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Antarktis: Ausbleiben der Antarktissturmvögel beunruhigt Forscher

Erfrorener Antarktissturmvogel unweit der Polar-Forschungsstation in Svarthammaren, Antarktis
Erfrorener Antarktissturmvogel unweit der Polar-Forschungsstation in Svarthammaren, Antarktis   -   Copyright  EVN - NONRK
Von Cornelia Trefflich

Forscher:innen des Norwegischen Polarinstituts begeben sich zu den steilen Klippen von Svarthamaren. Dort befindet sich normalerweise die größte Kolonie der Antarktissturmvögel - und gerade jetzt ist Brutzeit.

Doch in diesem Jahr ist keiner der Vögel zu sehen, ganz zu schweigen von Brutpaaren. Die angestammten Nistplätze der Vögel sind leer.

Joanna Sulich, Biologin und Forschungstechnikerin, sucht die Gegend nach Lebenszeichen der Vögel ab, sie sagt: "Wir haben vier Küken in der gesamten Kolonie gefunden. Und als wir nach dem Sturm zurückkamen, nach drei Tagen, haben es die Küken leider nicht geschafft. Sie sind während des Sturms erfroren."

Trotz des Rückgangs der Gesamtpopulation in den vergangenen Jahren schwankte die Zahl der Brutpaare zwischen 18.000 und 40.000. 2020 nisteten rund 100.000 Antarktissturmvögel auf Svarthamaren.

Forschungsleiter und Biologe Sébastien Descamps glaubt, dass die meisten der Vögel draußen im Südpolarmeer unterwegs sind - auf der Suche nach Nahrung. Normalerweise würden die Vögel zum Nisten nach Svarthamaren ziehen, aber, so die Theorie der Biologen, kehren sie aufgrund der widrigen Witterungsbedingungen ins Südpolarmeer zurück.

"Wahrscheinlich ist es die Kombination aus Schneestürmen und dem schlechten Nahrungsangebot auf See. Diese Vögel ernähren sich nur von dem, was sie auf dem Meer finden können. Antarktischer Krill und vielleicht auch ein paar kleine Fische. Letztendlich ist es ein energetisches Gleichgewichtsproblem. Wenn man viele Fettreserven und Energie hat, kann man Schneestürme und wirklich schlechtes Wetter überstehen. Wenn man aber mit einem niedrigen Energieniveau in die Brutsaison startet, weil man nicht genug Futter gefunden hat, dann kommen sie mit kalten Temperaturen, Wind und Schnee nicht zurecht. Das ist einfach zu viel", erklärt Descamps.

Der Klimawandel führe zu Veränderungen im Südpolarmeer, sowohl in Bezug auf das Eis als auch auf die Temperatur. Allerdings ist es schwierig festzustellen, ob das, was mit dem Antarktissturmvogel passiert, direkt mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden kann.

Das Verhalten der Vögel sende ein starkes Signal, dass draußen im Südpolarmeer etwas Ernstes im Gange ist. Aus Sicht von Descamps sagt das Verhalten etwas Wichtiges über den Gesundheitszustand des marinen Ökosystems aus. Die Forscher:innen müssten nun versuchen zu verstehen, was dort passiere.

Für die Forscher:innen bleibt es spannend - sie werden im kommenden Jahr zurückkehren, um nach den Vögeln Ausschau zu halten.