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Monti-Montag soll Italien retten - drohen griechische Zustände?

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Monti-Montag soll Italien retten - drohen griechische Zustände?

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Am kommenden Montag wird Italiens neuer Regierungschef Mario Monti sein geplantes Sparpaket für das in Schieflage geratene Euroland vorstellen. Und nicht nur er erwartet, dass das Parlament den Plänen des Wirtschaftsprofessors zustimmt. Die drei Säulen des ganzen heißen laut Monti: Rigoroser Haushalt, Wachstum und soziale Fairneß. Mit diesem Dreiklang will er die Wirtschaft des Landes wieder in Schwung bringen und die Schulden reduzieren.

Diese belaufen sich aktuell auf 120,5 Prozent des italienischen Bruttoinlandsproduktes, und das, während für das kommende Jahr ein Abschwung erwartet wird und die Arbeitslosigkeit im Oktober bei 8,5 Prozent lag.

Während das Monti-Kabinett mit dem Sparpaket die Finanzmärkte beruhigen will, zeigten sich die Gewerkschaften im Land nervös. Sie befürchten harte soziale Einschnitte.

Interview zum Thema mit dem Wirtschaftsexperten Armando Branchini.

euronews: Professor Armando Branchini, Sie gehören zum Beraterkreis um Italiens Regierungschef Mario Monti. Der will am Montag ein Maßnahmenpaket vorstellen, mit dem die Finanzen des Landes innerhalb der nächsten sechs Monate saniert werden sollen. In Brüssel hat Monti klargemacht, dass die Lage in Italien angespannt ist und man jetzt schnell handeln müsse. Glauben Sie, Italien wird es nun aus der Krise schaffen?

Armando Branchini: Ich bin mir ganz sicher, dass Italien das schafft. Das Land kann schon bald einen ausgeglichenen Haushalt erreichen und das Defizit reduzieren. Dieser dritte Anlauf jetzt ist notwendig, besonders, da die ersten beiden im Sommer teils zu spät waren und daneben gingen. Ex-Ministerpräsident Berlusconi sagte noch im Mai, dass Italien in einem besseren Zustand sei als der Rest Europas und keine Korrekturmaßnahmen bräuchte.

euronews: Die Berlusconi-Regierung hat das enorme Ausmaß der italienischen Krise erst zu spät erkannt. Alle sagen jetzt, es sei die Schuld der Berlusconi-Regierung, dass sich die Krise ausgebreitet hat und es den Märkten schlecht geht. Aber Monti befindet sich doch jetzt genau am selben Punkt.

Armando Branchini: Wenn eine reife Frucht anfängt zu faulen, dann ist es schwer, diesen Prozess in kurzer Zeit aufzuhalten. Ich glaube, wir müssen uns über die Art der Intervention klarwerden, sowohl, was das Sparpaket angeht als auch, wie wir die Wirtschaft wieder in Gang bringen. Das machen wir kommenden Montag. Aber Voraussetzung muss sein, dass die Opfer gleichmäßig verteilt sind. Die Pläne werden zahlreiche Opfer von den Italienern verlangen, das ist sicher. Aber in den vergangenen Jahren hat Italien ohne Zweifel eben auch recht unverantwortlich gehaushaltet.

euronews: Italienische Gewerkschaften sprechen von hohen Spannungen. Kann es in Italien zu griechischen Zuständen kommen?

Armando Branchini: Das denke ich nicht. Ich glaube, der Plan, den Monti am Montag vorstellt, wird Strenge und Wachstum kombinieren, aber er wird auch fair sein. Die Gewerkschaften sollten also beruhigt sein, und gleichzeitig könnten sie sich auf das berühmte Abkommen von 1992 zwischen den sozialen Kräften besinnen, das die Stabilität der finanziellen Situation damals in Italien sicherstellte. Die Lage war zu der Zeit schwieriger als heute und das Abkommen erlaubte es der Wirtschaft, sich zu erholen.

euronews: Gestern brachten die wichtigsten Zentralbanken der Welt etwas Liquidität ins globale Finanzsystem. Ist das genug, um den Wirtschaftsmotor wieder anzuwerfen?

Armando Branchini: Es wird wahrscheinlich nicht genug sein, aber es war sicher eine gute Entscheidung. Wir befinden uns in einer Lage von Kreditbeschränkungen und ich denke, dass diese koordinierte Intervention der wichtigsten Zentralbanken ein kluger Schritt war. Ich denke auch, dass einzelne Zentralbanken in bezug auf die Reduzierung ihrer Zinssätze ähnlich vorgehen sollten.