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"Montis Flitterwochen sind gezählt"

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Mailand, Turin, Rom, Palermo und Bari: In mehreren italienischen Städten haben Tausende Studenten gegen die neue “Regierung der Banker”, wie sie sie nennen, von Ministerpräsident Mario Monti protestiert. Als Demonstranten in Mailand Kurs auf die Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi nahmen – hier ist Monti Präsident – gerieten sie mit der Polizei aneinander.

Obst und Feuerwerkskörper flogen in Richtung der Polizisten. Die griffen zu ihren Schlagstöcken.

Auch in anderen Städten ging es gegen die Heimat-Universitäten neuer Regierungsmitglieder. In Turin hielt die Polizei Demonstranten davon ab, sich dem Regionalsitz der Zentralbank zu nähern.

Francesco Elia, Student in Rom:

“Wir denken, dass ein Ökonom als Regierungschef schlecht ist. Der kriegt doch die gegenwärtige Situation nicht in den Griff. Vor allem aber ist er nicht in der Lage wirklich zu verstehen, wo die Probleme liegen.”

Der frühere EU-Kommissar Monti war am Mittwoch als Regierungschef vereidigt worden, sein Kabinett besteht ausschließlich aus Experten, Politiker sind nicht vertreten.

In Rom protestierten auch Gewerkschafter gegen das Technokraten-Kabinett, das viele als verlängerten Arm der Europäischen Zentralbank verstehen.

Piero Bernocchi von der radikalen lokalen Arbeitergewerkschaft Cobas:

“Montis Programm ist extrem kapitalistisch und folgt weiter der katastrophalen Vorstellung, dass die Schwächsten für diese Krise aufkommen sollen.”

Im Moment seien viele noch euphorisch, weil die Ära Berlusconi vorüber sei. Montis Flitterwochen seien aber gezählt.

So mancher kühlte schon tagsüber ab – Streik im Nahverkehr in mehreren Städten. Das hieß für Tausende: Warten in langen Schlangen bei Temperaturen um die 10 Grad.

mit Reuters, afp, Huffington Post