Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Kein Geld für Käse und Wurst: Zahl der Ladendiebstähle steigt

Access to the comments Kommentare
Von Euronews  mit EBU/FTV/DR
Tafelkunde in Vauxhall
Tafelkunde in Vauxhall   -   Copyright  AP Photo/Frank Augstein   -  

In vielen britischen Supermärkten sind Fleischprodukte neuerdings mit Diebstahlsicherung versehen. Zu viele Waren verschwinden unbezahlt aus den Regalen - wegen der Wirtschaftsmisere und weil die Polizei nichts unternimmt, meint Paul Cheema, Ladenbesitzer in Coventry.

"Speck, Wurst und alle Käsesorten. Darauf haben sie es besonders abgesehen. Jeden Tag gibt es einen Vorfall, letzte Woche haben wir einen Dieb mit einem vollen Koffer erwischt. Aber selbst das ist der Polizei egal."

Die Zahl der Lebensmitteldiebstähle ist in Großbritannien spürbar angestiegen. Ladenbetreiber tauschen sich in Internetforen über die Methoden der Diebe und Überwachungsmaßnahmen aus.

"Mein ganzes Geld geht für Lebensmittel drauf"

Derweil werden die Schlangen vor den britischen Tafeln immer länger. Es sind Menschen ohne Mittel, aber auch Arbeitnehmer, die nicht mehr über die Runden kommen. Die Preise für Grundnahrungsmittel wie Milch, Käse und Eier sind im letzten Jahr um mehr als 30 % gestiegen.

"Die Preise in den Supermärkten sind unverschämt, das macht mich ganz krank", sagt ein älterer Tafelkunde. "Menschen wie wir, die nichts haben, können so nicht leben. Deshalb sind die Leute versucht zu stehlen."

Ein anderer Mann rechnet vor: "Vorher habe ich für Milch für 1 Pfund bezahlt. Jetzt kostet sie 1.80 pro Flasche. Das ist hart." Eine Frau pflichtet bei. "Mein ganzes Geld geht für Lebensmittel drauf. Für nichts anderes. Nur Rechnungen und Lebensmittel".

Arbeit reicht nicht mehr aus, um zu überzuleben

Die Angst vor steigender Armut und Hunger ist in Städten im ganzen Land zu spüren. In Blackpool arbeitet die Suppenküche "Amazing Grace" rund um die Uhr, um jeden Abend Dutzende von Menschen zu versorgen. Arbeit reicht nicht mehr aus, um zu überzuleben, lautet die erschütternde Erkenntnis des Betreibers Mark Butcher.

"Wir haben hier Leute, die Vollzeit arbeiten und für zusätzliches Essen zu uns kommen. Dieses Land versagt in allen Bereichen. Was ist hier los, wenn wir uns nicht einmal um unsere eigenen Leute kümmern können?"

Schätzungsweise eine halbe Million Kinder werden in den kommenden Monaten in Großbritannien Nahrungsmittelhilfe benötigen. Der Winter steht vor der Tür, und für viele Briten könnte er einer der härtesten seit Jahrzehnten werden.

Auch die deutschen Tafeln gaben kürzlich an, noch nie so vielen bedürftigen Menschen geholfen zu haben, wie zurzeit. Gleichzeitig gingen die Lebensmittelspenden zurück.