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Klimawandel: Was tun gegen die voranschreitende Küsten-Erosion?

Klimawandel: Was tun gegen die voranschreitende Küsten-Erosion?
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Von Jeremy Wilks

In "Climate Now", unserem monatlichen Update zum Zustand unseres Planeten, geht es dieses Mal darum, wie sich Küstengemeinden besser gegen den Klimawandel wappnen können - und welche Maßnahmen es gibt, um die Küstenerosion einzudämmen.

In der Bretagne, im Westen Frankreichs, bereiten sich Gemeinden schon jetzt darauf vor, dass der Meeresspiegel kontinuierlich steigen wird. Alisée Chaigneau, Doktorandin bei Mercator Ocean, sagt:

"Wir müssen uns in jedem Fall vor der Zunahme Küstenüberschwemmungen schützen, die bis zum Ende des Jahrhunderts regelmäßig auftreten werden."

Das sind die neuesten Daten des Copernicus Climate Change Service. Weltweit haben wir gerade den fünftwärmsten Mai seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt, mit Temperaturen, die um 0,3 Grad Celsius über dem Durchschnittswert von 1991-2020 liegen.

Copernicus Climate Change Service
Im Mai 2022 lag die Temperatur um 0,3 Grad Celsius über der weltweiten DurchschnittstemperaturCopernicus Climate Change Service

Außergewöhnlich heißer Mai

In Europa war der Mai in weiten Teilen des Kontinents außergewöhnlich, wie die jüngste Karte des_Copernicus Climate Change Service_ zeigt. Alle rot markierten Gebiete waren im Mai wärmer als im Durchschnitt. Frankreich erlebte den wärmsten Mai seit Beginn der Aufzeichnungen, mit Durchschnittstemperaturen von 3 Grad über dem Normalwert. Auch in Spanien und Portugal gab es erste Hitzewellen. In den tiefblau gekennzeichneten Gebieten in Osteuropa und Westasien lagen die Temperaturen aufgrund der Winde aus Nordwest weit unter dem Durchschnitt.

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Im Mai 2022 war es deutlich zu heiß in vielen Regionen Süd- und SüdwesteuropasCopernicus Climate Change Service implemented by ECMWF

Betrachtet man den Planeten als Ganzes, wird das Ausmaß der Temperaturanomalien noch deutlicher. Es zeigt sich, dass es in einem großen Bereich über Zentralasien und Sibirien wärmer war als im Durchschnitt. Auf der großen blauen Fläche über dem östlichen Pazifik dauert das La-Niña-Phänomen an. Diese Masse an kühlerem Wasser steht im Zusammenhang mit einigen der extremen Klimaereignisse, die wir in den letzten Monaten erlebt haben, von heftigen Regenfällen in Australien bis hin zur Dürre im Westen der USA.

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Der Blick auf den Globus enthüllt mehrere AnomalienCopernicus Climate Change Service implemented by ECMWF

Im Hinblick auf den Klimawandel: Vorausschauend planen

Euronews-Reporter und Klima-Experte Jeremy Wilks berichtet direkt aus der Bretagne:

"Im vergangenen Monat hat die Frankreichs Regierung eine Karte mit 126 Küstenstädten und - dörfern veröffentlicht, die ihre Stadtplanungsgesetze wegen der Küstenerosion anpassen müssen. Das Problem der Küstenerosion wird durch den beschleunigten Anstieg des Meeresspiegels als Folge des Klimawandels weiter verschärft. Was bedeutet das nun für die Gemeinden an vorderster Front?"

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126 Gemeinden in Frankreich sind besonders von den Folgen des Klimawandels betroffenCopernicus Climate Change Service implemented by ECMWF

In Plougonvelin lernt man gerade, dass man im Hinblick auf den Klimawandel vorausschauend planen muss. Bürgermeister Bertrand Audren hat sogar darum gebeten, auf der Liste der französischen Regierung zu stehen, damit der Stadtentwicklungsplan angepasst werden kann.

"Wir wollen verhindern, dass in 30, 40 oder 50 Jahren Menschen und Grundstücke von der Erosion der Steilküste betroffen sind und Häuser beschädigt werden. Es geht also darum, diesen Problemen zuvorzukommen, und dass die Menschen sich vorbereiten können", erklärt Audren.

In den nächsten sechs Monaten werden Experten entscheiden, welche Bereiche des Dorfes gefährdet sind, und die Regierung wird sich an der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen beteiligen. Man testet zudem natürliche Schutzwälle:

"Also errichteten wir diese Barrieren, diese Zäune mit Dünenpflanzen wie Strandhafer, um zu verhindern, dass der Sand verloren geht", führt Audren aus.

Meeresspiegel-Anstieg bringt Herausforderungen mit sich

Der durchschnittliche Meeresspiegel ist – global betrachtet - seit 1993 um neun Zentimeter gestiegen, und er steigt derzeit um mehr als 4 Millimeter pro Jahr.

Nach Ansicht von Gonéri Le Cozannet, Mitarbeiter beim Weltklimarat, besteht gleich an zwei Fronten dringender Handlungsbedarf:

"Zum einen muss die globale Erwärmung begrenzt werden, um den Anstieg des Meeresspiegels bei etwa vier Millimeter pro Jahr zu stabilisieren. Zum anderen muss die Anpassung, entweder durch Schutz oder Umsiedlung in niedrig gelegenen Gebieten erfolgen, um die Auswirkungen des Meeresspiegelanstiegs tatsächlich einzuschränken."

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Diese Grafik stellt anschaulich dar, wie der Meeresspiegel über die Jahren angestiegen istCopernicus Climate Change Service

Bis zum Ende des Jahrhunderts sollte jede französische Küstengemeinde auf schädliche Sturmfluten vorbereitet sein, die durch den Anstieg des Meeresspiegels verstärkt werden, meint Wissenschaftlerin Alisée Chaigneau: "Seltene Ereignisse, wie Küstenüberschwemmungen, die heute einmal in 100 Jahren auftreten, werden in der Zukunft einmal pro Jahr vorkommen."

In Plougonvelin wird die Felswand jedes Jahr mehrere Zentimeter kleiner. Der Stadtentwicklungsplan wird deutlich angepasst werden müssen, aber der Bürgermeister Audren bleibt zuversichtlich: "Man muss auf der Hut sein. Man muss Vorsicht walten lassen. Aber man darf auch nicht in Katastrophenstimmung verfallen."

Mehr Informationen zum Meeresspiegelanstieg und Erosion, sowie allen hier vorgestellten Daten finden Sie auf euronews.com/climatenow