Wie Kiew den "Worst Case" verhindern will und was das heißt

Access to the comments Kommentare
Von Euronews
Im Keller eines Krankenhauses in Kiew bereitet man sich auf einen Umzug vor.
Im Keller eines Krankenhauses in Kiew bereitet man sich auf einen Umzug vor.   -   Copyright  Bernat Armangue/AP

Während die russischen Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt und die Energieinfrastruktur zunehmen, bereitet der Bürgermeister die Bevölkerung von Kiew auf den "Worst Case" vor.

In einem Interview mit dem ukrainischen Medium RBK rief Vitali Klitschko die Einwohnerinnen und Einwohner dazu auf, Essensvorräte anzulegen, warme Kleidung sowie Notstromversorgung griffbereit zu haben, für den Fall, dass die Energieversorgung für eine längere Zeit unterbrochen wird. Zudem riet er dazu, PCs und tragbare Ladegeräte voll aufzuladen und Offline-Karten auf Handys zu sichern.

"Ich bitte alle Einwohner Kiews, verschiedene Szenarien in Betracht zu ziehen und sich darauf vorzubereiten. Nach Angaben des Militärs plant der Feind, weiterhin heimtückische Angriffe auf die Infrastruktur des Landes durchzuführen, um die Ukrainer mit Dunkelheit und Kälte einzuschüchtern."

Was ist laut Klitschko der "Worst Case"

Klitschko riet den Menschen zudem, wenn möglich in die Vorstädte von Kiew zu ziehen und in Ferienwohnungen oder Häusern von Familie und Freunden unterzukommen, wo es fließend Wasser gibt und es Kamine zum Heizen.

Er sprach von einer "vorübergehenden Umsiedlung bestimmter Personengruppen in die Vorstädte", ließ aber offen, ob die Behörden diese organisieren würden oder damit freiwillige Umzüge gemeint waren. Auch welche Personen betroffen sind, war nicht sofort klar.

In Kiew leben rund drei Millionen Menschen. In Wärmestuben sollen sich Bürger:innen aufwärmen können, Strom, Wasser und Internet nutzen und Erste Hilfe in Anspruch nehmen. Doch davon gibt es nach Angaben der Regierung in Kiew bisher nicht genug.

Eine vollständige Evakuierung - den "Worst Case" - ordnete er nicht an, eine Räumung werde, wenn überhaupt, nur teilweise notwendig. Es werde aber alles getan, um dieses Szenario zu verhindern, so Klitschko.

Am Wochenende hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenksyj die Stadtverwaltung von Kiew kritisiert. Von dort habe es zahlreiche Beschwerden gegeben, was ihn dazu veranlasste zu sagen, dass "die örtlichen Behörden nicht in allen Städten gute Arbeit geleistet" hätten. Vom Bürgermeister forderte er "Qualitätsarbeit".

Stromausfälle bis zum Frühling

Nach der Rückeroberung von Cherson durch die ukrainischen Truppen wurden sich die Luftangriffe Russlands zuletzt verstärkt. Dabei wird gezielt die Energie-Infrastruktur des Landes ins Visier genommen.

Die geplanten Abschaltungen von Strom könnten Klitschko zufolge noch bis zum Frühjahr anhalten. "Das Ziel Russlands ist es, alles zu tun, damit dies unser letzter Winter wird, unser Ziel ist es, dass dieser Winter der letzte für die Terroristen ist", so Klitschko gegenüber RBK.

In Krankenhäusern wird seit knapp einer Woche mit Notstromgeneratoren - oder gar Taschenlampen - gearbeitet. Die Bevölkerung passt sich an die extremen Bedingungen an.