KMU-Versammlung in Prag: Wie übersteht der Mittelstand die Krise?

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Von Paul Hackett  & Sabine Sans
KMU-Versammlung in Prag: Wie übersteht der Mittelstand die Krise?
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Energie-Knappheit, Inflationskrise und der stotternde Aufschwung nach der Pandemie: Das waren Themen auf der diesjährigen KMU-Versammlung in Prag - Europas wichtigster Veranstaltung für kleine und mittlere Unternehmen. Das Hauptaugenmerk lag auf der Frage, wie Unternehmen den derzeitigen wirtschaftlichen Gegenwind überstehen können. Eine Priorität der Europäischen Kommission ist es, die hohen Gaspreise für Unternehmen zu senken. Außerdem will Brüssel die Vorschriften verschärfen, damit die Rechnungen von kleinen Unternehmen schneller bezahlt werden. 

"Die KMU leiden unter den sehr hohen Energiepreisen, sie leiden unter der Inflation. Wir müssen dafür sorgen, dass sie rechtzeitig bezahlt werden", sagt Hubert Gambs, stellvertretender Generaldirektor der Generaldirektion GROW der Europäische Kommission. "Deshalb hat die Kommission die Initiative zur Überarbeitung der Richtlinie über Zahlungsverzug gestartet. Für die Energiepreise brauchen wir eine Lösung auf europäischer Ebene: Einen Mechanismus, der dazu beiträgt, dass die Energiepreise in ganz Europa kontinuierlich sinken."

Wie kann man die Energiepreise senken?

Bislang sind sich die EU-Regierungen noch uneinig darüber, wie die Energiepreise gesenkt werden können. Tschechien, das den sechsmonatigen rotierenden EU-Vorsitz innehat, versucht, eine Einigung zu erzielen. Der tschechische Handelsminister hat im Vorfeld einer für Mitte Dezember anberaumten Energie-Rat-Sondertagung zur Einigkeit aufgerufen. 

"Wir müssen wieder einmal liefern, denn Herr Putin sitzt im Kreml und wartet darauf, dass wir uns streiten. Erlauben Sie mir, Winston Churchill zu zitieren, 'Einigkeit macht stark' (united we stand, divided we fall), das muss man für die bevorstehende außerordentliche Ratssitzung im Hinterkopf behalten, wenn wir das nächste Maßnahmenpaket diskutieren werden", so Jozef Síkela.

Die große Hoffnung der politischen Entscheidungsträger ist, dass man Europas derzeitige Energieprobleme in eine Chance umwandelt und den grünen Wandel beschleunigt. 

Dafür werden innovative kleine Unternehmen wie Devinn entscheidend sein. Das tschechische Unternehmen hat einen mobilen Wasserstoffgenerator entwickelt - eine emissionsfreie Alternative zu den Standardmodellen.

"Wenn man derzeit eine mobile Energiequelle sucht, die unabhängig vom Stromnetz ist, muss man Diesel oder andere fossile Brennstoffe benutzen", so Tomáš Schwarz, Marketingleiter von Devinn. "Jetzt kann man Wasserstoff verwenden und hat eine emissionsfreie Stromerzeugung ohne jegliche_CO₂_-Emissionen. Die einzige Emission ist Wasser."

Grüner Wandel und unternehmerische Talente

Der EU-Pandemiefonds gibt den Mitgliedstaaten vor, mindestens 37 Prozent der erhaltenen Gelder für den grünen Wandel auszugeben - ein wichtiges Ziel, das durch den Ukraine-Krieg noch dringlicher geworden ist.

Auf der jährlichen KMU-Versammlung werden nicht nur die wichtigsten aktuellen Herausforderungen für Unternehmen erörtert, es werden auch Organisationen ausgezeichnet, die unternehmerische Talente fördern. Der diesjährige EEPA-Preis der Großen Jury ging an die belgische Initiative "Love to be Free", die Freiberufler zusammenbringt und vertritt.