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Waffengewalt in den USA: zweite Bluttat innerhalb weniger Tage

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Von Julika Herzog  mit dpa, AFP, AP
Walmart nach Amoklauf in US-Bundesstaat Virginia
Walmart nach Amoklauf in US-Bundesstaat Virginia   -   Copyright  Alex Brandon/ AP

Nach der Gewalttat in einem Supermarkt im Ostküsten-Bundesstaat Virginia herrscht Entsetzen in den USA.

In einem Walmart in Chesapeake hatte ein Mitarbeiter eine Waffe gezogen und sechs Menschen getötet, bevor er sich selbst umgebracht hat. Vier Menschen werden noch im Krankenhaus behandelt.

Präsident Biden: "Wir müssen noch mehr gegen Waffengewalt tun"

Der Vorfall ereignete sich zwei Tage vor Thanksgiving, als viele Menschen Einkäufe für den in den USA so wichtigen Feiertag erledigten. US-Präsident Joe Biden - selbst auf dem Weg zu einer Thanksgiving-Feier im Kreis seiner Familie, hat den Familien der Opfer sein Beileid ausgesprochen. Er betonte, dass sich die Nation gemeinsam gegen die Waffengewalt wehren müsse. "Wir müssen noch mehr tun."

Es war die zweite Bluttat in den USA innterhalb weniger Tage. Erst am Wochenende hatte ein 22-Jähriger in einem bei Schwulen, Lesben und der Trans-Gemeinschaft populären Nachtclub in Colorado Springs fünf Menschen erschossen und 18 weitere verletzt. Die Woche davor hatte ein Student auf dem Campus der Universität von Virginia drei andere Studenten erschossen.

Amokläufe und Schießereien sind Alltag

Bisher ist das Motiv für die Walmart-Schießerei unbekannt. Die für Chesapeake zuständige Senatorin Louise Lucas von der Demokratischen Partei rief auf Twitter dazu auf, die "Epidemie der Schusswaffengewalt" in den USA zu beenden.

Das Ausmaß an Waffengewalt in den USA ist beispiellos, in keinem anderen Land auf der Welt gibt es mehr Waffen und mehr Waffengewalt. Amokläufe und Schießereien gehören zum Alltag.

Es werden im Schnitt täglich mehr als 50 Menschen erschossen, laut der US-Gesundheitsbehörde CDC rund 20.000 allein 2020. 2021 stiegen die Todeszahlen nach Zahlen des Gun Violence Archives noch einmal auf fast 21.000 Todesopfer, das Jahr 2022 liegt bisher in einer ähnlichen Größenordnung wie 2020.

Im vergangenen Jahr zählte die US-Bundespolizei FBI 61 Amokläufe mit Schusswaffen im Land - etwa einer alle sechs Tage. Schusswaffenverletzungen waren 2020 erstmals Todesursache Nummer eins für Kinder und Jugendliche in den USA, noch vor Verkehrsunfällen.

USA hat mehr Waffen als Einwohner

Schusswaffen sind oft leicht erhältlich und eine übermächtige Waffenlobby sorgt dafür, dass sich daran nichts ändert. Als Folge sind so viele Waffen im Umlauf wie nirgends sonst.

Laut Daten des Forschungsprojekts Small Arms Survey gibt es kein anderes Land mit einer so hohen Pro-Kopf-Zahl von Waffen im Besitz von Zivilisten: Es gibt mehr Schusswaffen als Bürger in den USA, 120 Stück pro 100 Einwohner. Auf Rang zwei folgt weit abgeschlagen das Bürgerkriegsland Jemen mit rund 52 Waffen pro 100 Einwohner.

Im vergangenen Juni unterzeichnete Präsident Biden ein wegweisendes Gesetz zur Waffenkontrolle. Doch: "Es ist bei weitem nicht genug", so Biden.