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Tatarstan: der Beginn einer neuen Seidenstraße zwischen Europa und Asien

Tatarstan: der Beginn einer neuen Seidenstraße zwischen Europa und Asien
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Am Schnittpunkt der Kontinente, Religionen und Kulturen, zwischen Europa und Asien, liegt Tatarstan, eine Republik der Russischen Föderation. Eine geschichtsträchtige Region entlang der legendären Goldstraße, die in ihrer Blütezeit Skandinavien mit Persien verband.

Tatarstan ist unter anderem Austragungsort einer neuen Motorsportveranstaltung, der Silk Way Rallye. Die Region steht außerdem im Zentrum eines ehrgeizigen Verkehrsprojekts: Das ist die “neue Seidenstraße”, ein gigantisches Autobahnnetzwerk von Europa bis nach Asien. Für den Start des Rennens wurde die Hauptstadt Kasan ausgewählt, wegen ihrer symbolträchtigen Bedeutung als Schmelztiegel zwischen den Kontinenten. Der tatarische Ministerpräsident Roustan Minnikhanov gehört zu den Rallye-Teilnehmern. “Tatarstan ist eine Republik, die Autos herstellt. Deswegen unterstützen wir seit jeher Projekte, die mit der Automobilproduktion, dem Motorsport in Zusammenhang stehen. Diese Rallye ist ein wichtiger Anstoß, um für Investitionen in Tatarstan zu werben. Das stärkt die Autoindustrie und verbessert die Kontakte zu unseren Bruderstaaten.” Kulturelles und religiöses Miteinander sind kennzeichnend für die 800 Kilometer östlich von Moskau gelegene Republik. Ein großer Teil der Bevölkerung ist muslimisch. Es gibt über 70 verschiedene Volksgruppen, Tataren und Russen sind die zwei bedeutendsten. Moscheen direkt neben orthodoxen Kathedralen sind hier eine Selbstverständlichkeit. Toleranz heißt, zumindest offiziell, das allgemeine Gebot. Dem Ausbau des Autobahnnetzes blicken die Menschen eher hoffnungsvoll entgegen. “Die Straße ist weitgehend in Ordnung, aber es gibt sehr schlechte Abschnitte”, sagt ein LKW-Fahrer. “Wenn unsere Straßen besser sind, können wir vielleicht bis nach China fahren.” Einige Streckenabschnitte wurden bereits verbreitert, unter anderem die Brücke über den Fluss Kama. Andernorts werden völlig neue Straßen aus der Erde gestampft. Seit dem Mittelalter existiert die Verkehrsader vom Baltikum über die Wolgaregion bis nach Zentralasien. Um sie an den modernen Verkehrsstandard anzupassen, sind gewaltige Investitionen und internationale Partner gefragt. Für den Straßenbau auf der russischen Seite des Korridors ist die Firma Avtostrada verantwortlich. “Unser Autobahnabschnitt beginnt an der Brücke über den Kama, den größten Fluss Russlands. Hinter uns befindet sich ein Autobahnkreuz. Der Korridor beginnt in Russland, durchkreuzt Kasachstan und China. Er verbindet drei Länder. Da wo die Straße verläuft, gibt es Bewegung und Leben. Das versteht sich von selbst”, erläutert der stellvertretende Generaldirektor von Avtostrada. Die russischen Investoren sind für den Bau beziehungsweise die Verbreiterung von 3000 Kilometern Straße verantwortlich. Die Gesamtlänge der Achse beträgt 10.000 Kilometer. Weitere Verbindungsstraßen mit dem lokalen Verkehrsnetz sind ebenfalls geplant. Die Arbeiten, zumindest auf russischer Seite, sollen bis 2015 abgeschlossen sein. So genau lässt sich das bei einem derartigen Großprojekt nicht voraussagen. Die Straße verspricht nicht nur neues Leben, sie weckt Hoffnung auf Besucher und einträchtige Handelsverbindungen. Die Anrainer spüren schon jetzt Verbesserungen. “Vorher musste ich über Naberezhnye Chelny fahren”, erklärt ein Autofahrer. “Die Entfernung ist dieselbe, aber die Straße ist überfüllt. Vorher brauchte ich 4 bis 5 Stunden, nun sind es nur noch 3 bis 4. Ich kann sogar ein Pause einlegen.” “Die Brücke hat uns das Leben vereinfacht”, schwärmt ein anderer. “Der Übergang über den Fluss war eine Qual. Eine zweite Spur ist bereits geplant. Hoffentlich kommt sie zur Olympiade der Universitäten 2013.” Veranstaltungsort für die Universitäts-Olympiade in vier Jahren ist Kasan, die aufstrebende Hauptstadt eines Landes, das übrigens auch über Erdölreserven verfügt. Straßen, Autos, Sport und Öl – so heißen die modernen Schätze entlang der neuen Seidenstraße.