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Eva Joly, die unfranzösische Alternative

Eva Joly, die unfranzösische Alternative
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Am 22. April und 6. Mai wählen die Franzosen ihren Präsidenten. Wer in den Elysée-Palast einziehen wird, dürfte sich erst im zweiten Wahlgang entscheiden. Dorthin, wo einst General de Gaulle oder George Pompidou regierten, strebt auch Eva Joly, die Kandidatin der Umweltpartei. Geboren in Norwegen, ist sie später in Frankreich bis in eines der höchsten Ämter der Rechtspflege aufgestiegen, wurde gefürchtet als Untersuchungsrichterin in den großen Korruptionsprozessen der 90er Jahre. Mit ihrer rigurosen Rechtschaffenheit versucht sie Wähler zu überzeugen. Audrey Tilve stellt die für Frankreich ungewöhnliche Frau vor.

Eíner findet sie mutig, der Marktfrau ist sie auf keinen Fall unsympathisch. Der Kunde aber meint, eine gute Präsidentin könne sie nicht werden, weil sie mal gerade seit 3 Jahren in diesem politischen Geschäft ist und die Leute bei ihrem Anblick lange Zähne bekommen.

Eva Joly sagt über die langen Wahlkampftage:
“Den ganzen Tag über beobachtet zu werden, das ist schwer. Zeitweilig habe ich schlechte Laune und werde bissig. Aber nicht zu sehr.”

Eva Joly, 68 Jahre alt. Seit 2009 sitzt sie für die Grünen im Europaparlament. Im Gedächtnis der Franzosen bleibt sie aber die Anti-Korrupitions-Untersuchungsrichterin, die in der Elf-Affäre auch vor den Mächtigen nicht einknickte.
Wir sind in Roubaix, in einer der ärmsten Städte Frankreichs. Roubaix steht für De-Industrialisierung, für Abbau von Arbeitsplätzen.
Sie geht in ein Bistrot, dessen Besitzer ankämpft gegen die Verwahrlosung der Umgebung. Ihre Botschaft: Würde man die Wirtschaft umweltverträglicher ausrichten, könnte man damit eine Million Arbeitsplätze schaffen.

Eva Joly sagt: “ Die Krise führt dazu, dass Ökologie als etwas zu Vernachlässigendes angesehen wird. Meine Arbeit, meine Pädagogik besteht darin, zu erklären, dass sie eine Lösung ist in der Krise. Eine Lösung für Arbeitsplatzprobleme, für Kaufkraft und Gesundheit.”

In den Umfragen kommt diese Frau mit der Außenseiterposition kaum über drei Prozent.
Ihre rigorose Art kommt in Frankreich nicht so gut an. Zumal auch die Medien diese “unfranzösische Korrektheit” immer wieder hervorheben. Diese Frau macht so unerhörte Vorschläge, wie Abschaffung der alljährlichen Militärparade zum Nationalfeiertag. Dabei lieben die Franzosen die royale Prachtentfaltung. Ihr Wahlkampfleiter sagt:“Sie hat ihren eigenen Stil, der nicht unbedingt dem hier Üblichen entspricht. Das überrascht zuweilen, wenn man die klassische Rede erwartet. Aber genau das unterscheidet sie.”

Wieder O-Ton Joly: “Wenn man für 5 Jahre Präsident ist, trägt man Verantwortung. Er hat Schulen geschlossen, Gerichte, Krankenhäuser. Er trägt die Verantwortung für den Geschenke, die er seinen Freunde gemacht hat, den Reichen.”
So urteilt sie über den um die Wiederwahl kämpfenden Präsidenten Nicolas Sarkozy. Gleichzeitig kämpft sie gegen Atomkraft. Sie will einen Atomausstieg für Frankreich innerhalb von 20 Jahren. Dazu sagt sie : “ Es hat drei schwere Unfälle innerhalb von 30 Jahren gegeben, die uns ein Risiko zeigen, das wir nicht länger tragen wollen.”

Eine Falle, der Eva Joly nicht ausweichen kann, ist der Pakt ihrer Partei mit den Sozialisten. Diese Art Allianz kann dazu führen, dass einige ihrer Anhänger schon im ersten Wahlgang statt für sie für den Kandidaten der Sozialisten stimmen.
Man nennt das “nützliche Stimmabgabe”, um der extremen Rechten den Einzug in die Stichwahl zu versperren.

Der Regionalpolitiker sieht sich bei den Zielen der PS nahe. Bei den Methoden ist ihm aber die PS der Sarkozy-Partei zu ähnlich.
Für die junge Mutter ist es schwer, sich zwischen der “nützlichen Stimmabgabe” und ihrem Herzen zu entscheiden.
Die Umweltkandidatin hat sich noch nicht entschieden, wie sie sich gegenüber dem Kandidaten links von den Sozialisten verhalten will.
Sie ist klar für Europa, aber gegen die aktuellen Spardiktate. Eva Joly wörtlich: “Ich bin klar gegen eine ultra-liberale Dominanz, wie sie heute in den EU-Ländern vorherrscht, die uns in eine Sackgasse geführt hat.”