Preisanstieg bei Düngemitteln bedroht Lebensmittelversorgung

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Von Stefan Grobe  & Grégoire Lory
Es wird immer teurer: Düngemittel für die Landwirtschaft
Es wird immer teurer: Düngemittel für die Landwirtschaft   -   Copyright  AP Photo

149 Prozent! Dies ist der Preisanstieg für Düngemittel in der EU binnen eines Jahres.

Für Dominique Lebrun, einer Produzentin in Belgien, läuft die Rechnung aus dem Ruder, weil die Produktion von Stickstoffdünger vom Erdgaspreis abhängt, der in den letzten Monaten stark gestiegen ist.

Die Lage sei sehr kompliziert, bei allem, was gerade in der Welt geschehe, sagt sie. Energiepreise stiegen und damit auch die Preise für Düngemittel. Sie müsse Entscheidungen treffen, die nicht einfach seien, denn wenn sie zum falschen Zeitpunkt kaufe oder verkaufe, könne das für sie verheerende Folgen haben.

Heute ist Dominique Lebrun Markthändlerin an der Spitze ihres rund einhundert Hektar großen Familienbetriebs, auf dem sie Gerste, Weizen und Rüben anbaut. Sie sucht nach dem besten Zeitpunkt, um Dünger zu kaufen und ihre Produktion zu verkaufen.

Um dieser Situation zu begegnen, hat die EU-Kommission Anfang November eine Mitteilung vorgelegt, um die Verfügbarkeit von Düngemitteln sicherzustellen und die Kosten zu begrenzen. Brüssel schlägt eine gezielte Unterstützung der Landwirte vor, nachhaltigere Praktiken und einen verstärkten Einsatz organischer Düngemittel.

Aber für den Europäischen Verband der landwirtschaftlichen Organisationen (COPA) sind diese Maßnahmen langfristige Antworten. Es werde keine Finanzierung erwähnt, aber es entstünden enorme Kosten für die Landwirte, sagt COPA-Vizepräsident Tim Cullinan. Deshalb habe sein Verband eine Gewinnsteuer gefordert, da die Düngemittelindustrie derzeit massive Profite einstreiche. Es müss mehr Transparenz darüber geben, was in der Düngemittelindustrie passiere. Deshalb müss die Kommission jetzt kurzfristigere Maßnahmen vorlegen.

Diese Düngerkrise bedroht die nächste Ernte. Dies könnte zu kleineren Erträgen führen, was eine geringere Produktion und damit teurere Lebensmittelprodukte bedeutet.