in Teheran vor deutscher Botschaft

Derweil demonstrierten in Teheran Dutzende Regierungsanhänger vor der deutschen Botschaft. An der staatlich organisierten Demonstration nahmen auch Veteranen des Ersten Golfkriegs (1980-1988) teil, wie iranische Staatsmedien am Dienstag berichteten. 

Der Protest richtete sich gegen die deutsche Außenpolitik. Teheran wirft der Bundesregierung vor, die seit mehr als sechs Wochen anhaltenden systemkritischen Kundgebungen im Iran zu unterstützen.

Einige Demonstrant:innen sollen vor der deutschen Botschaft auch "Nieder mit Deutschland" gerufen haben. Am Rande der Proteste wurden Reporter bedrängt, wie Augenzeugen berichteten. Dabei kam es offenbar auch zu zwei Festnahmen.