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US-Experte Fauci: Keine Anzeichen für schwere Krankheitsverläufe durch "Omikron"

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Von Euronews
Wissenschaftler in einem Labor in Südafrika, wo eine besorgniserregende neue Coronavirus-Variante aufgetaucht ist.
Wissenschaftler in einem Labor in Südafrika, wo eine besorgniserregende neue Coronavirus-Variante aufgetaucht ist.   -   Copyright  AP Photo/Jerome Delay   -  

Die beunruhigende Nachricht von einer neuen Coronavirus-Variante trifft Europa inmitten der vierten oder der fünften Welle. Inzwischen ist Omikron in Deutschland, Österreich und vielen anderen EU-Ländern nachgewiesen worden. Dabei dauert es weiterhin mehr als 24 Stunden, um eine Sequenzierung des Coronavirus durchzuführen und die Mutation zu bestätigen.

Allerdings hat sich nun der oberste US-Experte der Pandemie, Anthony Fauci, zu Wort gemeldet. Er erklärte gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN, dass Omikron offenbar nicht auf schwere Krankheitsverläufe hindeutet. Die Variante habe allerdings einen Vorteil, was die Übertragung angehe- Das sei auch der Grund dafür, dass sie sich schneller ausbreite, so Fauci.

Der US-Gesundheitsexperte und Ex-Harvard-Forscher Eric Feigl-Ding hat auf Twitter die Berichte der Behörden in Südafrika verbreitet, dass viele Kinder unter fünf Jahren schwer erkrankt sind, nachdem sie sich mit der Omikron-Variante angesteckt hatten. Die südafrikanische Regierungsberaterin Waasila Jassat erklärte am Freitag, dass in der Region Gauteng, zu der Johannesburg gehört, viel mehr Kinder in Krankenhäusern behandelt werden müssen als bei den vorherigen Wellen des Coronavirus.

Auch unter den weniger Betroffenen 12- bis 18-Jährigen, die sich hätten impfen lassen können, seien fast nur Ungeimpfte Ende November ins Tshwane-Krankenhaus in Gauteng wegen Covid-19 eingeliefert worden. Unter den kleinen Kindern, die bisher nicht geimpft werden können, sind die schweren Erkrankungen aber offenbar besonders häufig.

Allerdings meinte die Virologin Michelle Groome am 1. Dezember, es bleibe abzuwarten, wie schwer die verschiedenen Altersgruppen tatsächlich an der Omikron-Variante erkrankten. In den kommenden Wochen wisse man mehr.

Die Gesundheitsbehörden in Südafrika leiten aus den bisherigen Erkenntnissen die Wichtigkeit der Impfungen ab. Wasasila Jassat sprach vom "Wert der Impfung bei den Erwachsenen zum Schutz der Kinder in den Haushalten".

In Südafrika haben laut Gesundheitsminister Joe Phaahla 42 Prozent der Erwachsenen zumindest eine Dosis Impfstoff gegen Covid-19 erhalten.

Inwieweit die Wirkung der bisher verabreichten Impfungen eingeschränkt sein könnte, wird derzeit weltweit untersucht.

Schnelltests weisen Omikron nach

Mehrere Schnelltests zeigen auch eine Infektion mit der Mutation des Coronavirus zuverlässig an.

Die Virologin Sandra Ciesek hat die Wirksamkeit mehrerer Schnelltests daraufhin überprüft, ob sie auch eine Omikron-Ansteckung nachweisen.

Die in der Schweiz forschende Expertin Isabella Eckerle betont, dass die Tests zumindest bei hoher Viruslast ein positives Ergebnis anzeigen.

An 50 Stellen verändert gegenüber dem ursprünglichen Coronavirus

Omikron unterscheidet sich laut dem Portal GitHub an 50 Stellen vom ursprünglichen SARS-CoV-2-Virus, dem sogenannten Wildtyp. Darunter sind 32 Veränderungen im Gen des Spike-Proteins, von denen sich 15 in der Rezeptorbindungsstelle befinden.

Das Ärzteblatt erklärt, mit der Zahl der Mutationen im S-Protein steigt die Gefahr einer Immunevasion. Ein sogenanntes Immun-Escape bedeutet, dass die Impfungen nicht mehr oder kaum noch wirken. Im schlimmsten Fall könnten die durch eine Impfung oder eine frühere Infektion erzeugten Antikörper Omikron nicht erkennen und abwehren. Das wird aber derzeit noch untersucht.

Die offenbar rasche Ausbreitung von Omikron in Südafrika deutet aber auf eine erhöhte Ansteckung hin. Sollte Omikron "fitter" sein als Delta, könnte sie sich nach den bisherigen Erfahrungen innerhalb weniger Wochen bis Monate weltweit durchsetzen.

Christian Drosten ist wegen Omikron besorgt

Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Charité in Berlin zeigte sich im Interview mit dem ZDF besorgt, dass Omikron wegen der vielen darin enthaltenen Veränderungen dazu führen könnte, dass die aktuellen Impfungen ihre Wirksamkeit verlieren könnten. Drosten sagte: "Das ist genau die Sorge, dass wir hier eben jetzt eine erste wirkliche Immunflucht-Mutante vor uns haben. Die anderen Mutanten bisher hatten diese Eigenschaft noch nicht so stark. Und alle sind natürlich da auch ein bisschen nervös und gespannt, ob man möglicherweise so viel Schutz verliert, sowohl durch die überstandene Infektion wie hoffentlich nicht durch die Impfungen, dass man sogar die Impfungen noch mal verändern müsste."

Dennoch meinte der Virologe auch: "Keiner kann im Moment sagen, was da auf uns zukommt. Das Einzige, was man wirklich mit Sicherheit sagen kann, es ist besser, wenn man geimpft ist. Es ist noch besser, wenn man geboostert ist."

Hollywood-Star George Takei bittet die Ungeimpften,an sich und ihre Leben zu denken und sich impfen zu lassen- wegen Omikron.

Die Variante Omikron oder B.1.1.529, die offenbar besonders viele Mutationen auch auf dem sogenannten Spike-Protein aufweist, wurde bei einer Reihe von Coronavirus-Fällen in Südafrika entdeckt. Südafrikanische Wissenschaftler, die bereits die Beta-Variante entdeckt hatten, alarmierten am 25. November andere Länder.

Warum der Name Omikron?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die neue Mutation am Freitag als "variant of concern", also als "besorgniserregend" eingestuft und ihr den Namen "Omicron" oder "Omikron" gegeben.

Dabei wurden im griechischen Alphabet die Buchstaben "Ny" oder "Nu" und "Xi" übersprungen, um Verwirrung durch die Ähnlichkeit mit dem Englischen "new" ("neu") und Diskriminierungen von Personen mit dem Nachnamen "Xi" - wie Chinas Machthaber Xi Jinping - zu vermeiden.

Es hatte neben der jetzt vorherrschenden Delta-Variante u.a. die Varianten Eta und Iota gegeben, die dann sich dann aber nicht weiter ausbreiteten.

Was ist anders an Omikron oder B.1.1.529?

"Wir haben leider eine neue Variante entdeckt, die in Südafrika Anlass zur Sorge gibt", sagte der Virologe Tulio de Oliveira auf einer Online-Pressekonferenz.

Er erläuterte, dass die hohe Zahl der Spike-Mutationen - man geht derzeit von mindestens 32 aus - Anlass zur Sorge über die Fähigkeit des Virus gibt, gegen Impfstoffe immun zu sein und sich besonders schell zu verbreiten.

Das Spike-Protein hilft dem Virus, in die Körperzellen einzudringen.

Die "Virenjägerin" Emma Hodcroft erklärte an diesem Sonntag, dass viele der 125 von GISAID untersuchten Proben von Omicron schon älter seien und eventuell irreführende Ergebnisse anzeigten.

Tom Peacock, Virologe am britischen Imperial Department of Infectious Disease, schrieb am Dienstag auf Twitter, dass eine "sehr kleine Gruppe von Varianten, die mit dem südlichen Afrika in Verbindung gebracht werden, mit einer sehr langen Zweiglänge und einem wirklich schrecklichen Spike-Mutationsprofil" entdeckt worden sei.

Südafrikanische Ärztin entdeckt andere Symptome und schlägt Alarm

Die südafrikanische Ärztin Dr. Angélique Coetzee hatte schon Mitte November in ihrer Praxis in Pretoria andere Symptome bei ihren vorwiegend jungen Covid-19-Patientinnen und -Patienten festgestellt. Sie litten vor allem unter starker Müdigkeit. Und ein sechs Jahre altes Kind hatte eine erhöhte Pulsfrquenz.

Die Erkrankten hatten keinen Geschmacks- oder Geruchsverlust.

In einem Interview mit dem niederländischen Telegraph meinte Dr. Coetzee, dass die neue Variante ältere Menschen, die schon an Diabetes oder Herzkrankheiten litten, viel härter treffen könnte.

Angélique Coetzee ist die Vorsitzende eines südafrikanischen Ärzteverbandes. Sie war eine der ersten, die international über die neue Variante informierten.

Internationale Expertinnen und Experten sowie die WHO gehen davon aus, dass es einige Wochen dauern wird, um herauszufinden, wie gefährlich Omikron wirklich ist.

In Südafrika sind nur etwa 25 Prozent der Menschen vollständig gegen Covid-19 geimpft. Also auch wenn sich Omikon dort rasant ausbreitet, bleibt abzuwarten, ob dies auch in Regionen mit höherer Impfquote der Fall sein wird.

Die südafrikanische Gesundheitsbehörde "National Institute for Communicable Diseases" (NICD)

Angélique Coetzee warnt allerdings inzwischen, dass nach der gewaltigen internationalen Reaktion auf Omikron - wie den massiven Einreisebeschränkungen - andere Länder es sich überlegen könnten, über neu entdeckte Varianten zu informieren.

Wie hat sich Omikron zunächst verbreitet?

Die Variante wurde gleich nach der Entdeckung in Südafrika in Botswana und Hongkong nachgewiesen, wobei der Fall in Hongkong auf einen Reisenden aus Südafrika zurückzuführen war.

"Es ist nicht überraschend, dass in Südafrika eine neue Variante entdeckt wurde", sagte Professor Adrian Puren, NICD Acting Executive Director.

"Obwohl die Daten begrenzt sind, nutzen unsere Expert:innen alle etablierten Beobachtungssysteme, um die neue Variante und ihre möglichen Auswirkungen zu verstehen", fügte er hinzu.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich bei 90 Prozent der neuen Fälle in der südafrikanischen Provinz Gauteng um B.1.1.529 handeln könnte. Doch auch die Zahl der Neuansteckungen im Nordwesten und in Limpopo steige rapide an.

Das Auftreten dieser Variante ist wahrscheinlich der Grund für den "exponentiellen" Anstieg der Infektionen in den letzten Wochen, so Gesundheitsminister Joe Phaahla, der an der Pressekonferenz teilnahm.

De Oliveira betonte, dass die Tatsache, dass der Erreger zuerst in Südafrika entdeckt wurde, nicht bedeute, dass er von dort stamme.

Er fügte hinzu, dass "eine gute Nachricht" in Bezug auf die Variante darin besteht, dass sie mit einem bestimmten PCR-Test nachgewiesen werden kann, was bedeutet, dass sie schnell entdeckt werden kann, was den Wissenschaftlern hilft, die Verbreitung zu verfolgen.

Südafrika, das bis Ende des Jahres eine neue Welle der Pandemie befürchtet, ist offiziell das am stärksten von der Pandemie betroffene Land des Kontinents.

Insgesamt wurden mehr als 2,9 Millionen Fälle und mehr als 89.600 Todesfälle verzeichnet.

Könnte B.1.1.529 gefährlicher sein als die Delta-Variante?

Die Delta-Variante ist derzeit die weltweit dominierende Sars-CoV-2-Variante.

Sie wurde zuerst in Indien entdeckt und verbreitete sich dann weltweit. Schnell wurde festgestellt, dass sie ansteckender ist als die zuvor dominierende "Alpha"-Variante des Virus.

Das wird möglich, weil ihr Spike-Protein geschickter in menschliche Zellen eindringt.

Besorgniserregend an der neuen Variante B.1.1.529 ist die hohe Anzahl von Mutationen, die es ihr ermöglichen könnten, die körpereigenen Abwehrmechanismen zu umgehen.

Derzeit liegen den Wissenschaftlern nicht genügend Daten vor, um festzustellen, wie gefährlich diese Variante sein könnte.

Professor Christina Pagel, die Leiterin der Clinical Operational Research Unit am UCL, erklärte auf Twitter, dass B.1.1.529 einen "erheblichen Vorsprung gegenüber Delta und C.1.2. haben könnte". C.1.2. ist eine weitere bekannte Sars-CoV-2-Variante, die mit einer hohen Übertragbarkeit verbunden ist.

"Wir wissen, dass B.1.1.529 viel mehr Mutationen aufweist als andere Varianten und Mutationen hat, die auch in anderen Varianten vorkommen, die sowohl mit höherer Übertragbarkeit als auch mit Immunflucht verbunden sind", fügte sie hinzu.

"Es sind die Anzahl und die Art der Mutationen, die die Virologen und Immunologen beunruhigen".

Dr. Michelle Groome, eine Spezialistin des südafrikanischen Gesundheitsbehörde NICD, sagte, dass sich die Menschen angesichts der neuen Varianten "impfen lassen, Masken tragen, gesunde Handhygiene praktizieren, sozialen Abstand halten und sich in gut belüfteten Räumen versammeln" sollten, um die Ausbreitung zu begrenzen.