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Lamy: Russland-Sanktionen fördern europäische Integration

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Von Stefan Grobe  & Grégoire Lory
Lamy: Russland-Sanktionen fördern europäische Integration
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Angesichts der russischen Streitmacht in der Ukraine sucht die Europäische Union nach einer wirtschaftlichen Antwort. Mehrere Runden strenger Sanktionen wurden bereits verabschiedet.

Die Handelswaffe ist nichts Neues. Das US-Embargo gegen Kuba oder die internationalen Sanktionen gegen das Apartheidregime in Südafrika sind Klassiker dieses Instruments.

Für den ehemaligen Generaldirektor der Welthandelsorganisation Pascal Lamy gibt es zu heute jedoch einen Unterschied.

Dieses Mal seien es die schieren Proportionen, die anders seien, so Lamy. Russland sei auf einer Reihe von Märkten ein großer Akteur, insbesondere bei Energie und Getreide. Der Westen müsse Russland an seiner schwächsten Stelle treffen, der Wirtschaft.

Russland gehört zu den drei größten Ölproduzenten der Welt, es verfügt über 20 Prozent der globalen Gasreserven und ist der weltweit größte Exporteur von Weizen.

Sein Gewicht auf diesen Märkten wirft Fragen zu den mit den Sanktionen verbundenen Konsequenzen auf. Aber durch diese Maßnahmen baut die EU auch größere kommerzielle und strategische Autonomie auf.

Nach und nach nähere sich die Europäische Union der Machtposition, von der einige träumten, auch in handelspolitischer Hinsicht. Allmählich erweitere sie ihr Arsenal, zusätzlich zu noch mehr symbolischen Maßnahmen wie Waffenlieferungen in ein Kriegsland. Da habe Europa tatsächlich einmal einen Schritt in Richtung dessen getan, wie eine europäische Macht aussehe, auch wenn noch ein weiter Weg zu gehen sei.

Seit zehn Jahren bricht die Europäische Union Tabus: etwa beim Eingreifen der Europäischen Zentralbank während der Finanzkrise 2008 oder den gemeinsamen Schulden beim Covid-Sanierungsplan. Heute setzen die 27 ihre Reise hin zu mehr Integration fort.