Sittenpolizei in Iran aufgelöst: Doch Kopftuchpflicht bleibt offenbar

Access to the comments Kommentare
Von Euronews  mit AFP
Protest in Iran
Protest in Iran   -   Copyright  AP/Copyright 2022 The AP. All rights reserved.

In Iran hat der Generalstaatsanwalt angekündigt, dass die umstrittene Sittenpolizei - deren Intervention für den Tod der 21-jährigen Mahsa Amini in Teheran im September verantwortlich gemacht wird - aufgelöst werde. Ihr Tod hatte landesweite Proteste ausgelöst.

"Die Sittenpolizei (...) wurde von denen abgeschafft, die sie geschaffen haben", sagte Generalstaatsanwalt Mohammad Jafar Montazeri am Samstagabend und wurde an diesem Sonntag von der Nachrichtenagentur Isna und anderen den Medien zitiert.

Die strenge Kopftuchpflicht für alle Frauen und Mädchen in Iran bleibt aber offenbar bestehen. Der islamischen Gesetzgebung zufolge müssen Frauen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch und einen langen, weiten Mantel tragen, um Haare und Körperumrisse zu verhüllen.

Laut Medienberichten hatte der konservative Präsident Ebrahim Raisi an diesem Sonntag mit mehreren Ministern einen Krisengipfel abgehalten.

Zu wenig - zu spät für die Protestierenden?

Beobachter sprechen bei der Auflösung der Sittenpolizei von einem Zugeständnis an die Protestierenden, aber viele meinen auch, dieser Schritt sei zu wenig und komme zu spät.

Die Polizei, die auch Gasht-e Ershad (Orientierungspatrouillen) genannt wird, wurde während der Amtszeit des ultrakonservativen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad gegründet, um "die Kultur des Anstands und des Hijabs zu verbreiten". Sie besteht aus Männern in grünen Uniformen und Frauen in schwarzen Tschadors. Deren Patrouillen begannen im Jahr 2006.

Die Rolle der Sittenpolizei hat sich im Laufe der Jahre gewandelt, aber sie waren zuletzt sogar unter den vom Regime ausgewählten Präsidentschaftskandidaten umstritten.

Während der Amtszeit des gemäßigten Präsidenten Hassan Rohani trugen viele Frauen enge Jeans und lockere bunten Schleier. 

Kein Ende der Proteste

Nach dem Tod von Mahsa Amini haben viele Frauen - darunter berühmte Schauspielerinnen, aber auch Schülerinnen - ihre Hijabs abgelegt und Fotos davon im Internet verbreitet.

Bei den Protesten, die seit dem 16. September andauern und die gewaltsam niedergeschlagen werden, sind offiziellen iranischen Angaben zufolge mehr als 300 Menschen ums Leben gekommen.