Ist Plastik aus Lachs-Sperma die neue umweltfreundliche Kunststoff-Alternative?

Zwar nutzten die Forscher:innen Spermien von Lachsen, die DNA kann aber potenziell von allen Lebewesen gewonnen werden
Zwar nutzten die Forscher:innen Spermien von Lachsen, die DNA kann aber potenziell von allen Lebewesen gewonnen werden   -   Copyright  Pixabay   -  
Von Rosie Frost

Wissenschaftler:innen aus China haben einen neuen Kunststoff aus Lachssperma entwickelt. Sein Vorteil: bei seiner Herstellung werden wesentlich weniger Kohlenstoff-Emissionen produziert. Doch er hat auch Nachteile.

Für den neuartigen Kunststoff haben die Forscher:innen zwei kurze DNA-Stränge aus den Spermien der Fische isoliert und sie mit einer chemischen Substanz aus Pflanzenöl vermischt. Das daraus entstandene zähflüssige Material wird auch als Hydrogel bezeichnet.

Anschließend wird das Gel in verschiedene Formen gebracht und gefriergetrocknet. Auf diese Weise wird ihm die Feuchtigkeit entzogen, so dass es sich verfestigt. Forscher haben bereits eine Tasse und Puzzleteile aus dem umweltfreundlichen Kunststoff hergestellt.

Auch wenn das chinesische Wissenschaftler-Team seinen Rohstoff aus Lachssperma herstellte, trägt DNA die Bausteine für jedes Lebewesen auf der Erde. Eine Studie aus dem Jahr 2015 schätzt, dass es rund 50 Milliarden Tonnen genetischen Codes auf der Erde gibt.

Das bedeutet, dass der Kunststoff rein technisch auch aus anderen nachhaltigen Quellen hergestellt werden könnte, etwa aus Abfallstoffen von Pflanzen, Algen oder Bakterien.

Ist dieser Kunststoff besser als andere Alternativen?

Plastik ist ein großes Problem für die Umwelt, da es aus petrochemischen Stoffen hergestellt wird, für deren Produktion viel Hitze und oft auch giftige Substanzen benötigt werden. Außerdem dauert es Jahrhunderte, bis es abgebaut ist, und nur sehr wenig wird recycelt - das meiste wird verbrannt oder landet auf Mülldeponien.

Die Forschung nach sinnvollen Alternativen, die unsere natürliche Umwelt weniger belasten, ist in vollem Gange.

Andere, biologisch abbaubare Kunststoffe wurden bereits unter Verwendung von Materialien wie Maisstärke und Algen hergestellt, aber ihre Herstellung ist sehr energieaufwändig und ihre Wiederverwertung mitunter schwierig.

Darko Vojinovic/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.
Plastikflaschen im Potpecko See, unweit von Priboj, im Südwesten von Serbien, 22.01.2021Darko Vojinovic/Copyright 2021 The Associated Press. All rights reserved.

Dayong Yang und sein Team an der Universität Tianjin wollten ein Material entwickeln, das diese Probleme löst.

Ihnen zufolge werden bei der Herstellung von Kunststoffen auf DNA-Basis 97 Prozent weniger Kohlenstoff-Emissionen verursacht als bei der Produktion von Polystyrol. Taucht man Gegenstände, die aus dem Material hergestellt wurden, in Wasser, verwandeln sie sich wieder in ein Gel, das zu neuen Gegenständen geformt werden kann. Das erleichtert das Recycling. Wird der Kunststoff nicht mehr benötigt, kann er durch DNA-verdauende Enzyme abgebaut werden.

Doch genau das ist es auch, was eine Herausforderung darstellt. Die Tatsache, dass der Kunststoff nur mit Wasser recycelt werden kann, bedeutet, dass er trocken gehalten werden muss. So könnte er zwar mit wasserdichten Beschichtungen versehen werden, doch würde dies die Wiederverwertung erschweren.

Für elektronische Geräte, die ohnehin trocken gehalten werden müssen, könnte er dennoch zum Einsatz kommen, meinen die Forscher.