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Zyperns Präsident wirft EU Doppelmoral vor

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Von Efi Koutsokosta
Präsident Nicos Anastasiades beim Gipeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs am 24. März 2022 Brüssel.
Präsident Nicos Anastasiades beim Gipeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs am 24. März 2022 Brüssel.   -   Copyright  European Union, 2022.   -  

Nicos Anastasiades, der Präsident Zyperns, wirft der Europäischen Union Doppelmoral in Hinsicht auf die Türkei vor.

In einem Interview mit Euronews betonte Anastasiades, dass die Türkei als einziges NATO-Mitgliedsland sich nicht an den Sanktionen gegen Russland beteilige.

Zudem seien türkische Exporte nach Russland seit der Invasion der Ukraine bedeutend angewachsen.

Der zyprische Präsident kann nicht verstehen, wie die EU auch für die eigene Wirtschaft schmerzvolle Sanktionen verhängt, es aber der Türkei gestattet, Eigeninteressen zu verfolgen und es Russland zu ermöglichen, die Sanktionen zu umgehen:

“Statt die Aufmerksamkeit auf diejenigen zu richten, die keinen direkten Einfluss auf den russischen Markt haben, hätte man prüfen müssen welche Staaten, auch unter den Beitrittskandidaten und in der Nachbarschaft, also europäischen politischen Familie, keine der Sanktionen mittragen. Um das Kind beim Namen zu nennen, ich spreche von der Türkei, die es zum Beispiel ermöglicht, dass russischer Stahl über die Türkei nach Europa gelangt.”

Anastasiades kritisiert die EU auch dafür, nicht entschieden genug gegen die extreme Rhetorik und das aggressive Verhalten des türkischen Präsidenten Erdogan gegenüber seinem Land aufzutreten. Für ihn nesteht die Gefahr eines weiteren Konflikts in Europa:

“Es ist doch nicht möglich, einerseits Russland wegen der Verletzung internationalen Rechts zu verurteilen, aber dann, wenn internationales Recht durch ein Beitrittskandidaten gegen Mitgliedsländer gebrochen wird, so zu tun, als ob man die Bedeutung dessen nicht versteht. Es ist diese Art von falsch verstandener Toleranz, die die Türkei weiter ermutigt und einen neuen Konflikt, innerhalb Europas riskiert.”

Zypern ist seit 1974 geteilt, nachdem die Türkei den Norden des Landes besetzt hatte und neun Jahre später die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen wurde.

Zahlreiche Versuche einer Wiedervereinigung sind bisher gescheitert, und zuletzt verschärfte sich die Lage, weil Ankara mit einer militärischen Aufrüstung des Nordens gedroht hat.

Journalist • Andreas Rogal