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"700 Euro Miete - das ist mehr als der Mindestlohn"

"700 Euro Miete - das ist mehr als der Mindestlohn"
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Euronews-Korrespondentin Filipa Soares hat vor der Wahl mit Portugiesinnen und Portugiesen gesprochen, um zu erfahren, was ihnen wirklich wichtig ist.

"Wenn sie kommt, ruf ich die Polizei"

"Ich möchte in dem Haus sterben, in dem ich geboren wurde, in dem meine Eltern starben, mein Mann und meine Tante starben."

Maria Augusta Ferrão hätte nie erwartet, mit 86 Jahren aus ihrem Haus vertrieben zu werden. Sie ist eines der vielen älteren Opfer der Gentrifizierung in Porto. Im vergangenen Jahr erklärte die neue Eigentümerin des Gebäudes, in dem Maria den größten Teil ihres Lebens verbracht hat, dass sie gehen müsse. Sie schlug ihr ein kleineres Haus vor, das acht Mal so teuer ist. Es würde fast ihre gesamte Rente kosten.

Maria lehnte ab: "Die Vermieterin sagt, wenn ich nicht auf die einfache Tour gehe, wird sie mich auf unangenehme Weise zum gehen bringen."

Euronews: "Hat sie Sie bedroht?"

Maria: "Momentan nicht! Aber sie hat mich einige Male zuvor bedroht. Ich habe auf dem Nachttisch die Nummer der Polizeistation. Wenn sie kommt, rufe ich die Polizei. Denn sie darf nicht hierher kommen, um mir zu drohen."

"Mir wär es lieber, dass Gott mich auf den Friedhof schickt"

Euronews: "Wollen Sie ihr Zuhause nicht verlassen?"

Maria: "Nein, das möchte ich nicht. Mir wäre es lieber, dass Gott mich auf den Friedhof schickt. Oder aus dem Fenster zu springen. Für eine Weile hatte ich diese Idee, aber der Herr hat mir diese Idee ausgeredet."

Im selben Haus wie Maria wohnt eine Frau, die nach einem Schlaganfall körperlich behindert ist. Auch sie weigert sich zu gehen. Beide Frauen leben jetzt auf einer Baustelle, denn die Vermieterin hat angefangen, das Haus zu renovieren, wie die Schwester dieser Frau erzählt:

"Für die Vermieterin ist das kein Problem. Sie will sie gewaltsam hier rausholen. Sie hat das Badezimmer abgerissen. Als meine Schwester rausging, um ihre Rente abzuholen, schnitt sie die Hälfte des Geländers ab, sodass sie nicht mehr hochkam."

Tourismusboom sorgt für stark steigende Immobilienpreise

Während viele Portugiesen um ihre Häuser und Wohnungen kämpfen, in denen sie schon immer gelebt haben, können viele Ausländer hier problemlos Luxusimmobilien kaufen. Wer mindestens 500 000 Euro investiert, erhält eine Aufenthaltserlaubnis im Land. Es gibt auch Ausländer, die wegen der Steuervorteile nach Portugal ziehen.

Die Aussicht auf einen Steuersatz von gerade mal 20%, und die Lebensqualität, die Portugal bietet, haben Grzegorz Pawlik überzeugt, nach Porto zu ziehen. Als Software-Ingenieur gehört er zu den Fachkräften, für die die Regierung spezielle Anreize geschaffen hat.

"Ich arbeite freiberuflich für eine Firma in Großbritannien. Wir können ortsunabhängig arbeiten und treffen uns nur ein paar Mal im Jahr für ein oder zwei Wochen in London", so Grzegorz.

Grzegorz zahlt eine Miete von 700 Euro für seine Wohnung im Zentrum der Stadt. Das ist mehr als der monatliche Mindestlohn in Portugal.

Grzegorz weiß um diese Ungleichheiten: "Ich weiß, dass das eine Menge für den portugiesischen Markt ist, und ich weiß, dass sich das viele Leute nicht leisten können. Es ist eines der größten Probleme, mit denen die Stadt Porto zu kämpfen hat."

Portugal ist eines der Länder der Eurozone, in denen die Immobilienpreise am stärksten gestiegen sind. Der Tourismusboom hat ausländische Investoren angezogen - mit goldenen Visa und Steuervorteilen. Dadurch haben die Mieten ein Niveau erreicht, das mit portugiesischen Löhne kaum bezahlbar ist.