Basketballstar und Aktivistin: Wer ist die heimgekehrte Brittney Griner?

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Von Euronews  mit AFP
Unterstützung für Bittney Griner auf einem Wandbild in Phoenix, Arizona.
Unterstützung für Bittney Griner auf einem Wandbild in Phoenix, Arizona.   -   Copyright  AP Photo/Rick Scuteri

US-Basketballstar Brittney Griner ist wieder zu Hause in Texas, wo sie am frühen Freitagmorgen am Ende einer langen und beschwerlichen Reise eintraf. Sie wurde am Donnerstag im Austausch gegen den inhaftierten Waffenhändler Viktor But aus einem russischen Straflager entlassen.

Der Topathletin drohte mehrjährige Haft, nachdem ein Moskauer Gericht sie wegen eines Drogendelikts verurteilt hatte. Der Austausch fand bei einem Zwischenstopp auf dem Rollfeld des Flughafens vo Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten statt. Dabei kreuzten sich die Wege der beiden kurzzeitig beim Umsteigen.

Nach ihrer Rückkehr gibts es viele Solidaritätsbekundungen, unter anderem seitens der WNBA. Aber auch Menschenrechtler:innen sind erleichtert.

Eine sanfte Riesin auf dem Spielfeld und im wirklichen Leben

Die amerikanische Basketballspielerin Brittney Griner, die am Donnerstag im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zwischen Washington und Moskau freigelassen wurde, ist eine der bedeutendsten Spielerinnen der Welt. Aber auch eine Kämpferin für die Rechte von Schwarze und der LGBT+-Community.

Die 2,06 m große Griner, Schuhgröße 54, die auf der Center-Position spielt, hat sich seit ihrem Profidebüt als eine der besten Basketballspielerinnen der WNBA etabliert.

Aufgrund ihrer Größe verfügt Griner über eine Waffe, die im Frauenbasketball selten ist: den Dunk. Mit dieser spektakulären Geste, bei der die Spielerin den Ball direkt in den Korb befördert, wurde sie  2007 in einem Video bekannt. Einhändig, beidhändig, sich am Korb festhaltend ... Mit 17 Jahren zeigte Griner bereits eine ganze Reihe von Fähigkeiten.

"Die Zukunft des Basketballs"

"Wir sagten uns einfach, das ist die Zukunft des Basketballs", berichtet Diana Taurasi, ihre Teamkollegin bei Phoenix Mercury in der nordamerikanischen Frauen-Basketball-Profiliga WNBA.

Britney war die erste Spielerin in der Geschichte der Weltmeisterschaft, die 2014 in der Gruppenphase gegen China einen Dunking setzte.

"Ich war extrem glücklich. Danach habe ich meine Freunde und Familie gefragt: Habt ihr das gesehen?", sagte sie nach ihrem Auftritt.

Griner, die als physisches Phänomen in die amerikanische Liga kam, wurde 2013 als erste im Draft, der Rekrutierungszeremonie für die besten jungen Spieler, ausgewählt und überraschte die Öffentlichkeit mit der Tatsache, dass sie größere Hände habe als LeBron James, der damalige männliche Star des Sports.

Bereits in ihrem zweiten Jahr gewann Griner mit ihrem Team aus Arizona den Titel und bewährte sich als eine bemerkenswerte offensive und defensive Spielerin.

Auch eine LGBT+-Ikone

Ihr Leben geht jedoch weit über den orangefarbenen Ball hinaus. Im Jahr 2013 outete sie sich in einem Interview mit der Zeitschrift Sports Illustrated als homosexuell. Sie erklärte, dass sie in ihrer Kindheit gemobbt wurde: "Es ist hart, gemobbt zu werden, weil man anders ist. Wegen meiner Größe, meiner Sexualität, alles...".

Ein Jahr später veröffentlichte sie ihre Autobiografie "In my skin". "Ich schätze, ich habe angefangen, mich anders zu fühlen, als jeder anfing, mir zu sagen, dass ich anders bin", schreibt sie.

In der Mittelschule war sie "flach und dünn",die Stimme tief. Die Kinder machten sich auf den Fluren über sie lustig: "Sie muss ein Junge sein. Sie ist nicht wirklich ein Mädchen."

Ihr Vater schrie sie an, als sie ihm von ihrer sexuellen Orientierung erzählte: "Du kannst deinen Koffer packen und von hier verschwinden".

Die in Houston, Texas, geborene und mit zwei Schwestern und einem Bruder aufgewachsene Spielerin wurde die erste homosexuelle Werbeikone von Nike und nahm an Fotoshootings teil, bei denen sie Männerkleidung trug.

Im Jahr 2020, im Zuge der historischen "Black Live Matters"-Demonstrationen gegen Polizeigewalt nach dem Tod von George Floyd und Breonna Taylor, forderte Griner als eine der ersten Basketballspielerinnen die WNBA auf, die Nationalhymne vor den Spielen nicht mehr abzuspielen.

"Täuschen Sie sich nicht, Griner wurde in Russland unter irreführenden Anklagen als politische Gefangene aufgrund ihrer Identität als Amerikanerin festgehalten. Die Tatsache, dass Griner sowohl schwarz als auch LGBT+ war, machte sie zu einem noch größeren Ziel", erklärte die afroamerikanische Bürgerrechtsorganisation National Black Justice Coalition in einer Erklärung nach der Freilassung der Basketballspielerin.

Das Trikot mit der Nummer 15 blieb frei

Neben ihrer Karriere bei Mercury in Phoenix spielte Griner in der Offseason manchmal für chinesische oder europäische Vereine, wie es auch einige andere WNBA-Spielerinnen tun, vor allem wegen der höheren Gehälter.

So gewann sie mit dem russischen Verein Ekaterinburg vier Euroligen und wurde in dem Land populär. Außerdem sammelte sie zahlreiche Titel in der Nationalmannschaft: 2016 und 2020 wurde sie Doppelolympiasiegerin, 2014 und 2018 gewann sie zwei Weltmeisterschaften.

Im September lag ihr Schatten über der Weltmeisterschaft 2022 in Australien, die das "Team USA" gewann. Keine der  Spielerinnen, die ihr während ihrer Haft per E-Mail "Botschaften der Liebe, Unterstützung und Ermutigung" geschickt hatten, trug während des Turniers das Trikot mit der Nummer 15, Brittney Griners Nummer.