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Nach Genua: Qualität von Europas Brücken auf dem Prüfstand

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Nach Genua: Qualität von Europas Brücken auf dem Prüfstand

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Veraltet und zerbrechlich - Europas Infrastruktur. Seit der Katastrophe von Genua im August ist der Zustand wichtiger Brücken auch anderswo auf dem Prüfstand.

Ein Beispiel aus Deutschland ist die Rheinbrücke bei Leverkusen. Seit drei Jahren ist sie für schwere Lastwagen gesperrt - aus Sicherheitsgründen.

Die Stahlstruktur wies Hunderte von Rissen auf. Gebaut 1965, musste sie im Laufe eines halben Jahrhunderts einen steigenden Verkehr aushalten, für die sie eigentlich nicht gedacht war.

"Die Schließung der Brüke für LKW war ein Weckruf für die Politiker", sagt Marcus Hover, Direkor des Verbands Verkehrswirtschaft und Logistik.

"Seitdem hat ein Umdenken eingesetzt, dass wir mehr Geld brauchen, um Brücken zu reparieren oder ganz neu zu bauen. Doch das braucht seine Zeit und führt zu größerem Verkehrsaufkommen."

Die Wiedereröffnung der Brücke ist für 2020 geplant. Für LKW-Fahrer geht dann eine stressige Zeit mit gewaltigen Umwegen und Staus zu Ende.

Viele europäische Brücken aus den 60er und 70er Jahren zeigen heute Zeichen von Altersschwäche - Stabilitäts- und Sicherheitsprobleme.

Das liegt zum Teil an einer ungenügenden Wartung, zum Teil am massiven Verkehrsanstieg vor allem seit Beginn der 90er Jahre, der zu einer Überlastung der Strukturen geführt hat.

Zurückzuführen ist dies auf die in den Jahren des Nachkriegsbooms verwendeten Techniken, die heute veraltet sind, wie Guido De Roeck, Ingenieur an der Universität Löwen, erklärt.

"Damals wurde in allen Staaten Europas viel gebaut. Leider entsprach die Qualitätskontrolle nicht heutigen Standards. Es ist also möglich, dass damals minderwertiger Zement benutzt wurde

Hilfe zur Überwachung der Stabilität von Infrastruktur kommt aus dem Weltraum: Der Satellit Leonardo ist dank Sensoren auf den Brücken in der Lage, Mikro-Bewegungen sofort zu erkennen.

"Im Idealfall installieren wir Sensoren im Innern von Neubauten. Für alle bestehenden Brücken ist es dazu natürlich zu spät, aber wir können immerhin noch die Entwicklung verfolgen", sagt De Roeck.

Einen Monat nach dem Zusammenbruch der Brücke von Genua scheint auch der Rest Europas aufgewacht zu sein.

Für die Opfer kommt dies indes zu spät.