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Neue Impulse für Marokko

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Neue Impulse für Marokko

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Das Internationale Filmfestival von Marrakesh ist das bedeutenste seiner Art in Marokko. Seit ihrer Premiere vor elf Jahren haben sich die Festspiele auch zu einer internationalen Größe gemausert. Genau wie die Filmindustrie Marokkos, die sich mittlerweile auch in ihrer Heimat wachsender Unterstützung erfreut.

Eine neue, zunehmend im Ausland ausgebildete Generation von Filmschaffenden kehrt nach Marokko zurück, um der Welt ein Bild des Landes jenseits einer bekannten Postkartenidylle zu zeigen. Zu ihren Themen gehören auch die politisch unbequement Seiten einer Gesellschaft – Drogen, der Umgang mit Homosexualität und häusliche Gewalt.

“Andalousie, mon amour” läuft ausserhalb des Wettbewerbs. Der Film erzählt von zwei marokkanischen Studenten, die ihre Zukunft jenseits des Mittelmeers, in Europa sehen. Filmregisseur Mohamed Nadif stand in seinem Film auch selbst vor der Kamera. Er hat den Spagat zwischen dies- und jenseits des Mittelmeers gemeistert, er lebt in Paris uns Casablanca:

“Als Marokkaner im Ausland zu leben ermöglicht uns eine gewisse Distanz. Man tritt zurück und kann die Entwicklungen im eigenen Land im Vergleich zu jenen andernorts besser beurteilen. Somit bekommen wir ein Gefühl für den Wandel.”

Trotz seiner aufstrebenden Filmindustrie zeigt Marrakesh nur eine einzige einheimische Produktion innerhalb des Wettbewerbs: “L`Amante du Rif” stellt ein 20jähriges Mädchen vor, dass sich unglücklich in einen Drogenbaron verliebt. Auch Regisseurin Narjiss Nejjar studierte in Europa, in Paris:

“Viele unserer marokkanischen Filme sind geradezu umstürzlerisch und reden dem traditionellen Marokko nicht nach dem Mund. Im Gegenteil. Die Filmproduktion wird unterstützt und nicht im mindesten zensiert. Es gibt also ein großes Interesse an der Erzählung. Diese Freiheit entwickelt sich gerade, wächst Stück für Stück.”

Zwar nicht im Programm des Festivals vertreten, und doch als wichtiger Vertreter seiner Zunft nach Marrakesh gereist, ist der Marokkaner Noureddin Lachmari. Sein Film “Casanegra” sorgte bei seiner Premiere in Jahr 2009 für jede Menge Gesprächsstoff. Im Film geht es um zwei junge Männer und ihren Kampf gegen Arbeitslosigkeit in einer zunehmend kapitalistischen, globalisierten Gesellschaft. Lachmari kam nach zwei Jahrzehnten in Oslo zurück in seine Heimat. Seither fordert er absolute künstlerische Freiheit – zuweilen sehr zum Missfallen der konservativen Kräfte im Land:

“Wir produzieren unsere Filme sicher nicht um ausschließlich den Koproduzenten in Frankreich oder dem Nahen Osten zu gefallen. Wir produzieren für uns. Wer sich heute als Künstler versteht, muss auch dazu stehen. Unsere Ansichten sind doch nicht verhandelbar.”

Manche von Ihnen verbrachten mehr als 20 Jahre im Ausland. Die Außenansicht ihrer Heimat hat sie künstlerisch bereichert. Eine neue Generation von Filmschaffenden kehrt nach Marokko zurück, um diesen Reichtum mit den Menschen in ihrer Heimat zu teilen.

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