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Niño Becerra: Finanzcrash kommt im Sommer

Niño Becerra: Finanzcrash kommt im Sommer
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Der Ökonom Santiago Niño Becerra malt ein düsteres Zukunftsszenario: Ihm zufolge steht in diesem Jahr ein großer Finanzcrash bevor. Für Euronews hat sich Constantino De Miguel genauer danach erkundigt.

euronews: Professor Becerra, Sie sagen in Ihrem Buch eine Crash für 2010 voraus. Wie ist das möglich, wo doch die Märkte im Aufwind sind und die wirtschaftlichen Prognosen besser werden?

Santiago Niño Becerra: Der Crash, den ich voraussage, ist der Abschluss eines Prozesses, der bereits vor der Krise begann, im September 2007, als der Subprime-Markt zusammenbrach, wegen der so genannte Immobilenkrise. Unser Wirtschaftsmodell ist erledigt. Wir haben in diesem Teufelskreis aus Kredit, Konsum und Schulden das Ende erreicht. Wenn die Kurse steigen, dann aufgrund reiner Spekulation, und weil das Geld, das in die Bankenrettung gepumpt worden ist, in die Aktienmärkte fließt. Ich denke, diese Blume wird nicht mehr länger als zwei Monate blühen.

EN: Wir lange haben wir dann noch bis zum Crash? In welchem Monat wird die Situation so katastrophal?

Santiago Niño Becerra: Ich denke, er kommt etwa zur Jahresmitte, zwischen Juni und August.

EN: Dann denken wir lieber nicht an Ferien…

Santiago Niño Becerra: Also ganz ehrlich, in diesem Sommer werden die Ferien kompliziert. Nicht nur wegen des Crashs, auch weil Kredite für Familien, mit denen sie ihre Ferien bezahlen, abstürzen, von Krediten für Betriebe ganz zu schweigen. Es wird sehr schwer sein, genügend Liquidität zu haben, um sich selbst kleine Dinge zu leisten. In Spanien, so zeigt eine Studie, haben 60 Prozent der Familien Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen. Das ist ein erschreckendes Ergebnis.

EN: Sie sagten, dies werde eine letzte Prüfung für Europa. Wenn wir die Krise nicht bewältigten, heiße es künftig: jeder gegen jeden. Ist die Situation wirklich so ernst?

Santiago Niño Becerra: Seit den Römischen Verträgen von 1957 hat Europa sich jahrelang im Kreis gedreht. Natürlich haben die Mitgliedstaaten Fortschritte gemacht, etwa beim Binnenmarkt, aber jetzt ist die Situation zu ernst: Es gibt einen Überschuss an Produktionskapazitäten, ein Überangebot an Arbeitskräften. Diese Probleme verlangen nach Lösungen. Ich denke, als die Dinge gut liefen, gelang es Europa nicht, sich zu einen, als es schlecht lief, gelang das ebenso wenig, und jetzt, da die Dinge sehr schlecht laufen, geht es für Europa um die letzte Prüfung. Es ist die allerletzte Möglichkeit. Entweder, Europa steht jetzt zusammen, oder es wird das niemals tun.