Plastikmüll kennt keine Grenzen: Gemeinsames Vorgehen ist von Vorteil

Von Aurora Velez
Plastikmüll kennt keine Grenzen: Gemeinsames Vorgehen ist von Vorteil
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Eine Gruppe von lettischen und litauischen Wissenschaftlern durchkämmt den Grenzstrand von Palanga. Sie untersuchen die Anhäufung von Plastik im Rahmen des europäischen ESMIC-Projekts: Dabei werden Daten und Methoden für den Umgang mit dieser Verschmutzung kartiert, analysiert und bereitstellt. Eine erste Schlussfolgerung: Algen wirken wie ein Magnet für Plastik.

"Wir haben festgestellt, dass in den angespülten Algen dreimal mehr Plastikteile vorhanden sind als im frischen bzw. sauberen Sand an der Küste", erklärt Arūnas Balčiūnas, der Projektleiter von ESMIC.

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Arūnas Balčiūnas ist der Projektleiter von ESMICeuronews

Um Plastik zu kartieren, setzen die Wissenschaftler verschiedene Techniken ein, darunter Drohnenaufnahmen. Diese Daten werden dann mit Satellitenbildern verglichen. So wird ermittelt, welche Gebiete am stärksten betroffen sind. Diese Daten sind auch für litauische und lettische Behörden von Interesse, um Strandsäuberungs-Maßnahmen zu ergreifen.  

"Wir verwenden drei Ebenen, drei Dimensionen der Methoden: vor Ort, wo wir von Hand sammeln, Drohnen, die kleinere Flecken sehen können und viel schneller sind, sowie Satelliten, die die ganze Ostsee erfassen können", sagt die leitende Wissenschaftlerin Diana Vaičiūtè.

Viel Plastikmüll in Litauen und Lettland

In Litauen und Lettland sammeln sich aufgrund ihrer geografischen Lage - sie liegen auf der Ostseite dieses relativ geschlossenen Meeres - und der starken Winde mehr Algen und Kunststoffe an als in anderen Ostseeländern.

Das Gesamtbudget des Projekts beträgt 449.574 Euro, davon wurden 85 %  durch die europäische Kohäsionspolitik finanziert; die restlichen 15 % brachten die beteiligten Projektpartner auf: Universität Klaipėda, Lettisches Institut für Gewässerökologie,  Agentur der Universität Daugavpils, Wissenschafts- und Technologiepark Klaipėda sowie die Stiftung für Umwelterziehung.

In den Laboren der Universität Klaipeda analysieren Wissenschaftler die Plastik- und Mikroplastikproben in Algen und Wasser. Sie suchen nach Vibrio, einer Bakterienart, die für den Menschen gefährlich sein kann, vor allem an dieser Küste, der sogenannnten "Bernsteinküste". Ihre Analysen ergaben, dass Vibrio in 67 % der Fälle vorhanden ist:

"Aufgrund des Klimawandels nehmen die Vibrio-Küsteninfektionen in der Ostseeregion zu, und Plastik ist einer der Wege, auf denen diese Bakterien übertragen werden können. Die Menschen untersuchen diese Algen auf der Suche nach Bernstein und können sich auf diese Weise mit den krankmachenden Bakterien infizieren", beschreibt Marija Kataržytė, die leitende Wissenschaftlerin und Mikrobiologin.

Jedes Mal, wenn die Wissenschaftler ihre Proben nehmen, zeigen sie Passanten, was sie am Strand finden. Im Rahmen dieser Aufklärungs-Arbeit wurden inzwischen 736 verschiedene Abfallarten auf 100 Metern Strandlänge gesammelt. Das ist das 36-fache des Grenzwertes, der in Europa als "ausreichendes Vorsorgeniveau" gilt.