Schweizer Banken: Weiter ein sicherer Hafen für zahlreiche Russen

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Von Euronews
Die Yacht des Oligarchen Usmanow auf der Weser in Deutschland, 23.9.2022
Die Yacht des Oligarchen Usmanow auf der Weser in Deutschland, 23.9.2022   -   Copyright  FOCKE STRANGMANN/AFP or licensors

Trotz Sanktionen infolge des Krieges in der Ukraine horten russische Staatsbürger mindestens 46 Milliarden Franken bei Schweizer Banken. Das berichtet das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft SECO in Bern.

Eine Summe, die jedoch nicht zu verwechseln ist mit den russischen Vermögen, die aufgrund der Sanktionen gegen Russland bereits gesperrt worden sind.

SECO-Referatsleiter Erwin Bollinger erklärt, es müsse ein Unterschied gemacht werden: "Die 7,5 Milliarden Franken, die wir genannt haben als eingerfrorene Mittel, das sind Gelder und Vermögenswerte von Personen, die sanktioniert sind, die von der EU auf Sanktionslisten gesetzt und von uns übernommen worden sind. Die 46,9 Milliarden sind Vermögenswerte von Personen, die nicht sanktioniert sind. Das sind russische Personen, die ihr Kapital in der Schweiz haben. Und diese Differenz werden Sie auch in der EU sehen, wenn die Zahlen der EU publiziert werden."

Allerdings war die Schweizerische Bankiervereinigung von weitaus größeren russischen Vermögen ausgegangen: von 150 bis 200 Milliarden Franken war die Rede. Wie kommt es zu dieser enormen Differenz?

Bollinger sagt, "ich kann nur vermuten, was dahinter steckt. Einerseits sind Wertschriften nicht erfasst in diesen 46,9 Milliarden Franken - auch in der EU nicht. Und alle Personen, die in der Schweiz und in der EU leben oder ihren Wohnsitz haben, werden nicht erfasst. Das sind sehr viele Personen. Deshalb auch diese Differenz."

Die Schweiz lockt wegen ihres Bankgeheimnisses seit Jahrzehnten Superreiche und Oligarchen aus Russland an. Eingefroren wurden in diesem Jahr die Vermögen von mehr als 1.200 Personen sowie von über 100 Unternehmen und Organisationen. 15 Immobilien wurden sichergestellt.

Die traditionell neutrale Schweiz hatte sich kurz nach dem Einmarsch in der Ukraine den Sanktionen der EU gegen Moskau angeschlossen. Dadurch wurden Finanzinstitute gezwungen, das Bankgeheimnis zu lockern: Alle Vermögen über 100.000 Franken von Menschen, die in Russland leben, mussten gemeldet werden.