Schengen-Erweiterung: Wachsende Spaltung auf dem Balkan befürchtet

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Von euronews
Der wahrscheinliche Beitritt Kroatiens zum Schengen-Raum ruft bei seinen Nachbarn wie Serbien und Bosnien Besorgnis hervor.
Der wahrscheinliche Beitritt Kroatiens zum Schengen-Raum ruft bei seinen Nachbarn wie Serbien und Bosnien Besorgnis hervor.   -   Copyright  Euronews

Der wahrscheinliche Beitritt Kroatiens zum Schengen-Raum zum 1. Januar 2023 ruft bei seinen Nachbarn wie Serbien und Bosnien Besorgnis hervor. Sie gehören nicht zur EU und fürchten noch mehr Komplikationen im Grenzverkehr.

Allerdings hat die die kroatische Grenzpolizei seit dem EU-Beitritts 2013 alle rechtlichen und technischen Verfahren der Europäischen Union umgesetzt. Große Schwierigkeiten werden nicht erwartet.

Bosnien befürchtet auch eher, noch weiter von der EU auf Abstand gehalten zu werden und mit Problemen wie Migration und regionaler Instabilität allein gelassen zu werden.

Das Gefühl der Isolation, der Kluft zwischen Bosnien-Herzegowina und Kroatien wird sich noch verstärken.
Adnan Ćerimagić
Leitender Analyst für den westlichen Balkan bei der Europäischen Stabilitätsinitiative.

Adnan Ćerimagić ist leitender Analyst für den westlichen Balkan bei der Europäischen Stabilitätsinitiative: "Die momentane Bosnien-Herzegowina Politik der EU, dem Westbalkans gegenüber, macht keine Hoffnung, dass diese Kluft in absehbarer Zeit, also in fünf bis zehn Jahren, kleiner werden wird. Im Gegenteil, sie wird wahrscheinlich noch deutlich größer werden."

Die Erweiterung der EU-Außengrenzen werde Verbesserungen für den Rest der Region bringen, so die Oppositionsabgeordnete und ehemalige kroatische Außenministerin.

Das ist keine Erweiterung, das ist eine Konsolidierung des europäischen Raums.
Vesna Pusić
Kroatische Oppositionsabgeordnete und ehemalige Außenministerin

Vesna Pusić, kroatische Oppositionsabgeordnete und ehemalige Außenministerin: "Bosnien, Serbien, Nord-Mazedonien, Kosovo und Montenegro sind von der EU umgeben, Schengen ist eine Frage der europäischen Sicherheit. Aber sie werden niemals isoliert werden im Sinne einer Mauer, weil sie faktisch eingebettet sind in die EU."

Ziel der EU ist die Stabilisierung des gesamten westlichen Balkan nach dem blutigen Zerfall Jugoslawiens. Brüssel wolle keine Mauern errichten.

Vorbehalte einiger Regierungen gegen Rumänien und Bulgarien, zu deren Beitritt ebenfalls die Entscheidung ansteht, gibt es aber wegen der wieder steigenden Migrationszahlen über die Balkanroute und wegen der Bilanz der Kandidatenländer bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität.

Die Abstimmung soll am 8. Dezember stattfinden. Eine Erweiterung des Schengen-Raums erfordert einen einstimmigen Beschluss, Enthaltungen würden die Entscheidung nicht blockieren.

Es gilt als wahrscheinlich, dass Kroatien ab 2023 Mitglied werden kann. Ob die Schengen-Staaten auch dem Beitritt von Bulgarien und Rumänien zustimmen werden, ist unwahrscheinlich.