Verärgert über Kosovo: Serbiens Vucic will nicht am Westbalkangipfel teilnehmen

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Von Euronews
Serbiens Präsident Vucic beim Händeschütteln mit EU-Kommissar Oliver Varhelyi
Serbiens Präsident Vucic beim Händeschütteln mit EU-Kommissar Oliver Varhelyi   -   Copyright  MTI

Der serbische Präsident Aleksandar Vucic will - aus Ärger über den kosovarischen Ministerpräsidenten Albin Kurti - nicht an einem geplanten Gipfeltreffen der EU mit sechs Westbalkan-Staaten teilnehmen. Zu dem Treffen am 6. Dezember wird auch der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet. 

Grund ist die Ernennung des kosovo-serbischen Politikers Nenad Rasic zum Minister für Volksgruppen durch den kosovarischen Ministerpräsidenten Albin Kurti. Rasic ist Chef der gemäßigten Progressiven Demokratischen Partei, die nicht von Belgrad kontrolliert wird. 

Antiserbische Haltung der EU?

In einem Fernsehinterview zeigte sich Vucic wütend über die Ernennung von Rasic. Sie zeige, dass man die Vertreibung der Serben aus Kosovo und Metohija wolle. Der EU warf er eine "anti-serbische Haltung" vor.

"Die Serben im Norden des Kosovo sind kurz davor zu entscheiden, niemanden in den Norden zu lassen. Ihr müsst verstehen, dass alles am Kochen ist, dass unser Volk es nicht mehr aushält," so Vucic.

EU-Kommissar Olivér Varhely, der den serbischen Präsidenten zum Umdenken bewegen will, sprach von einer großen geopolitischen Destabilisierung in Europa: "Genau deshalb halten wir diesen Gipfel nächste Woche in Tirana ab. Die Staats- und Regierungschefs kommen zum ersten Mal in die Region, um miteinander zu sprechen.“

Serbien erkennt Kosovo nicht als eigenen Staat an

Das Kosovo war einst Teil Serbiens. Inzwischen leben dort fast ausschließlich ethnische Albaner. Neben den Serben gibt es in dem kleinen Balkanland Bosniaken, Türken und Roma. Serbien ist nicht bereit, das seit 2008 unabhängige Land anzuerkennen und beansprucht dessen Territorium für sich.

Zu den Westbalkan-Staaten gehören neben Serbien auch noch das Gastgeberland Albanien sowie Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Kosovo. Alle diese Länder haben eine langfristige Perspektive auf einen EU-Beitritt. Ihre Annäherung an die Union befindet sich in unterschiedlichen Stadien.