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"Die Kubaner brauchen Solidarität"

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Der kubanische Blogger Yaoni Sánchez beobachtet die Vorgänge in seiner Heimat sehr genau. Euronews hat er eine Reihe von Fragen via Internet beantwortet:

“Die Lage in Kuba ist schwierig. Der Wirtschaft geht es schlecht; die Mehrheit der Kubaner verdient nicht genug, um ein normales Leben führen zu können und die Insel ist abhängig von Importen aus dem Ausland. Mehr als 70 Prozent unserer Konsumgüter kommen aus dem Ausland. Unser tägliches Leben ist von ständigem Mangel geprägt, es gibt lange Schlangen vor den Läden, und dazu kommen die Lethargie und die Frustration der meisten Kubaner. Viele von ihnen wollen auswandern, um ihre Probleme zu lösen. Vor allem junge Leute verlassen das Land, und jene, die bleiben, sind zunehmend desillusioniert. Grundnahrungsmittel werden weniger, gerade in den letzten Wochen, heute ist es schon schwierig, ein Glas Milch für die Kinder aufzutreiben.

Als Raúl Castro am 24. Februar 2008 die Macht übernahm, sorgte er für große Erwartungen in Kuba und im Ausland. Ich glaube, ausländische Medien hatten ihren Anteil an der Erschaffung dieser Illusion, denn einige Zeit lang ging die Hoffnung auf Veränderungen in Kuba um die Welt. Aber die Realität sieht ganz anders aus. Mit Raúl Castro gibt es kürzere politische Ansprachen, er ist wohl nicht der Typ, der immer wieder im Fernsehen und in der Presse auftaucht, um uns an seine Existenz zu erinnern, aber die Repressionen bleiben dieselben wie unter seinem Bruder Fidel Castro.

In den vergangenen Monaten ist mir sogar eine Zunahme dieser Repressionen aufgefallen. Immer mehr Menschen werden bestraft, weil sie anders denken. Wir haben das zu verschiedenen Anlässen wahrgenommen, bei Demonstrationen, bei Razzien gegen Oppositionelle, Unabhängoge und Blogger, bei Kundgebungen gegen die Regierung.

Wenn die Öffentlichkeit interveniert, sagt Raúl Castro, dass die EU und die USA unsere Souveränität respektieren müssten und sich nicht in Kubas innere Angelegenheiten einmischen dürften. Nicht-Einmischung bedeutet für ihn, dass es keine Aufrufe zur Meinungsfreiheit für kubanische Bürger mehr gibt, dass niemand eine anklagende Stimme erhebt, um Meinungs- und Versammlungsfreiheit oder größere wirtschaftliche Freiheiten einzufordern. Aber ich glaube, dass jeder Dialog auf Augenhöhe unmöglich wird, wenn man die Mehrheit der Bevölkerung ignoriert und nicht als Bedingung Freiheit für die Kubaner fordert.

Die große Herausforderung für Spanien als EU-Ratspräsident liegt nicht darin, die Haltung der 27 EU-Staaten gegenüber der kubanischen Regierung zu verändern. Vielmehr geht es darum, Solidarität mit den kubanischen Bürgern zu zeigen, klarzustellen, dass Kuba nicht mit seiner Regierung gleichzusetzen ist, dass Kuba weder eine Partei, noch eine Ideologie ist, sondern dass ganz normale Menschen es sind, die die Gesellschaft bilden. Diese Menschen brauchen Solidarität. Und die Welt muss für jene Meinungsfreiheit und die Rechte eintreten, die die Kubaner sich so sehr wünschen.”