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Ist der Klimawandel für die Hitzewelle verantwortlich?

Eine Familie erfrischt sich in einem Stadtbrunnen an der South Bank in London, Dienstag 19. Juli 2022.
Eine Familie erfrischt sich in einem Stadtbrunnen an der South Bank in London, Dienstag 19. Juli 2022.   -   Copyright  Frank Augstein/AP   -  
Von Lottie Limb

Für Hunderte von Millionen Menschen in Europa macht das unerträglich heiße Wetter dieser Woche den Klimawandel deutlich.

In Großbritannien erreichen die Temperaturen zum ersten Mal in der Geschichte 40 Grad, während Frankreich, Portugal, Spanien, Griechenland und Kroatien seit Tagen oder sogar Wochen mit Waldbränden zu kämpfen haben - aufgrund der lange anhaltenden Trockenheit und Hitze. Sogar in Deutschland sind hitzebedingte Brände ausgebrochen.

Wir wissen, dass die globale Erwärmung die Ursache ist, und während einer Hitzewelle lässt sich dieser Zusammenhang ganz einfach herstellen. (Auch wenn Klimaskeptiker weiter behaupten, es läge daran, dass sich die Erde näher an die Sonne heranbewegt).

Wie hängen Klimawandel und Hitzewellen genau zusammen?

Die Durchschnittstemperatur auf der Erde ist seit der vorindustriellen Zeit um 1,1 °C gestiegen, was vor allem auf den enormen Anstieg der Treibhausgase zurückzuführen ist, die der Mensch durch seine Aktivitäten freigesetzt hat. Kohlendioxid (CO2) trägt am meisten zur globalen Erwärmung bei; die Konzentration in der Atmosphäre ist zwischen 1750 und 2020 um 48 Prozent gestiegen.

Wie Glas in einem Gewächshaus halten CO2, Methan, Distickstoffoxid und andere Gase die Sonnenwärme zurück, so dass weniger Wärme in den Weltraum zurückkehrt.

Mit dem Anstieg der Durchschnittstemperaturen - die sich immer mehr der für viele Länder katastrophalen Marke von 1,5 °C nähern - nimmt die Zahl der Wetterlagen am "extrem heißen" Ende des Spektrums zu, wodurch extreme Hitzeereignisse häufiger, länger und intensiver werden.

Einer aktuellen Studie zufolge wird eine Hitzewelle, die im vorindustriellen Klima mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu zehn in einem bestimmten Jahr aufgetreten wäre, nun im Durchschnitt fast dreimal häufiger auftreten und 1,2 °C heißer sein. Eine Hitzewelle, die in einem von 50 Jahren aufgetreten wäre, tritt nun fünfmal häufiger auf.

Markus Schreiber/AP
In Berlin bietet das Badeschiff eine Erfrischung. 19. Juli 2022Markus Schreiber/AP

Was kann uns die Wissenschaft über die Ursachen von Hitzewellen sagen?

"Ich denke, wir können mit großer Sicherheit sagen, dass jede Hitzewelle, die heute auftritt, durch den Klimawandel intensiver und wahrscheinlicher geworden ist", sagt Mitautorin Dr. Friederike Otto, Dozentin für Klimawissenschaften am britischen Grantham Institute for Climate Change and the Environment.

Mit anderen Worten: Wir brauchen nicht mehr auf "Attributionsstudien" zu warten, um zu beweisen, dass der Klimawandel die Hitzeereignisse verschlimmert. Solche Untersuchungen sind jedoch nach wie vor sehr wertvoll.

Eine Studie von World Weather Attribution (WWA) ergab, dass die Hitzewelle, die im vergangenen Sommer ein kanadisches Dorf zerstörte, nachdem auf rekordverdächtige 49,6 Grad Celsius ein Flächenbrand gefolgt war, durch den Klimawandel 150 Mal wahrscheinlicher wurde. Ohne den Klimawandel wäre es "praktisch unmöglich" gewesen, so die Schlussfolgerung der Klimatolog:innen. Diejenigen, die Lytton wieder aufbauten, wurden letzte Woche erneut evakuiert.

Dr. Mariam Zachariah, die auch für das Grantham Institute und das WWA arbeitet, sagte: "In diesem Jahr gab es so viele Extremereignisse, dass es schwierig geworden ist, jedes einzelne zu betrachten."

Die Konzentration auf die Ereignisse, die sich am stärksten auf die Menschen und die Landwirtschaft ausgewirkt haben, ist jedoch ein wichtiger Bestandteil der Klimakommunikation. Trotz der alarmierenden Datensätze, mit denen sie zu tun hat, sagt Dr. Zachariah gegenüber Euronews: "Die Botschaft ist, dass wir anfangen müssen zu handeln, und ich habe viel Hoffnung für uns; wenn wir rechtzeitig handeln, können wir genug tun, um uns anzupassen und den Klimawandel für die Zukunft abzuschwächen."

Was ist die Ursache für die Hitzewelle in Europa - und wie heiß wird es noch werden?

Extremes Wetter ist natürlich relativ zu "normalen" Bedingungen. In Großbritannien definieren Meteorolog:innen eine Hitzewelle als einen Zeitraum von mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen, an denen die Tageshöchsttemperaturen die Temperaturschwelle überschreiten, die je nach Bezirk unterschiedlich ist. In London zum Beispiel liegt sie bei 28°C.

Als Reaktion auf ein gefälschtes Vorhersagebild, das im Internet geteilt wurde und das nahelegt, dass das Wetteramt die normalen Sommertemperaturen nur extremer aussehen lässt, gab der Meteorologe des Wetteramtes, Aidan McGivern, einige Einblicke in die visuellen Darstellungen des nationalen Wetterdienstes.

Nachdem er im vergangenen Jahr die neue Temperaturskala umgestaltet hatte, um sie für Farbenblinde zugänglich zu machen, verriet er, dass er nie erwartet hätte, "dass das dunkle Rot auf britischen Karten verwendet" würde.

Christophe Ena/AP
In Paris kühlen sich Menschen im Brunnen am Trocadero, gegenüber der Eiffelturms, ab. 19. Juli 2022Christophe Ena/AP

"Wir hatten gehofft, dass es nicht so weit kommen würde, aber zum ersten Mal sagen wir für Großbritannien Temperaturen von mehr als 40 Grad voraus", so Dr. Nikos Christidis, Klimawissenschaftler beim Met Office, bei der Ankündigung der ersten roten Warnung vor außergewöhnlicher Hitze.

"Die Wahrscheinlichkeit, dass in Großbritannien Tage mit Temperaturen von über 40 °C auftreten, könnte unter den derzeitigen klimatischen Bedingungen zehnmal höher sein als unter einem natürlichen, vom Menschen unbeeinflussten Klima."

Hitzewellen werden im Allgemeinen durch Hochdruckgebiete ausgelöst. In diesem Fall ist es das Azorenhoch - ein Hochdrucksystem, das normalerweise vor Spanien im Nordatlantik liegt - das sich nach Norden ausbreitet und die Bedingungen schafft, die wir heute spüren. Diese atmosphärische Region dehnt sich auch infolge des Klimawandels aus, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Hinzu kommen heiße, trockene Winde aus Nordafrika und der Sahara, warnte Annie Shuttleworth vom Met Office letzte Woche. In Wales und Irland wurden bereits die bisher heißesten Temperaturen gemessen, die jemals gemessen wurden.