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Mit 190 in die Todeskurve - Erster Hochgeschwindigkeitszug Spaniens entgleist

Mit 190 in die Todeskurve - Erster Hochgeschwindigkeitszug Spaniens entgleist
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Bei einem schweren Zugunglück im Nordwesten Spaniens sind mindestens 78 Menschen ums Leben gekommen, etwa 140 wurden verletzt, davon befinden sich 20 in Lebensgefahr. Die ganze Nacht arbeiteten die Rettungskräfte am Wrack.

Am Mittwochabend um 20 Uhr 41 war der mit 247 Menschen besetzte Hochgeschwindigkeitszug etwa drei Kilometer vor der Einfahrt in den Bahnhof des Wallfahrtsorts Santiago de Compostela aus den Schienen gesprungen und entgleist. Er war von Madrid zur galizischen Küstenstadt El Ferrol unterwegs.

Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Mauer und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Der Speisewagen wurde regelrecht zerrissen, die Lokomotive fing Feuer.

Die Ermittler gehen von einem Unglück aus. An dieser Stelle sind 80 Kilometer pro Stunde erlaubt, die Geschwindigkeit des Zuges soll 190 Kilometer pro Stunde betragen haben. Dies sagte der unter Schock stehende Lokführer, der das Unglück überlebete, den Bergungsmannschaften.

Die spanische Eisenbahngesellschaft Renfe warnte allerdings vor vorschnellen Schlussfolgerungen und versprach, die Unfallursache gründlich zu untersuchen. Erst nach Auswertung der Fahrtenschreiber werde man sich äußern.

An der Unfallstelle endet eine 80 Kilometer lange, schnurgerade Neubaustrecke für Hochgeschwindigkeitszüge und geht in das traditionelle Schienennetz über. Der Hochgeschwindigkeitszug muss an dieser Stelle scharf abbremsen und seine Reisegeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde in relativ kurzer Zeit auf 80 verringern.

Es ist das erste Unglück mit Todesopfern im spanischen Hochgeschwindigkeitszugnetz, und das zweit-schwerste Zugunglück in der Geschichte der spanischen Eisenbahn. 1944 waren beim Eisenbahnunfall von Torre del Bierzo vermutlich zwischen 200 und 250 Menschen getötet worden. Die strikte Pressezensur des Franco-Regimes unterdrückte das wahre Ausmaß der Katastrophe. Offiziell wurden immer nur 78 Tote genannt.

Mit über 2600 Kilometern Länge besitzt Spanien nach China das zweitlängste Hochgeschwindigkeitszugnetz der Welt. Bei dem entgleisten Zug handelt es sich um einen Zug der Baureihe Alvia 730, der von einem Konsortium aus dem spanischen Zughersteller TALGO und der kanadischen Firma Bombardier hergestellt wird.

Alle Veranstaltungen zum heutigen Galizientag wurden abgesagt. Auch das feierliche Hochamt in der Kathedrale von Santiago de Compostela findet nicht statt. Der Schrein des Apostels Jakobus, der in Galizien als Nationalheiliger verehrt wird, ist alljährlich Anziehungspunkt für Pilger aus aller Welt; insbesondere am 25. Juli, dem Fest des Apostels Jakobus.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy, der in Santiago geboren wurde, machte sich am Vormittag zusammen mit dem galizischen Ministerpräsidenten Alberto Núñez und Infrastrukturministerin Ana Pastor ein Bild von der Lage.

König Juan Carlos und der Prinz von Asturien sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus. Beide sagten für den Donnerstag alle Termine ab.

Papst Franziskus zeigte sich betroffen über das Bahnunglück. Der Papst sei über den Unfall informiert worden und im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer.

Weiterführender Link

Informationseite der Bahngesellschaft RENFE zum Unglück (spanisch)

  • © Óscar Corral

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