Eilmeldung

Eilmeldung

Chinesen studieren Volkswirtschaftslehre – Kapitel Börsencrash

Sie lesen gerade:

Chinesen studieren Volkswirtschaftslehre – Kapitel Börsencrash

Chinesen studieren Volkswirtschaftslehre – Kapitel Börsencrash
Schriftgrösse Aa Aa

Für Erleichterung sorgte an den Finanzmärkten die anhaltende Erholung an der chinesischen Börse. Dort legte der Shanghai Composite um 4,5 Prozent auf 3878 Punkte zu – er stieg damit den zweiten Tag in Folge.

Die Regierung hatte in den vergangenen Tagen zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um einem Crash entgegenzuwirken.

Zuerst wurden 29 geplante Aktien-Emissionen storniert. Dann wurde allen Staatsunternehmen verboten, Aktien ihrer Gesellschaften zu verkaufen. Sie dürfen nur noch kaufen. Wer mehr als fünf Prozent der Aktien eines Unternehmens hält, darf sie sechs Monate lang nicht veräußern. Die staatlichen Mehrheitsgesellschafter der Geschäftsbanken verpflichteten sich, ihre Anteile zu halten, damit die Börsenkrise nicht zur Bankenkrise wird. Immer noch ist fast die Hälfte der in China gelisteten Aktien auf Geheiß von Peking vom Handel ausgesetzt.

“Chinesische Anleger folgen dem Herdentrieb – erst panisch nach unten und jetzt geht es andersherum”, sagte ein asiatischer Hedgefondsmanager. In China sind hauptsächlich Kleinanleger aktiv. Häufig haben sie auf Pump gekauft.

Hinter dem von Partei, Regierung und Zentralbank angefachten Boom an den Aktienmärkten vermuten Experten vom Berliner China-Forschungsinstitut Merics politisches Kalkül: Mit dem Börsenboom sollte die Wirtschaft angeheizt werden, Unternehmen entschuldet und die gesellschaftliche Nachfrage durch reich gewordene Mittelständler stimuliert werden. Die Zentralbank senkte mehrfach ihre Zinsen, damit die Bevölkerung ihre Ersparnisse lieber in Aktien anlegt als auf Sparkonten. Die Politik ermunterte Kleinanleger, und die Börsenaufsicht förderte die Gründung zahlloser Wertpapiergesellschaften. Jeder Kleinanleger konnte sich Börsenzugang über seinen PC verschaffen und dabei großzügig sein Eigenkapital mit Krediten aufstocken.

Auf das vorläufige Ende der Talfahrt blicken Börsianer eher skeptisch. “Die Kurse sind wegen der drastischen Maßnahmen der Regierung oben, deswegen geht der Markt noch nicht voll auf Risiko”, sagte Devisenstratege Shinichiro Kadota von Barclays in Tokio.

“Von einem funktionierenden Kapitalmarkt, auf dem sich die Preise im Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage bilden, kann keine Rede mehr sein”, so Analysten der Commerzbank. “Das Vertrauen in das reibungslose Funktionieren der Börse ist erst einmal tief erschüttert.”

su mit dpa, Reuters