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Migranten verändern Lampedusa

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Migranten verändern Lampedusa

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Das eine wie auch das andere wird als das "Tor Europas" bezeichnet. Sowohl der Hafen in Lampedusa, der Insel im Süden Italiens, als auch das Denkmal, das an die Opfer der Überfahrt erinnert.

Vergessen kann man es nicht.Fünf Jahre ist es her, dass, nur wenige Meter vom Ufer entfernt, ein Boot kenterte und 386 Menschen ums Leben kamen. Die Bilder von den Hunderten, in der Halle eines Flughafens aufgereihten Särgen haben sich ins Gedächtnis eingebrannt.

Grazia Migliosini hat die Tragödie draußen auf dem Meer miterlebt: "Die Tragödie vom dritten Oktober wird für immer zu den schlimmsten im Mittelmeer zählen. Wir retteten drei und mussten drei andere dem Tod preisgeben.Wir werden jene Nacht nie vergessen, als die Kinder - es waren alles Kinder - vor unseren Augen ertranken."

Seit Jahren ist Lampedusa Zeuge davon, wie Hunderttausende, auf der Suche nach einem besseren Leben in Europa, das Mittelmeer überqueren. 2.500 Menschen haben seit Beginn des Jahres die Insel erreicht. Eine Gruppe aus Eritrea traf vor zwei Wochen ein. Die Menschen glauben, dass sie nicht lange bleiben werden: Filemo meint: "Lampedusa ist gut. Doch wir müssen jederzeit in ein anderes Land gelangen."

Für Kriegs- und Armutsflüchtlinge ist Lampedusa kein Ziel. Es ist nur ein Übergangsort. Doch für die Menschen, die hier leben, hat die Einwanderung Folgen, auch für ihr Wahlverhalten.

Emanuele Billardo nahm uns auf eine Rundfahrt mit, um uns zu zeigen, wie der Zustrom von Menschen aus Nahost und Afrika die Insel verändert hat. Unser erster Halt gilt einem Migrationszentrum, einem Auffanglager, das mit europäischen Geldern errichtet wurde. "Es geht ums Geld, um viel Geld ", sagt Emanuele. Und antwortet auf die Frage, von welchem Geld er denn spreche: "Das der Regierung. Europa gibt der Regierung Geld, die es selbst hier zu ihren Zwecken zu nutzen weiß."

Enttäuscht hat sich Emanuele von den traditionellen Parteien abgewandt, die seiner Meinung nach weder für ihn noch für die Migranten etwas tun: "Ich habe für die Lega gestimmt, weil Salvini sagt, dass wir sie zurückschicken müssen. Die anderen Politiker lassen die Migranten kommen, sie landen hier in Italien und finden keine Jobs, gar nichts. Jenen, die aus Afrika kommen, muss freilich geholfen werden, das ist okay. Doch wir müssen sie mit Papieren ausstatten, denn sie haben gar nichts. Ich hoffe, dass die Lega etwas tut. Ich denke, dass sie etwas tun wird."

Hier auf Lampedusa erhielt Matteo Salvinis Lega 15 Prozent der Stimmen. Angela Maraventano, Senatorin der Lega aus Lampedusa, meint, der offene Umgang der Lega mit Themen wie Migration habe die Menschen überzeugt: "Es bringt doch nichts zu sagen, diese Menschen seien willkommen, wenn wir sie danach wie Sklaven behandeln. Ich habe keine Hemmungen, das zu sagen. Jene, die diese Menschen empfangen, leisten Erste Hilfe. Ernste Projekte gibt es für die armen Menschen aber nicht. Es ist besser, wenn sie daran gehindert werden, Afrika zu verlassen. Sobald sie hier ankommen, werden sie zu Sklaven, sie handeln mit Drogen, verrichten kleine Arbeiten. Ich spreche für Italien, doch ich denke auch an Frankreich. Im vergangenen Jahr konnten wir ihnen noch Jobs anbieten, inzwischen behandeln wir sie schrecklich. Uns fehlen die Mittel, um all diesen armen Menschen wirklich zu helfen. Es ist besser, wenn sie in Würde in ihren Ländern leben."

Es ist jedoch die Suche nach einem solchen Leben in Würde, das die Menschen veranlasst, das Mittelmeer zu überqueren. Doch sowohl jene, die hier die Regierung vertreten, als auch diejenigen, die sie gewählt haben, sagen, sie könnten nichts anbieten. Das einzige Tor Europas, das zur Zeit offen bleibt, ist das des Denkmals.