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Ärger mit Ankara: Italienische Gemeinde macht PKK-Chef Öcalan zum Ehrenbürger

Pro-kurdische Proteste in Solidarität mit Abdullah Öcalan in Straßburg
Pro-kurdische Proteste in Solidarität mit Abdullah Öcalan in Straßburg -
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Reuters
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Die Türkei hat den italienischen Botschafter Massimo Gaiani in Ankara einberufen, nachdem der Bürgermeister der Kleinstadt Berceto den inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan zum Ehrenbürger berief.

Die Regierung von Recep Tayyip Erdogan veurteile den Schritt aufs Schärfste, wie das Außenministerium in Ankara mitteilte.

Bei der Zeremonie in Berceto in der Provinz Parma am Samstag, dem 5. Oktober, wurde ¨Öcalan, der seit über 20 Jahren in Haft ist, von Newroz Uysal, einem der PKK-Anwälte vertreten.

Die Idee, Öcalan die Ehrenbürgerschaft zu verleihen, hatte der sozialistische Bürgermeister der kleinen Gemeinde in Norditalien, Luigi Lucchi. Einige Stadträte der linken Opposition hatten sich dagegen ausgesprochen.

"Ich bin überrascht. Ich bin Bürgermeister eines Bergdorfes mit 2.000 Einwohnern, wenn eine solche Geste, die von vielen anderen Gemeinden Italiens in den letzten Jahren gemacht wurde, in Ankara für Aufregung sorgt, bedeutet das, dass wir von der Türkei mehr Aufmerksamkeit bekommen, als von der italienischen Regierung", sagte Lucchi auf Anfrage von Euronews.

Die Initiative sei in Zusammenarbeit mit dem Historiker Franco Cardini entstanden, so Lucci. Cardini hatte den Schritt persönlich im Stadtrat erklärt: "Abgesehen von dem Streit um Öcalan - für die einen ist er ein Terrorist, für die anderen ein Held - hat er sich immer für einen gewaltfreien Kampf ausgesprochen. Im Gefängnis kann er seit 21 Jahren keinen Kontakt nach Außen haben - eine Situation, die aus Sicht der Menschenrechte nicht korrekt ist."

In Berceto wird die Opposition von der linken Demokratischen Partei geführt. "Es erscheint mir normal, auf der Seite der Kurden zu stehen, schon alleind dafür, was sie gegen die IS-MIliz getan haben. Es ist seltsam, dass die PD Öcalan in Städten wie Reggio Emilia die Ehrenbürgerschaft verleiht, aber hier dagegen stimmt", so Bürgermeister Lucchi.

Abdullah Öcalan sitzt wegen Verrats seit 1999 auf der Gefängnisinsel Imrali in lebenslanger Haft. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK kämpft seit 1984 mit Gewalt für mehr Autonomie für die Kurden. Eigenen Angaben zufolge ist sie inzwischen von der Maximalforderung eines unabhängigen Kurdenstaates abgerückt. Ein Waffenstillstand zwischen türkischer Regierung und PKK war im Sommer 2015 gescheitert.