Eilmeldung

Lyon: Hauptstadt der Gastronomie

Lyon: Hauptstadt der Gastronomie
Euronews logo
Schriftgrösse Aa Aa

In der Küche von Nicolas Le Bec ist einiges los: Die Gäste wollen Jakobsmuscheln in einer Pilzsoße, und auch wenn alles gut aussieht, der Chefoch kontrolliert jeden Teller genau. Er weiß warum: Le Bec wurde für seine Kochkunst 2007 mit gleich zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Der gebürtige Bretone kam mit einem simplen Motto nach Lyon:“Das Beste des Einfachen”. Aber einfach war es nicht, sich in einer Stadt durchzusetzen, die als Gastronomie- Hauptstadt bekannt ist. Seine Sterne gewann er, indem er mit der Tradition brach.

Sein kulinarischer Wagemut hat sich ausgezahlt. Seine Gerichte mit Einflüssen aus aller Welt gefallen den Gästen. Sowieso hält in Lyon niemand mehr die eigene Vormachtstellung in der Küche für Gott gegeben. Niemand hier will sich auf den in der Vergangenheit erworbenen Lorbeeren ausruhen.

Und auch Nicolas Le Bec nicht. Er will mit seinem Zwei-Sterne-Restaurant umziehen. Und zwar genau dahin, wo Rhone und Saône zusammenfließen. Denn hier entsteht ein neues Stadtviertel, 150 Hektar groß. Mit Bootsanlegern, Dienstleistungsbetrieben, und – Restaurants. Der Bau dieses europaweit größten Städtebauprojektes soll nach 2015 komplett fertig werden. Hier will Le Bec Ende 2008 ein Konzeptrestaurant eröffnen. Für eine Bevölkerung mit unterschiedlichsten Geschmäckern. Le Bec: “Lyon holt sich Menschen aus aller Welt: Architekten , Sportler, Ingenieure, Ärzte. Die bringen alle ihren kulturellen Hintergrund mit. Wir müssen wissen, ob wir ordentliche Küche, Konzeptrestaurants oder Sterneküche anbieten wollen.”

Ortswechsel. Die Cité Internationale, ein junges, belebtes Viertel der Stadt. Hier treffen sich Mitglieder eines besonderen Clubs: Die Tocques Blanches, die Weißen Kochmützen. Seit 70 Jahren vertreten sie die Interessen der Köche in der Stadt. Unter den 111 Mitgliedern alle Köche sind auch viele Unternehmer. Und die kriegen die Konkurrenz zu spüren. Sie merken, dass zum Beispiel Briten und Spanier aufholen. Daher hat Lyon ein Netzwerk initiiert. Der Name: Delice: 17 städtische Regionen Frankreichs haben sich zusammen getan – und tauschen ihre Erfahrungen aus.

Wir sind alle ein bißchen in unserem Alltag gefangen,” sagt einer von ihnen,“und dass wir mal andere Köche treffen, auch ausländische, das ist für uns eine willkommene Gelegenheit. Wir können neue Produkte kennen lernen, neue Arbeitstechniken, und vielleicht auch neues Material.”

Köche schaffen in ihren Küchen etwas wichtiges: Qualität auf dem Teller. Eine gute Gastronomie ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in jeder Region. Lyon erwartet daher von den Köchen, Michelin-Stern oder nicht, dass sie den kulinarischen Reichtum der Region Rhones-Alpes weiter entwickeln.

Und dann gibt es die Märkte in Lyon: Für die Einwohner der Stadt ein fester Bestandteil des Stadt und ein liebgewordenes Ritual. Einer der Besucher ist Alain Alexanian, ein Fan des Marktes. Der Koch aus Armenien hat bei den Erzeugern der Region viele alte Rezepte ausgegraben. Sein Credo: verloren gegangenes Wissen wieder entdecken: “Es reicht nicht, das es schön ist und gut eingepackt”,sagte er,” Es muss auch zu unserem Organismus passen. Und solche Nahrung finden Sie hier auf dem Markt. Obst, Gemüse, Fisch und auch Fleisch.”

Nahrung soll kein Grund mehr sein, Angst zu haben, sie soll gut schmecken, gesund sein und dem Planeten keinen Schaden zufügen. Auch reine Biomärkte gibt es in Lyon. Mitten in einer fruchtbaren Region gelegen kann Lyon auch die neuen Anforderungen seiner Einwohner an die Nahrung erfüllen. Die Menschen entdecken alte Gerichte wieder.

In einer Stadt, in der gute Küche zur Lebenskunst wird, bietet diese Kunst den Boden für Erfahrungsaustausch. Zunächst zwischen den Generationen. Es wird zwar immer weniger in den Familien weitergegeben, warnen Soziologen, aber es ist noch nicht alles verloren. Immer noch bringen Mütter ihren Kindern das Nötige bei. Und Kochkurse sind sehr beliebt. Kochen ist auch immer ein Ausdruck von Kultur.

Der sicherlich bekannteste Küchenchef Frankreichs ist Paul Bocuse. Mit seinen 82 Jahren arbeitet er immer noch gerne. Östlich von Lyon wird ein ein Zentrum zu Ehren der Arbeit des Kochpapstes gebaut: Das Forschungszentrum des Paul-Bocuses- Instituts. Eine einzigartige Einrichtung, die von den Kommunen mit finanziert wurde. Noch dieses Jahr sollen Soziologen, Ernährungswissenschaftler und Ökonomen die Arbeit aufnehmen und das Essverhalten der Gesellschaft untersuchen. Und zum Beispiel dem Zusammenhang zwischen Gesundheit und Freude am Essen nachzugehen.

Denn in Frankreich soll Essen mehr als nur Nahrung sein. Es soll Freude bereiten und Anlass sein, sich um einen Tisch herum zu vereinen. Ob sich die Franzosen dadurch unbedingt von anderen Kulturen unterscheiden sei dahingestellt, aber selbstbewußt sind sie, geht es um ihre Küche.

Euronews kann nicht mehr über Internet Explorer abgerufen werden. Der Browser wird von Microsoft nicht aktualisiert und unterstützt die neuesten technischen Entwicklungen nicht. Wir empfehlen Ihnen, einen anderen Browser wie Edge, Safari, Google Chrome oder Mozilla Firefox zu benutzen.