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Zwischen Betteln und Benzin: Straßenkinder in Angola

Zwischen Betteln und Benzin: Straßenkinder in Angola
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Ihr Bett ist der harte Boden. Bis spät in die Nacht waren die Straßenkinder von Luanda auf den Beinen. Nur wenige Stunden später weckt sie der Straßenlärm wieder auf. Ruhigen Schlaf kennen sie nicht. Die Nächte in Angolas Hauptstadt sind gefährlich. Menschenhandel gehört zum Alltag.

Aber auch zwischen den Jugendlichen kommt es immer wieder zu Rivalitäten und Gewalt. Obwohl sie alle im selben Boot sitzen, betrachten sich die einzelnen Straßengangs oft als Feinde. Hier gilt: Der Stärkere überlebt – eine Kindheit haben diese Kinder nicht.

Von Polizisten geschlagen und missbraucht

Auch von der Polizei können sie sich keinen Schutz erhoffen. Ein Junge erzählt: "Sie kamen, als wir schliefen, weckten und schlugen uns. Dann brachten sie uns zur Polizeiwache und zwangen uns, die Böden und Toiletten zu putzen."

Eine Szene, die sich auf einer Polizeiwache mitten in Luanda abspielte. Offenbar kein Einzelfall. Wir kontaktieren die angolanische Nationalpolizei, bitten um eine Stellungnahme. Polizeisprecher Mateus Lemos Rodrigues verspricht: "Wir werden das untersuchen. Wir glauben, dass da einige unserer Beamten die Beherrschung verloren haben. Damit eine Untersuchung eingeleitet und die Polizisten zur Rechenschaft gezogen werden können, müssen die Vorwürfe erst schriftlich erfasst werden.“

Leere Worte, sagen Kinderschutzorganisationen. Schon mehrfach haben sie Angolas Behörden auf den Machtmissbrauch durch Polizeibeamte hingewiesen – doch geändert hat sich nichts

Zwischen Angst, Betteln und Benzin

Laut einer jüngsten Zählung leben in Luanda 465 Straßenkinder. Tatsächlich ist die Zahl wohl weitaus größer. "Es werden immer mehr", sagt ein Straßenjunge. "Früher waren wir viel weniger hier. Oft kommen die Neuen mit Sachen an, die sie gestohlen haben. Und kommt die Polizei, schieben sie die Schuld auf uns.“

Regel Nummer eins auf der Straße: Misstraue jedem, den du die nicht kennst. Um diesem erbarmungslosen Alltag zu entfliehen, betäuben sich die Jugendlichen mit Drogen. Die billigsten sind Klebstoff und Benzin. Schnüffeln benebelt, betäubt die Gefühle. Auf lange Sicht kann es Gehirn und Psyche erheblich schädigen.

Vor 20 Jahren, zur Zeit des Bürgerkriegs, flohen viele Kinder nach Luanda, um der Gewalt zu entkommen. Heute ist das anders, erklärt Adjaime de Freitas von der katholischen Initiative der Salesianer Don Boscos: "In Angola werden Kinder oft für das Unglück einer Familie verantwortlich gemacht. Sie werden als Hexen bezeichnet und verstoßen. Das ist der Hauptgrund, warum Kinder auf der Straße landen. Ein zweiter Grund ist die extreme Armut vieler Familien, die oft sehr früh auseinanderbrechen."

Weg von der Straße

Aber es gibt Hoffnung. Für einige Kinder ist die Straße keine Option mehr. Sie haben wieder ein Dach über dem Kopf und werden betreut - zum Beispiel von Helfern der italienischen NGO International Volunteer Service for Development (VIS). Zu den wichtigsten Geldgebern des Programms gehören die italienische Bischofskonferenz und die Europäische Union.

Die Umstellung ist oft hart. Die Kinder brauchen Zeit, um sich an ihr neues Zuhause zu gewöhnen. Sport hilft ihnen, Frust abzubauen. Zu lernen, nicht mehr nur für sich selbst, sondern als Team zu kämpfen. Mutig zu sein, an sich und eine gute Zukunft zu glauben.