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Der lange Verhandlungsweg von Tripolis

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Der lange Verhandlungsweg von Tripolis

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So etwas dürfte zu den schmerzlichsten Aufgaben einer EU-Kommissarin gehören. Benita Ferrero-Waldner sass mehrfach an den Betten der totkranken Kinder in Bengasi, musste dort die richtigen Worte des Trostes finden und dabei immer die alle Aspekte bedenkende Diplomatin bleiben. Schließlich lautete ihre erste Aufgabe, die mit dem Tode bedrohten Mediziner zu retten. 3.085 Tage haben die 5 bulgarischen Krankenschwestern und der inzwischen auch bulgarischer Staatsbürger gewordene palästinensische Arzt in libyschen Gefängnissen verbracht. Ihr Leben hing am seidenen Faden der großen Diplomatie. Libyens Revolutionsführer Gaddafi will wieder eine Rolle spielen in der internationalen Gemeinschaft – und möglichst nicht jene des geächteten Bösewichts. Die EU-Kommissarin musste äußerst vorsichtig verhandeln – immer im Hinterkopf, wie man Jahre zuvor bei der Entschädigung der Lockerbie-Opfer erreicht hatte. Dann 2006 der Rückschlag. Trotz aller Expertengutachten, wonach das Virus wegen ungenügender Hygiene schon die Klinik von Bengasi verseucht hatte, ehe die beschuldigten Krankenschwestern kamen, endete auch der zweite Prozeß mit Todesurteilen. Kurz vor Ende seiner Amtszeit flog auch noch Tony Blair nach Libyen. Er bemühte sich vor allem, die Verhandlungen über die Entschädigung der Familien voranzubringen. Das Interesse des Gaddafi-Regimes an einer Krisenlösung war da schon unübersehbar. Um aber aus Interessen und Absichten eine konkrete Lösung zu formen musste wieder die immer sachlich, immer freundlich, immer kompetent auftretende EU-Kommissarin diese für 6 Menschen lebensgefährliche Arbeit fortsetzen. Jahrelang hatte die Gaddafi-Propaganda dem Volk eingehämmert, die Ausländer seinen schuld.Nun mussten die so indoktrinierten Familien dazu gebracht werden, diesen Ausländern das Leben zu schenken. Am 10. Juli war endlich auch diese Hürde genommen.
Womöglich hat in dieser Endphase auch der Emir von Quatar seine guten Beziehungen zu Gaddafi spielen lassen. Frankreichs Präsident Sarkozy soll ihn darum gebeten haben. In letzter Minute schaltet sich auch die Gattin des französischen Präsidenten in die Gespräche ein. Sie begleitete die 6 Befreiten in einem Flugzeug mit der gut sichbaren Aufschrift “Republique Francaise” nach Sofia. Was Madame Sarkozy konkret zur Freilassung beigetragen hat, blieb zunächst im Dunkeln..