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Ökonomen-Aufruf: Europas Reaktion auf Finanzkrise unzureichend

Ökonomen-Aufruf: Europas Reaktion auf Finanzkrise unzureichend
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Führende Ökonomen aus Europa und den USA fordern die europäischen Staaten zu einem gemeinsamen Vorgehen in der Finanzmarktkrise auf. Daniel Gros ist einer von ihnen. Er ist Direktor des Centre for European Policy Studies in Brüssel. “In Europa brauchen wir einen eigenen Plan für das europäische Bankensystem”, sagt Gros. “Keinen Paulson-Plan wie in den USA – einen eigenen Lösungsansatz. Aber die Kernidee ist klar: Wir kommen mit nationalen Lösungen nicht weiter – eine Bank in einem Land retten und am nächsten Tag wieder eine in einem anderen Land. Wir brauchen einen konzertierten europäischen Ansatz. Und dieser sollte das gesamte Bankwesen in Europa retten.”

Und wie? Die Unterzeichner schlagen in ihrem Papier eine Reihe von Maßnahmen vor, etwa gemeinsame europäische Regeln mit dem Ziel einer Rekapitalisierung des europäischen Bankensektors und eine harmonisierte Einlagensicherung. Den europäischen Staaten werfen sie fehlenden politischen Willen vor, die Krise gemeinsam zu bekämpfen: “Das Problem ist nicht ein fehlendes Verständnis. Das Problem ist mangelnder politischer Wille,” heißt es in dem Aufruf. Die führenden europäischen Politiker müssten unverzüglich zusammenkommen, um die Krise direkt anzugehen, bevor sie außer Kontrolle gerate.

Für private Sparer und Anleger sieht Gros derzeit keinen Anlass zur Beunruhigung: “Der einzelne Sparer braucht im Moment keine Angst zu haben. Die Sparvermögen der Haushalte sind in der EU fast überall ziemlich gut abgesichert. Das wahre Risiko des Sparers ist der Verlust seiner Arbeit. Wenn das Bankensystem in die Knie geht, geht die ganze Wirtschaft mit.”

Die Erklärung zieht auch eine Parallele zwischen der schweren Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts und der aktuellen Krise. “Jeder Europäer weiß, was passiert ist, als die Finanzmärkte in den dunklen Jahren der eltwirtschaftskrise zusammenbrachen. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass genau dies wieder passieren könnte, wenn die Regierungen jetzt nicht handeln. Wir sagen nicht voraus, dass dies wieder geschehen wird, aber es ist entscheidend zu wissen, was auf dem Spiel steht.”

Zu den Initiatoren des Aufrufs gehören DIW-Präsident Klaus Zimmermann, Richard Baldwin und Charles Wyplosz vom Graduate Institute Genf und Stefano Micossi, Direktor des italienischen Forschungsinstituts Assonime. Auch Charles Goodheart und Willem Buiter von der London School of Economics, Francesco Giavazzi, Guido Tabellini und Tito Boeri von der Bocconi Universität Mailand sowie Alberto Alesina von der Harvard Universität haben sich dem Aufruf angeschlossen.