Brigitte Grésy: Für EU-Frauenquote im Management

Brigitte Grésy: Für EU-Frauenquote im Management
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Die Gleichstellung von Mann und Frau ist immer noch ein vieldiskutiertes und recht heikles Thema. Für euronews hat Audrey Tilve mit der Generalinspekteurin für soziale Angelegenheiten in Frankreich, Brigitte Grésy, gesprochen, die beim Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen arbeitet.

EN: Frau Grésy, was meinen Sie, kann Spanien die Gleichberechtigung in den sechs Monaten seiner EU-Präsidentschaft voranbringen? Der Fortschritt ist auf dem Gebiet doch eine Schnecke?

Grésy: Jede Präsidentschaft ist nach einem halben Jahr vorbei. Aber man muss auch sehen, dass die rotierenden Amtsinhaber immer intensiver mit ihren Vorgängern und Nachfolgern zusammenarbeiten. Für die Spanier bedeutet das eine eingehende Kooperation mit Belgiern und Ungarn. Damit ist sichergestellt, dass die wichtigsten Anliegen der Spanier – Beschäftigung und Gewalt – unter den kommenden EU-Präsidentschaften nicht verpuffen.

EN: Die Zahlen jedenfalls sind nach wie vor frappierend: Mehr als 17 Prozent Lohngefälle zwischen Männern und Frauen, nur 11 Prozent weibliche Vorstände in europäischen Großunternehmen. Ist ein Gleichgewicht da um jeden Preis anzustreben und wenn ja, wie?

Brigitte Grésy: Es geht zum einen um gleiche Berufschancen im weitesten Sinn. Da will sich Spanien massiv für einen neuen Aufschwung einsetzen, der auch mehr Beschäftigung bedeutet. Man wird die Linie der Lissabon-Strategie fortsetzen. Sie läuft im Jahr 2010 aus, das Ziel “60 Prozent Beschäftigungsquote für Frauen” ist so gut wie erreicht. Für das laufende Jahrzehnt wird sich Spanien für eine neue Strategie für Wachstum und Beschäftigung 2010 bis 2020 stark machen. Der Motor ist der Wunsch nach einheitlichen Leitlinien für alle Mitgliedstaaten, deren Einhaltung an gemeinsamen Indikatoren gemessen wird.

Und dann gibt es noch das Problem der Führungskräfte. Hier müssen die Mitgliedstaaten meiner Meinung nach Rechtsvorschriften erlassen. In Spanien gibt es seit 2007 ein Gesetz, wonach bis in fünf Jahren 40 Prozent der Verwaltungsräte Frauen sein müssen. Norwegen hat das im Jahr 2003 vorgemacht. Frankreich ist der dritte Staat in der EU, in dem ein derartiger Gesetzesentwurf auf dem Tisch liegt. Da bildet sich also offenbar langsam ein Bewusstsein heraus. Aktiengesellschaften und Staats-Unternehmen können es auf Basis von Gesetzen allmählich zu weiblicheren Führungsgremien bringen.

EN: Gewalt gegen Frauen ist ein weiteres Thema, dessen sich Spanien angenommen hat. Ziel sind eine Beobachtungsstelle und eine einheitliche Telefonnummer, über die Opfer Unterstützung anfordern können. Sogar über ein europaweites Schutz-Mandat wird nachgedacht. Was kann das bringen?

Brigitte Grésy: Ich bin unbedingt dafür, dass die Staaten Europas zusammenarbeiten, damit nicht jeder für sich mühsam die gleichen Erfahrungen sammeln muss. Spanien hat ein umfassendes Gesetz zur Gewalt gegen Frauen. Sogar die berufliche Wiedereingliederung von Gewaltopfern ist geregelt. Solche Musterschüler können ganz Europa Schub geben.