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Stefanie Brändly (29) fordert Kinderbetreuung und Vaterschaftsurlaub

Stefanie Brändly (29) fordert Kinderbetreuung und Vaterschaftsurlaub
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Warum gehen die Frauen in der Schweiz auf die Straße? Wir haben mit Stefanie Brändly gesprochen, die an der Universität Lausanne ihre Dissertation in Übersetzungswissenschaften schreibt.

Auf die Frage, worum es beim Frauenstreik vor allem geht, sagt Stefanie Brändly: "Als Hauptanliegen sehe ich einfach, dass sich die Schweizer Gesellschaft ändern muss in Bezug auf den Platz der Frau, die Stellung der Frau in der Gesellschaft und dass wir es einfach satt haben, dass wir immer noch - nicht wirklich, aber manchmal schon fast - als zweitrangig eingeschätzt werden. All die Arbeit, die wir zu Hause erledigen, bei den Kindern, bei älteren Leuten, die Pflegearbeit, die erledigen wir einfach umsonst, die wird auch nicht anerkannt."

Die Doktorandin verweist auch darauf, dass viele Frauen nur Teilzeit arbeiten können, weil es keine Kinderbetreuung gibt oder weil diese zu teuer ist. Das wirkt sich natürlich auch darauf aus, dass diese Frauen dann nur wenig Rente bekommen.

"Wir sind keine Einzelfälle, sondern haben alle Mühe"

"Ich glaube, es geht einfach darum zu sagen, wir sind nicht alle Einzelfälle. Das Gefühl hatten wir ja lange, dass wir uns gesagt haben, vielleicht organisiere ich mich nicht gut genug, vielleicht machen es die anderen besser. Das hat diese Bewegung klar zu Tage gebracht: Wir sind keine Einzelfälle, wir haben alle Mühe damit, alles unter ein Dach zu bekommen."

In der Schweiz gibt es keinen staatlich finanzierten Vaterschaftsurlaub - gar keinen

Besonders ärgert sich Stefanie Brändly darüber, dass es gar keinen staatlich finanzierten Vaterschaftsurlaub in der Schweiz gibt, weil die Regierung diesen abgelehnt hat. Die junge Frau fordert ein Umdenken: "Ich glaube, das gehört auch zu einer sozialen Umwandlung, dass das auch in den Schulen thematisiert werden muss, weil auch die Erziehungsmodelle zum Teil noch sehr alt sind. In den Handbüchern, die in der Schule benutzt werden, wenn man eine Sprache lernt, da steht die Frau am Herd und der Mann mäht den Rasen. Es sind so Sachen, die müssen sich gesellschaftlich ändern. Es muss eben auch durch das Gesetz signalisiert werden, was OK ist und was nicht OK ist, was Männer machen dürfen und was sie nicht machen dürfen, sonst ändert sich das nicht."

Bränldy beklagt u.a. die Schweizer Gesetzgebung, was sexuelle Angriffe betrifft. Nur wenn eine Vergewaltigung mit Penetration vorliegt, greifen die Gesetze wirklich.

"Im Parlament sitzen halt vor allem ältere Männer über 50"

Mit Blick auf junge Männer sieht Stefanie Brändly den Willen zur Veränderung: "Ich glaube, die junge Generation ist da sehr viel offener und hat auch den Willen, das zu ändern, auch bei den Männern, das glaube ich wirklich. Aber in der Politik, im Parlament sitzen halt vor allem ältere Männer über 50, die vielelicht auch eine andere Weltanschauung haben als wir - und es wäre Zeit, dass sich das ändert."