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Kaum eine andere Sportart verkörpert Korea so, wie die Kampfkunst Taekwondo.

Kaum eine andere Sportart verkörpert Korea so, wie die Kampfkunst Taekwondo.
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Seit Jahrhunderten wandeln die Menschen auf der koreanischen Halbinsel auf dem Weg des Fußes und der Faust, so die freie Übersetzung des Begriffs Taekwondo.

Hierzulande kennt man Taekwondo aus Kampfsportschulen. Doch Taekwondo ist mehr als bloßer Kampfsport. Für Koreaner ist es Seele, Philosophie und Schule fürs Leben. Taekwondo-Meister Pang Hyun Kang: “Tae” steht für Fuß, “Kwon” bedeutet Faust und “Do” beschreibt den Weg – den Pfad des Lebens. Teakwondo heißt Hand und Fuß einsetzen und dabei Geist und Seele schulen. Gleichzeitig arbeiten Taekwondo-Schüler daran, ihr eigenes Ich, sich als Menschen weiterzuentwickeln.” Taekwondo-Master Pang Hyun Kang: “Will man versuchen die Seele des Taekwondo zu ergründen, wird es sehr philosophisch. Wichtig ist es die fünf Grundzüge des Taekwondo zu berücksichtigen: Höflichkeit, Integrität, Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin und Unbezwingbarkeit. Ganz nebenbei steigt durch das Training auch der Glauben ans eigene Ich. Das Selbstbewußstsein wächst.” Ein Selbstbewußtsein, dass einer Jahrhunderte alten Tradition entspringt. Zwischenzeitlich durch japanische Besatzer verboten, wurde Taekwondo erst in den 50er Jahren zu dem, was es heute ist. Das Militär entdeckte die Vorzüge der Kampfkunst für sich und unterwarf den Sport einer umfassenden Neuorganisation. Heute ist Taekwondo koreanischer Volkssport. Auch die Kleinsten sind mit großem Eifer dabei. Im Alter von etwa sieben Jahren fangen sie in einem der vielen koreanischen Dojangs mit dem Erlernen der Taekwondo-Grundlagen an. Taekwondo-Meister Yoo Pyeong Hee: “Kinder sind schwerer zu unterrichten als Teenager oder Erwachsene. Dafür sind sie noch unverbraucht. Sie sind noch unbelastet und neuen Dingen gegenüber sehr viel offener. Sie haben ein schier unbegrenztes Lernpotential.” Über Generationen hat sich Taekwondo tief in der koreanischen Seele verwurzelt. Koreaner sehen Taekwondo nicht bloß als Sport – es ist eine Lehre. Viele Universitäten haben Taekwondo in ihre Lehrpläne aufgenommen. Abschlüsse in Taekwondo können gemacht werden. Vor allem aber soll Studenten geholfen werden sich menschlich weiterentwickeln. Leiter der Abteilung für Taekwondo an der Universität Jeounju, Choi Kwan Geun: “Unsere Studenten lernen Solidarität, sie erlangen Selbstachtung und sie bewegen sich viel sicherer durch ihren Universitätsalltag.” 70 Millionen Menschen in 190 Ländern üben sich in Taekwondo. Rund 1000 Taekwondo-Schüler aus 42 Nationen traffen sich Anfang Juli zur dritten Messe für Taekwondokultur im südkoreanischen Jeounju, um gemeinsam den Pfad des Fußes und der Faust zu beschreiten. Taekwondo-Schüler Daniel Formichi, Frankreich: “Wir pflegen geimeinsam unsere Kultur, wir sprechen eine Sprache und trainieren zusammen. Man kann hier soviel mit nach Hause nehmen.” Taekwondo-Schüler Andrew Leonard, USA: “Der Sport hilft mir meine Konzentraition zuverbessern. Physisch bin ich stärker und schneller geworden.” Popularität in der westlichen Welt erlangte Taekwondo in den 80-ziger Jahren. Die Olympischen Spiele in Seoul 1988 waren die perfekte Werbung. Doch nicht alle sind mit der wachsenden Beliebheit einverstanden. Sie fürchten Taekwondo könnte zum Imitat westlicher Popkultur verkommen und seine Wurzeln verlieren. Großmeister Lee hofft daher auf eine Rückbesinnung zu alten Werten. Taekwondo-Großmeister Lee Hyeon Kon: “Es schmerzt mich die aktuelle Entwicklunge mitzuverfolgen. Taekwondo wächst ungebremst und viele unserer Werte und Traditionen gehen einfach verloren. Ich glaube aber daran, dass sich die Leute eines Tages wieder genau an diese Werte erinnern werden und sie wiederhaben wollen.” Ob Meister Lee das gefallen würde? Neuster Schrei ist Taekwondo nach Noten – Taekwon-MU! Für die einen ist es der Verrat alter Werte. Taekwon-MU zeigt aber auch, wie wandelbar die koreanische Gesellschaft ist. Genauso wandelbar wie sein Taekwondo!