Ukrainische Krankenhäuser: "Wenn es kein Licht gibt, arbeiten wir mit Taschenlampe"

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Von Anelise Borges
Kalt und dunkel: so sieht es derzeit in vielen ukrainischen Krankenhäusern aus
Kalt und dunkel: so sieht es derzeit in vielen ukrainischen Krankenhäusern aus   -   Copyright  Euronews

"Stromausfall in vielen Orten bedeutet, dass Ärzte und Pflegepersonal selbst Wasser holen müssen", erklärt dieser Arzt der Wodnikow-Klinik in Cherson. Sie ist eines von Chersons wichtigsten Krankenhäusern - inzwischen kann es kaum die Grundversorgung sicherstellen.

"Diese Behälter nutzen wir, um die Toilette zu spülen, den Fußboden zu wischen.... manchmal nutzen wir das Wasser zum Waschen. Ich nehme den Eimer, ich nutze den Wasserkocher und dann wasche ich mich..."

Unhaltbare Zustände in Krankenhäusern

Nach Rückschlägen an der Kriegsfront hat Russland seine Angriffe auf die kritische Infrastruktur der Ukraine intensiviert. Das stürzt das Gesundheitssystem des Landes in unhaltbare Zustände.

"Das ist die einzige funktionierende Geburtsklinik in Cherson. Seit die Stadt von den ukrainischen Streitkräften zurückerobert wurde, haben mindestens acht Babys hier das Licht der Welt erblickt - unter sehr schwierigen Bedingungen", kommentiert Euronews-Korrespondentin Anelise Borges.

Wenn es kein Licht gibt, arbeiten wir mit Taschenlampe. Wir sammeln das Wasser in großen Kanistern/ Behältern und holen es im Voraus.
Serhiy Morosov
Leiter der Geburtshilfe am Tropinyh-Krankenhaus

Dr. Serhiy Morosow zeigt uns die Operationssäle und die Gänge, die er eigentlich wie seine Westentasche kennt und die er nun kaum wiedererkennt. Die Klinik, die er seit 24 Jahren leitet, ist bitterkalt und dunkel. Brutkästen, Sterilisations- und Beatmungsgeräte... sie alle stehen ohne Strom still.

Stromausfälle betreffen 10 Millionen Menschen

Es ist das erste Mal, dass er so etwas erlebt.

"Wie damit umgehen? Wenn es kein Licht gibt, arbeiten wir mit Taschenlampe. Wir sammeln das Wasser in großen Behältern und holen es im Voraus. Wenn es hart auf hart kam, sind wir auf die Intensivstation ausgewichen.", erklärt der Gynäkologe der Tropinyh-Klinik.

Die Hälfte der ukrainischen Infrastruktur ist beschädigt oder zerstört. Schätzungen zufolge sind rund 10 Millionen Menschen von den Stromausfällen betroffen. So auch Marina, die vor zwei Tagen entbunden hat.

Sie hoffe auf bessere Zeiten, sagt sie, für die Ukraine und ihren Säugling, Valeria.

"Ich möchte gerne...wir hoffen, dass es bald Frieden gibt, fügt sie hinzu.

Euronews-Korrespondentin Anelise Borges berichtet derzeit aus Cherson, im Südosten der Ukraine.