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Spitzenkandidat Jan Zahradil vor EU-Wahl: "Ich bin Nationalist, ich bin Patriot"

Spitzenkandidat Jan Zahradil vor EU-Wahl: "Ich bin Nationalist, ich bin Patriot"
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Am Montag hat uns der liberale Spitzenkandidat Guy Verhofstadt Rede und Antwort gestanden - am Dienstag hat euronews in "Raw Questions" den Tschechen Jan Zahradil interviewt. Er ist für die Europawahl Spitzenkandidat der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer.

Ich bin Nationalist, ich bin Patriot.
Jan Zahradil
Spitzenkandidat EKR

"Ich bin ein Nationalist, ich bin ein Patriot", sagte er zum Thema Nationalismus. "Nationalismus ist eine Antwort auf Globalisierung." In der EU solle mit moralischen und sozialen Fragen "sensibel" umgegangen werden, so Zahradil. "Einige Länder sind liberaler als andere, andere sind konservativer. Wir sollten sie nicht alle in einen Topf werfen."

Zahradil bezeichnet sich selbst nicht als Europaskeptiker, sondern als "Europarealist": "Ein Euroskeptiker ist jemand, der die Idee der europäischen Einigung ablehnt. Ein Eurorealist will Europa verändern."

Zum Thema Brexit sagte er: "Es war ein Fehler, dass die EU einem der stärksten und erfolgreichsten Mitgliedsstaaten erlaubt hat zu gehen. Wenn man David Cameron bei den ersten Verhandlungen etwas angeboten hätte, das er zu Hause als Erfolg hätte verkaufen können, wäre das Referendum vielleicht anders ausgegangen."

Der Tscheche ist gegen die Einführung eines europaweiten Mindestlohns. Dies würde die Position wirtschaftlicher schwächerer Länder verschlechtern.

Zum Thema Migration: "Jeder, der nach Europa kommt und Asyl bekommen möchte, muss sich an die Regeln halten und die Gesetze respektieren."

Gibt es Parteien, mit denen er nicht zusammenarbeiten würde? "Wir würden nicht mit Marine Le Pen zusammenarbeiten. Sie ist sehr protektionistisch und gegen Freihandel. Außerdem komme ich aus Osteuropa. Ich bin skeptisch, was ihre Beziehung zu Russland angeht." Zudem sei ihr Verhältnis zu Matteo Salvini "ein großes Fragezeichen".

Zum Euro: "Jeder Staat, der den Euro einführen möchte, sollte dazu die Möglichkeit haben und jeder Staat, der dies nicht möchte, ebenso."

Zur europäischen Einigung: "Ich glaube nicht an eine EU, die einem Staat gleicht. Ich glaube an eine EU als ein freies Konglomerat von Staaten, die zusammenarbeiten."

"Persönlich bin ich ziemlich liberal. Ich habe für eingetragene Partnerschaften gestimmt."

Zu LGBT-Rechten: "Persönlich bin ich ziemlich liberal. Ich habe für eingetragene Partnerschaften gestimmt." Er sei jedoch gegen eine europaweite Regelung für die Einführung der Homo-Ehe. "Die Haltung der Länder dazu kann sehr verschieden sein", so Zahradil. "Einige Teile der Gesellschaft könnten dies als direkten Angriff auf ihre traditionellen Werte verstehen. Also würde ich jedem Land selbst überlassen, wie es mit diesem moralisch und sozial sehr sensiblen Thema umgeht."

Zum Klimawandel: "Ich bin kein Klimaskeptiker. Ich würde bei unseren aktuellen Vereinbarungen bleiben." Er sieht das EU-Ziel von der Schaffung einer kohlenstofffreien Wirtschaft bis 2050 aber skeptisch. "Das hört sich gut an, ist aber ziemlich unrealistisch."

"Ich bestreite nicht, dass CO2 und andere menschengemachte Treibhausgase den Klimawandel verursachen. Ich sage nur, dass es auch andere schwächere Faktoren gibt, die einen Einfluss darauf haben."

Sie können das englischsprachige Interview über unseren You-Tube-Kanal verfolgen:

Zahradil plädiert unter anderem dafür, dass die EU vor allem dafür sorgen solle, Europas Position in der Welt zu stärken und nicht nationale Regierungen ersetzen soll. "Wir brauchen nicht für jedes Problem eine gemeinsame europäische Lösung", so der Spitzenkandidat.

Wer sind die euroskeptischen Europäischen Konservativen und Reformer (EKR)?

Wer ist Jan Zahradil?

Zahradil wurde 1963 in Prag geboren. Er ist seit 1992 in der Politik. 1993, im Gründungsjahr der Tschechischen Republik, wurde er Berater für Außenpolitik für den damaligen Regierungschef. In den späten 90er-Jahren war er Co-Vorsitzender des parlamentarischen Komitees, das den EU-Beitritt des Landes regelte. 2004, im Jahr des Beitritts, wurde er ins Europaparlament gewählt. Von 2009 bis 2014 war er Vorsitzender der EKR. Die Gruppe ist heute die drittgrößte Fraktion im Parlament.

Sehen Sie hier ein Teil des Interviews mit Verhofstadt:

Und das komplette Interview mit der Grünen-Spitzenkandidatin Ska Keller:

Hier "Raw Questions" mit dem Sozialdemokraten Frans Timmermanns:

European Elections 2019: Live interview with Frans Timmermans

#RawPolitics | Euronews quizzed Dutch politician Frans Timmermans today as he makes his pitch for the EU's top job. You can watch here the full interview.

Publiée par Euronews English sur Vendredi 26 avril 2019

Und das Interview mit der Linken-Spitzenkandidatin Violeta Tomic:

Der oder die EU-Kommissionspräsidentin wird nicht über das Wählervotum direkt bestimmt. Die meisten großen Fraktionen des Europäischen Parlaments nominieren ihreN bevorzugten KandidatIn für das Amt. Nach der Wahl ernennen die EU-Staats- und RegierungschefInnen dann einen dieser KandidatInnen, in Berücksichtigung der Wahlergebnisse. Anschließend muss das neue Parlament diesen Vorschlag ratifizieren.

Die Sendungen werden in Zusammenarbeit mit Facebook im Europäischen Parlament in Brüssel durchgeführt.